Reich, eine neue Heimat, welcher Not und Willkühr den Zauber der ursprünglichen leihen müssen.
Ohne Umsprung des Geschicks, ohne Gewitter der leidenschaft, zerfällt Niemand mit der Ordnung der natur.
Aus diesem Quell entspringen aber nur sehr selten Abweichungen. Es gibt so selten starke Gefühle, wie starke Menschen. Das Geschick der Meisten gleicht sich auf ein Haar. Dadurch kommt nichts Neues in das Leben. Es ist immer das Alte, das nur dann überrascht, wenn es um ein Jahrzehend zurück, den vergessenen Rock zwischen einem modernen Costüm blicken lässt. Da ist es alt!
Der arme Comtur ist übrigens in den verwachsenen Kleidern auch nicht auf Rosen gegangen. Es ist nicht leicht, das Unnatürliche mit sich selbst in Uebereinstimmung zu bringen. Der Mann weiss heute zur Stunde noch nicht, was er auch sagen mag, ob er recht oder unrecht daran getan hat, den Bruder aus der väterlichen Erbfolge auszuschliessen. Deshalb mein Besuch hier.
Mir ist die ganze geschichte fatal. Ohne dies verhältnis zu Emma und die unruhige Geschäftigkeit ihrer Mutter, die sehr geschickt die Musse und den Verstand einer Stiftsdame zu ihren Zwecken benutzte, wäre es niemals dahin gekommen.
Noch einmal, ich bin hier! und werde der Erbe eines reichen Mannes auf Kosten entfernter Vettern, die gewiss eine andere Rechnung gemacht hatten.
Meine Ankunft, wie mein Aufentalt, ruht eben dieser Vettern wegen unter einer Art geheimnissvollem Schleier. Ich zog in der Nacht hier ein. Den Wagen, der mir entgegen geschickt wurde, benutzte ich nicht. Ich blieb zu Pferde und ritt bescheiden hinter des Oheims Equipage. So ist auch ungefähr mein Benehmen geblieben. Das heisst, ich stelle nichts vor und lasse mich vorstellen.
Unsere erste Zusammenkunft war von beiden Teilen steif. Das konnte nicht anders sein. Der Comtur ist von natur ein wenig allzu hoch, für einen Sinn, wie der meinige. Ich bin immer ich selbst. Wir fanden uns gegenseitig nicht besonders befriedigt. Indess hege ich niemals Groll gegen einen Menschen. Meine Brust hat keinen Raum für ein rein gehässiges Gefühl. Und Gründe, es zu erzeugen, fallen stets durch ruhige Betrachtung des Zusammenhangs feindlicher Verhältnisse, in Nichts zusammen. Ich sehe die Dinge wie sie sind. Damit hat in der Regel die Critik ein Ende. Ich bin fertig in mir, und lasse es gut sein.
Diese ruhige Stimmung macht mich unbefangen. Ich streite nicht mit dem alten mann. Wir nähern uns durch Gewohnheit.
An Emma habe ich geschrieben. Das vermittelnde Stiftsfräulein ist zu ihrer Mutter gereis't. An dem ganzen Gewebe fehlt nichts mehr, als dass es aufgerollt wird. Der Comtur hat schon Hand daran gelegt, und ich bin nun mit meinem Geschick am Ziele.
Das wäre ja wohl ungefähr das Wesentliche, was ich von mir zu melden hätte! Historisch betrachtet, ganz erstaunt viel! Für mich selbst, unglaublich wenig. Ich kann Dir nicht sagen, wie lächerlich mir zuweilen all die Anstalten für das Leben erscheinen. Dies selbst geht darüber hin. Das Lästige bleibt auf den Schultern liegen. Der unbefangene Genuss verflog, ehe man ihn kennen durfte.
Ich wünsche Dir Glück zu Deiner Freiheit. Halte sie in Ehren. Verschleudre sie um kein Schaugericht. Man wird nicht satt davon.
Elise an Sophie
Ihr geheimnis ist am Tage. Es verlohnte nicht der Mühe, die Maske anzulegen. Eine Heirat bringt man auch wohl sonst zu stand. War der Roman seinem Ende so nahe, wozu die Aufmerksamkeit, durch den Schein des besonderen, auf höchst gewöhnliche Verhältnisse lenken? Es hat mich verdrossen, dass ich mich anführen liess. Zuletzt lachte mich die Gräfin, mit ihrer gewöhnlichen guten Laune, darüber aus. Ich lache mit; eigentlich ist es mir aber nicht so ums Herz.
Sie hat richtig, wie ich's dachte, den ganzen Zusammenhang ausgespürt.
Vorigen Sonnabend ging ich Nachmittags mit Georg den Weg nach der Stadt, Eduard entgegen, der früher als sonst von dort zurückzukommen gedachte.
Es währte auch nicht lange, so entdeckten wir in der Ferne einen Wagen, der auf uns zukam. Ich setzte mich mit dem kind auf die Steinbank, seitwärts unter den Kastanien, nieder. In einer Wolke von Staub gehüllt, rasselte die offene Chaise heran. Allein, statt Eduards grauem Reisemantel und lederner Schirmmütze, leuchteten mir so viel bunte Bänder, flatternde Swahls und modische Sommerhüte entgegen, dass ich nicht länger an meinen ehrbaren Präsidenten in seiner preoccupirten Vortragslaune denken konnte, sondern neugierig den Vorüberfliegenden nachsah, die sich weit aus dem Schlage herauslegten, und mich in ihren lebhaften Begrüssungen, meine Nachbarinnen erkennen liessen.
Ich musste lachen, wie diese Leute die Residenz mit allem modischen Zwange auf jedem Fleck der Erde, auf Reisen, wie in das freie Landleben hinter sich her schleppen. Indess flimmerten die bunten Schmetterlingsflügel doch ganz lustig an dem melancholischen Abendhimmel vorüber, und mit einer Art von Freude, fühlte ich, durch ihre Nähe, meine Einsamkeit unterbrochen.
Am folgenden Morgen erhielt ich denn auch schon von der Hand der Gräfin in zwei eben so flüchtigen als verbindlichen Zeilen, die Anzeige ihrer Rückkehr, und das Versprechen ihres nahen Besuchs. Ich kam diesem zuvor, und war gestern in dem grünen Ulmenstein, wo alles lacht, der Garten mit seinen hellen Teichen, das Schloss, die moderne Einrichtung, die eleganten Besitzer, die flinke Dienerschaft, bis auf den Papagei im Messingbauer auf der Terrasse.
Die Gräfin war entzückt über die allerliebste