schauten lächelnd zur Erde, die dritten standen strack und mutig; die arme niedergesenkt, wendeten sie den Kopf nach der rechten Seite und stellten sich in eine Reihe, anstatt dass jene vereinzelt blieben, wo man sie traf.
Als man darauf haltmachte und abstieg, wo eben mehrere Kinder nach verschiedener Weise sich aufstellten und von dem Vorgesetzten gemustert wurden, fragte Wilhelm nach der Bedeutung dieser Gebärden; Felix fiel ein und sagte munter: "Was für eine Stellung hab' ich denn einzunehmen?" – "Auf alle Fälle", versetzte der Aufseher, "zuerst die arme über die Brust und ernstaft-froh nach oben gesehen, ohne den blick zu verwenden." Er gehorchte, doch rief er bald: "Dies gefällt mir nicht sonderlich, ich sehe ja nichts da droben; dauert es lange? Doch ja!" rief er freudig, "ein paar Habichte fliegen von Westen nach Osten; das ist wohl ein gutes Zeichen?" – "Wienach du's aufnimmst, je nachdem du dich beträgst", versetzte jener; "jetzt mische dich unter sie, wie sie sich mischen." Er gab ein Zeichen, die Kinder verliessen ihre Stellung, ergriffen ihre Beschäftigung oder spielten wie vorher.
"Mögen und können Sie mir", sagte Wilhelm darauf, "das, was mich hier in Verwunderung setzt, erklären? Ich sehe wohl, dass diese Gebärden, diese Stellungen Grüsse sind, womit man Sie empfängt." – "Ganz richtig", versetzte jener, "Grüsse, die mir sogleich andeuten, auf welcher Stufe der Bildung ein jeder dieser Knaben steht."
"Dürfen Sie mir aber", versetzte Wilhelm, "die Bedeutung des Stufengangs wohl erklären? denn dass es einer sei, lässt sich wohl einsehen." – "Dies gebührt Höheren, als ich bin", antwortete jener; "so viel aber kann ich versichern, dass es nicht leere Grimassen sind, dass vielmehr den Kindern zwar nicht die höchste, aber doch eine leitende, fassliche Bedeutung überliefert wird; zugleich aber ist jedem geboten, für sich zu behalten und zu hegen, was man ihm als Bescheid zu erteilen für gut findet; sie dürfen weder mit Fremden noch unter einander selbst darüber schwatzen, und so modifiziert sich die Lehre hundertfältig. Ausserdem hat das Geheimnis sehr grosse Vorteile: denn wenn man dem Menschen gleich und immer sagt, worauf alles ankommt, so denkt er, es sei nichts dahinter. Gewissen Geheimnissen, und wenn sie offenbar wären, muss man durch Verhüllen und Schweigen achtung erweisen, denn dieses wirkt auf Scham und gute Sitten." – "Ich verstehe Sie", versetzte Wilhelm, "warum sollten wir das, was in körperlichen Dingen so nötig ist, nicht auch geistig anwenden? Vielleicht aber können Sie in einem andern Bezug meine Neugierde befriedigen. Die grosse Mannigfaltigkeit in Schnitt und Farbe der Kleider fällt mir auf, und doch sehe' ich nicht alle Farben, aber einige in allen ihren Abstufungen, vom Hellsten bis zum Dunkelsten. Doch bemerke ich, dass hier keine Bezeichnung der Stufen irgendeines Alters oder Verdienstes gemeint sein kann, indem die kleinsten und grössten Knaben untermischt so an Schnitt als Farbe gleich sein können, aber die von gleichen Gebärden im Gewand nicht miteinander übereinstimmen." – "Auch was dies betrifft", versetzte der Begleitende, "darf ich mich nicht weiter auslassen; doch müsste ich mich sehr irren, oder Sie werden über alles, wie Sie nur wünschen mögen, aufgeklärt von uns scheiden."
Man verfolgte nunmehr die Spur des Obern, welche man gefunden zu haben glaubte; nun aber musste dem Fremdling notwendig auffallen, dass, je weiter sie ins Land kamen, ein wohllautender Gesang ihnen immer mehr entgegentönte. Was die Knaben auch begannen, bei welcher Arbeit man sie auch fand, immer sangen sie, und zwar schienen es Lieder jedem Geschäft besonders angemessen und in gleichen Fällen überall dieselben. Traten mehrere Kinder zusammen, so begleiteten sie sich wechselsweise; gegen Abend fanden sich auch Tanzende, deren Schritte durch Chöre belebt und geregelt wurden. Felix stimmte vom Pferde herab mit ein, und zwar nicht ganz unglücklich, Wilhelm vergnügte sich so an dieser die Gegend belebenden Unterhaltung.
"Wahrscheinlich", so sprach er zu seinem gefährten, "wendet man viele Sorgfalt auf solchen Unterricht, denn sonst könnte diese Geschicklichkeit nicht so weit ausgebreitet und so vollkommen ausgebildet sein." – "Allerdings", versetzte jener, "bei uns ist der Gesang die erste Stufe der Bildung, alles andere schliesst sich daran und wird dadurch vermittelt. Der einfachste Genuss sowie die einfachste Lehre werden bei uns durch Gesang belebt und eingeprägt, ja selbst was wir überliefern von Glaubens- und Sittenbekenntnis, wird auf dem Wege des Gesanges mitgeteilt; andere Vorteile zu selbsttätigen Zwecken verschwistern sich sogleich: denn indem wir die Kinder üben, Töne, welche sie hervorbringen, mit Zeichen auf die Tafel schreiben zu lernen und nach Anlass dieser Zeichen sodann in ihrer Kehle wiederzufinden, ferner den Text darunterzufügen, so üben sie zugleich Hand, Ohr und Auge und gelangen schneller zum Recht- und Schönschreiben, als man denkt, und da dieses alles zuletzt nach reinen massen, nach genau bestimmten Zahlen ausgeübt und nachgebildet werden muss, so fassen sie den hohen Wert der Mess- und Rechenkunst viel geschwinder als auf jede andere Weise. Deshalb haben wir denn unter allem Denkbaren die Musik zum Element unserer Erziehung gewählt, denn von ihr laufen