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fortfahren liess. Unterwegs machte ich sogleich den Versuch, mit den Täschchen an beiden Seiten. An der Stelle des Geldes, welches ausgegangen schien, fand ich ein Schlüsselchen; es gehörte zur Schatulle, in welcher ich einen ziemlichen Ersatz fand. Solange das vorhielt, bediente ich mich des Wagens; nachher wurde dieser verkauft, um mich auf dem Postwagen fortzubringen. Die Schatulle schlug ich zuletzt los, weil ich immer dachte, sie sollte sich noch einmal füllen, und so kam ich denn endlich, obgleich durch einen ziemlichen Umweg, wieder an den Herd zur Köchin, wo ihr mich zuerst habt kennen lernen.

Siebentes Kapitel

Hersilie an Wilhelm

Bekanntschaften, wenn sie sich auch gleichgültig ankündigen, haben oft die wichtigsten Folgen, und nun gar die Ihrige, die gleich von Anfang nicht gleichgültig war. Der wunderliche Schlüssel kam in meine hände als ein seltsames Pfand; nun besitze ich das Kästchen auch. Schlüssel und Kästchen, was sagen Sie dazu? Was soll man dazu sagen? hören Sie, wie's zuging:

Ein junger, feiner Mann lässt sich bei meinem Oheim melden und erzählt, dass der kuriose Antiquitätenkrämer, der mit Ihnen lange in Verbindung gestanden, vor kurzem gestorben sei und ihm die ganze merkwürdige Verlassenschaft übertragen, zugleich aber zur Pflicht gemacht habe, alles fremde Eigentum, was eigentlich nur deponiert sei, unverzüglich zurückzugeben. eigenes Gut beunruhige niemanden, denn man habe den Verlust allein zu ertragen; fremdes Gut jedoch zu bewahren, habe er sich nur in besonderen Fällen erlaubt, ihm wolle er diese Last nicht aufbürden, ja er verbiete ihm, in väterlicher Liebe und Autorität, sich damit zu befassen. Und hiemit zog er das Kästchen hervor, das, wenn ich es schon aus der Beschreibung kannte, mir doch ganz vorzüglich in die Augen fiel.

Der Oheim, nachdem er es von allen Seiten besehen, gab es zurück und sagte: Auch er habe es sich zur Pflicht gemacht, in gleichem Sinne zu handeln und sich mit keiner Antiquität, sie sei auch noch so schön und wunderbar, zu belasten, wenn er nicht wisse, wem sie früher angehört und was für eine historische Merkwürdigkeit damit zu verknüpfen sei. Nun zeige dieses Kästchen weder Buchstaben noch Ziffer, weder Jahrzahl noch sonst eine Andeutung, woraus man den frühern Besitzer oder Künstler erraten könne, es sei ihm also völlig unnütz und ohne Interesse.

Der junge Mann stand in grosser Verlegenheit und fragte nach einigem Besinnen, ob er nicht erlauben wolle, solches bei seinen Gerichten niederzulegen? Der Oheim lächelte, wandte sich zu mir und sprach: "Das wär' ein hübsches Geschäft für dich, Hersilie; du hast ja auch allerlei Schmuck und zierliche Kostbarkeiten, leg' es dazu; denn ich wollte wetten, der Freund, der dir nicht gleichgültig blieb, kommt gelegentlich wieder und holt es ab."

Das muss ich nun so hinschreiben, wenn ich treu erzählen will, und sodann muss ich bekennen, ich sah das Kästchen mit neidischen Augen an, und eine gewisse Habsucht bemächtigte sich meiner. Mir widerte, das herrliche, dem holden Felix vom Schicksal zugedachte Schatzkästlein in dem alt-eisernen, verrosteten Depositenkasten der Gerichtsstube zu wissen. Wünschelrutenartig zog sich die Hand darnach, mein bisschen Vernunft hielt sie zurück; ich hatte ja den Schlüssel, das durfte ich nicht entdecken; und sollte ich mir die Qual antun, das Schloss uneröffnet zu lassen, oder mich der unbefugten Kühnheit hingeben, es aufzuschliessen? Allein, ich weiss nicht, war es Wunsch oder Ahnung, ich stellte mir vor, Sie kämen, kämen bald, wären schon da, wenn ich auf mein Zimmer träte; genug, es war mir so wunderlich, so seltsam, so konfus, wie es mir immer geht, wenn ich aus meiner gleichmütigen Heiterkeit herausgenötigt werde. Ich sage nichts weiter, beschreibe nicht, entschuldige nicht; genug, hier liegt das Kästchen vor mir in meiner Schatulle, der Schlüssel daneben, und wenn Sie eine Art von Herz und Gemüt haben, so denken Sie, wie mir zumute ist, wie viele Leidenschaften sich in mir herumkämpfen, wie ich Sie herwünsche, auch wohl Felix dazu, dass es ein Ende werde, wenigstens dass eine Deutung vorgehe, was damit gemeint sei, mit diesem wunderbaren Finden, Wiederfinden, Trennen und Vereinigen; und sollte ich auch nicht aus aller Verlegenheit gerettet werden, so wünsche ich wenigstens sehnlichst, dass diese sich aufkläre, sich endige, wenn mir auch, wie ich fürchte, etwas Schlimmeres begegnen sollte.

Achtes Kapitel

Unter den Papieren, die uns zur Redaktion vorliegen, finden wir einen Schwank, den wir ohne weitere Vorbereitung hier einschalten, weil unsre Angelegenheiten immer ernstafter werden und wir für dergleichen Unregelmässigkeiten fernerhin keine Stelle finden möchten.

Im ganzen möchte diese Erzählung dem Leser nicht unangenehm sein, wie sie St. Christoph am heitern Abend einem Kreise versammelter lustiger Gesellen vortrug.

Die gefährliche Wette

Es ist bekannt, dass die Menschen, sobald es ihnen einigermassen wohl und nach ihrem Sinne geht, alsobald nicht wissen, was sie vor Übermut anfangen sollen; und so hatten denn auch mutwillige Studenten die Gewohnheit, während der Ferien scharenweis das Land zu durchziehen und nach ihrer Art Suiten zu reissen, welche freilich nicht immer die besten Folgen hatten. Sie waren gar verschiedener Art, wie sie das Burschenleben zusammenführt und bindet. Ungleich von Geburt und Wohlhabenheit, Geist und Bildung, aber alle gesellig in einem heitern Sinne miteinander einander sich fortbewegend und treibend