." – "Doch gibt es Gelegenheiten", sagte der Major, "wo man sich innerlich frisch fühlt und sein Äusseres auch gar zu gern wieder auffrischen möchte."
Da der Ankömmling die wahre Gemütslage des Majors nicht ahnen konnte, so nahm er diese Äusserung im Soldatensinne und liess sich weitläufig darüber aus: wie viel beim Militär aufs Äussere ankomme und wie der Offizier, der so manches auf seine Kleidung zu wenden habe, doch auch einige Aufmerksamkeit auf Haut und Haare wenden könne.
"Es ist zum Beispiel unverantwortlich", fuhr er fort, "dass Eure Schläfe schon grau sind, dass hie und da sich Runzeln zusammenziehen und dass Euer Scheitel kahl zu werden droht. Seht mich alten Kerl einmal an! betrachtet, wie ich mich erhalten habe! und das alles ohne Hexerei und mit weit weniger Mühe und Sorgfalt, als man täglich anwendet, um sich zu beschädigen oder wenigstens Langeweile zu machen."
Der Major fand bei dieser zufälligen Unterredung zu sehr seinen Vorteil, als dass er sie so bald hätte abbrechen sollen; doch ging er leise und selbst gegen einen alten Bekannten mit Behutsamkeit zu Werke. – "Das habe ich nun leider versäumt!" rief er aus, "und nachzuholen ist es nicht; ich muss zu mich nun schon darein ergeben, und Ihr werdet deshalb nicht schlimmer von mir denken."
"Versäumt ist nichts!" erwiderte jener, "wenn ihr andern ernstaften Herren nur nicht so starr und steif wäret, nicht gleich einen jeden, der sein Äusseres bedenkt, für eitel erklären und euch dadurch selbst die Freude verkümmern möchtet, in gefälliger Gesellschaft zu sein und selbst zu gefallen." – "Wenn es auch keine Zauberei ist", lächelte der Major, "wodurch ihr andern euch jung erhaltet, so ist es doch ein Geheimnis, oder wenigstens sind es Arcana, dergleichen oft in den Zeitungen gepriesen werden, von denen ihr aber die besten herauszuproben wisst." – "Du magst im Scherz oder im Ernst reden", versetzte der Freund, "so hast du's getroffen. Unter den vielen Dingen, die man von jeher versucht hat, um dem Äusseren einige Nahrung zu geben, das oft viel früher als das Innere abnimmt, gibt es wirklich unschätzbare, einfache sowohl als zusammengesetzte Mittel, die mir von Kunstgenossen mitgeteilt, für bares Geld oder durch Zufall überliefert und von mir selbst ausgeprobt worden. Dabei bleib' ich und verharre nun, ohne deshalb meine weitern Forschungen aufzugeben. So viel kann ich dir sagen, und ich übertreibe nicht: ein Toilettenkästchen führe ich bei mir, über allen Preis! ein Kästchen, dessen Wirkungen ich wohl an dir erproben möchte, wenn wir nur vierzehn Tage zusammenblieben."
Der Gedanke, etwas dieser Art sei möglich und diese Möglichkeit werde ihm gerade in dem rechten Augenblicke so zufällig nahe gebracht, erheiterte den Geist des Majors dergestalt, dass er wirklich schon frischer und munterer aussah und, von der Hoffnung, Haupt und Gesicht mit seinem Herzen in Übereinstimmung zu bringen, belebt, von der Unruhe, die Mittel dazu bald näher kennen zu lernen, in Bewegung gesetzt, bei Tische ein ganz anderer Mensch erschien, Hilariens anmutigen Aufmerksamkeiten getrost entgegenging und auf sie mit einer gewissen Zuversicht blickte, die ihm heute früh noch sehr fremd gewesen war.
Hatte nun durch mancherlei Erinnerungen, Erzählungen und glückliche Einfälle der teatralische Freund die einmal angeregte gute Laune zu erhalten, zu beleben und zu vermehren gewusst, so wurde der Major um so verlegener, als jener gleich nach Tische sich zu entfernen und seinen Weg weiter fortzusetzen drohte. Auf alle Weise suchte er den Aufentalt seines Freundes, wenigstens über Nacht, zu erleichtern, indem er Vorspann und Relais auf morgen früh andringlich zusagte. Genug, die heilsame Toilette sollte nicht aus dem haus, bis man von ihrem Inhalt und Gebrauch näher unterrichtet wäre.
Der Major sah sehr wohl ein, dass hier keine Zeit zu verlieren sei, und suchte daher gleich nach Tische seinen alten Günstling allein zu sprechen. Da er das Herz nicht hatte, ganz gerade auf die Sache loszugehen, so lenkte er von weitem dahin, indem er, das vorige Gespräch wieder auffassend, versicherte: er für seine person würde gern mehr Sorgfalt auf das Äussere verwenden, wenn nur nicht gleich die Menschen einen jeden, dem sie ein solches Bestreben anmerken, für eitel erklärten und ihm dadurch sogleich wieder an der sittlichen achtung entzögen, was sie sich genötigt fühlten an der sinnlichen ihm zuzugestehen.
"Mache mich mit solchen Redensarten nicht verdriesslich!" versetzte der Freund; "denn das sind Ausdrücke, die sich die Gesellschaft angewöhnt hat, ohne etwas dabei zu denken, oder, wenn man es strenger nehmen will, wodurch sich ihre unfreundliche und misswollende natur ausspricht. Wenn du es recht genau betrachtest: was ist denn das, was man oft als Eitelkeit verrufen möchte? Jeder Mensch soll Freude an sich selbst haben, und glücklich, wer sie hat. Hat er sie aber, wie kann er sich verwehren, dieses angenehme Gefühl merken zu lassen? Wie soll er mitten im Dasein verbergen, dass er eine Freude am Dasein habe? Fände die gute Gesellschaft, denn von der ist doch hier allein die Rede, nur alsdann diese Äusserungen tadelhaft, wenn sie zu lebhaft werden, wenn des einen Menschen Freude an sich und seinem Wesen die andern hindert, Freude an dem ihrigen zu haben und sie zu zeigen, so wäre nichts dabei zu