wieder werden! Alles ist dagegen. Es passt auch nicht.
Wirst Du mich verstehen, Heinrich, wenn ich Dir sage, dass es Emma ist, die mich hier festält? Sie ist so plötzlich, so unnatürlich, möchte ich sagen, von mir losgerissen worden. So lässt es ihr Herz, so lässt es das Leben nicht. Ich weiss das gewiss. Ich bleibe deshalb, und warte, bis sie mir sagt, was s i e will, was ich s o l l . Erkläre mir, wenn Du kannst, die unbegreiflichen Widersprüche des Herzens. Ich gehe nie an ihrem Fenster vorüber, ohne dass es mich heiss durchrieselt, ohne dass mein nasses Auge sie hinter den Scheiben sucht. Heute bei meiner Heimkehr erschütterte es mich unaussprechlich, als ich die Fenster ausgehoben, die Vorhänge aufgeschlagen fand, und das tiefe Zimmer so dunkel und öde nach Aussen heraustrat. Ich stand lange davor. Drüben auf dem Altane sass der Oheim. Er hatte den Kopf in die Hand gelegt, und betrachtete mich gedankenvoll. Ich fühlte, was in ihm vorging. O wäre Emma in diesem Augenblick – nun und was dann? wirst Du fragen. Ja, dies d a n n , ist eine lange, unbestimmte Zukunft, und der Mensch, Heinrich, ist ein Mensch.
Lebe wohl! Ich will morgen zu meinen Dragonern hinüber reiten, und mich wieder jung schwatzen.
Curd an die Gräfin Ulmenstein
Wie beschämen Sie mich, gnädige Frau! Sie lassen sich herab, mir zuerst wieder zu schreiben, mich willkommen zu heissen in der Heimat! mir zu sagen, dass ich erwartet werde, dass ich nur eilen soll, mich der grossmütigsten Beschützerin zu Füssen zu legen, die ihren reichen Vorrat launiger, unterhaltender Mitteilungen für mich in Bereitschaft hält.
Wahrhaftig, kann mich etwas mit dem Gedanken versöhnen, wieder in unsere gute, alte Stadt zurückzukehren, so ist es allein Ihre Gnade, Ihre liebenswürdige Gesellschaft, das elegante Haus der einzigen Frau in Deutschland, die Hoffnung, den Zirkel dort wieder zu finden, der sich allein um solchen Mittelpunkt versammelt.
Sie, Gnädigste, könnten den Aufentalt in Paris allein vergessen machen! Welche Ansprüche auf die Dankbarkeit des deutschen Reisenden haben sie nun vollends dadurch, dass er bei Ihnen nichts von Allem vermisst, was er im Auslande zurückliess! Wüsste ich nur, was ich tun könnte, um mich einigermassen eines solchen Glückes würdig zu zeigen! die schwachen Beiträge, welche ich zu Ihrer Unterhaltung liefern kann, sind nicht von der Art, um mir ein Recht auf die mir so vielfach bewiesene Aufmerksamkeit zu geben. Kleine Reiseabenteuer, in denen sich mein unbedeutendes Selbst verflochten findet, war ich schon so dreist, Ihnen vorzulegen. Leider ist mir aber nichts Bedeutendes begegnet. Ehrlich gesprochen, gnädige Gräfin, Leute, die nichts Besonderes sein wollen, erfahren sehr selten etwas Ausserordentliches. Die gebildete Gesellschaft duldet nirgends auffallende Ereignisse. Ueberall gibt es einander ähnlich sehende gesetz, strenge Polizei, geebnete Strassen, über die man pfeilschnell hinfliegt, grosse Städte, grosse Welt, und fast nur e i n e Sprache, ob diese französisch, englisch oder deutsch heisst, Menschen von Erziehung reden alle aus einem Tone. Das bestätigen uns die neuesten Reisebeschreibungen. Sie sagen immer dasselbe, wenn sich nicht so ein guter, wandernder Künstler auf die Beine macht, und uns sein Abenteuer zum Besten gibt. Ich versichere Sie, der Parmesankäse schmeckt in Parma nicht anders als in unsrer Residenz, der ächte Syllerie wird überall n u r ä c h t geschätzt, französische Köche an jedem Orte gut bezahlt, Trüffeln aus Perigord, so wie Strasburger Pasteten machen die Reise bis nach Neapel, der Mann von Geschmack isst im Norden und Süden gern gut, und die Frauen dürfen nur die Augen in den Spiegel werfen, um zu unterscheiden, ob eine Pariser Toilette sie kleide? Uebrigens wissen Alle, was ein hübscher Fuss in der Welt gilt, w i e er am zierlichsten beschuhet, w i e am vorteilhaftesten gesetzt wird. Wer s u c h t , der wird f i n d e n , heisst es. Es suchen die Klügsten d a s s e l b e , und Einige finden es überall. Der ganze Unterschied besteht darin, dass dies mit mehr oder weniger Grazie geschieht. Indess, gute Tanzmeister finden sich dann doch an den meisten bedeutenden Orten. Selbst in Deutschland ist, Gott sei's gedankt! die Erziehung hierin soweit vorgeschritten, dass man dreist eine Comtesse Ulmenstein neben die gewandtèste Pariserin stellen darf. Sie sehen, gnädige Frau, etwas Neuem begegnete ich eben nicht. Wie sehr muss ich auch hierin gegen Sie zurückstehen, Sie, die mir den aller reichhaltigsten Brief, voll der bizarrsten Katastrophen mitzuteilen die Gnade hatten. Welch ein Wahnsinn befiel denn Ihre Nachbarn! Die Tragi-Komödie am See beschreibt Ihre meisterhafte Feder im Styl einer Seriguee. Ich war dadurch so überrascht, dass ich Anfangs die ganze Sache für eine Fiction Ihrer scherzhaften Laune hielt. Die ausserordentliche Wahrheit, mit der Sie das Gemälde hinstellen, konnte mich auch nicht so leicht irre machen, da ich wohl schon öfter gelegenheit hatte, ein Talent zu bewundern, das eben so täuschend trifft, als glücklich malt. Indess sollte ich in Kurzem durch den Augenschein über jene Zweifel belehrt werden.
Ja, gnädigste Frau, durch den Augenschein. Die schöne Elise hält sich im haus meiner Mutter auf. Denken Sie