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i s t o r i s c h e solcher Haupt- und Staatsactionen singen Dir mit Nächstem die Jungen auf der Strasse vor. Erlass mir das Sprechen darüber.

Ja, ja mein Freund, das wäre auch vorbei! Die Menschen können das Natürliche und Wahre nicht natürlich und wahr nehmen. Sie zerren so lange daran, bis sie wirklich das Greuelbild daraus machen, was sie sich darunter denken. Es ist ein niedriges Gelüst in den Meisten! ein Vernichtungstrieb, der selbst den Schwächling kitzelt, seinen Fuss zu heben und in den Staub zu treten, was ihm über den Kopf wächst! Das ist der gemeine gang der Dinge! Es scheint uns nur ungewöhnlich, wenn wir darunter leiden. Gäbe es keine Tyrannei, so hätte sich der Gedanke wohl niemals frei gemacht.

Ich habe viel mit mir zu tun gehabt, ehe ich den Zorn überwand, der sich meiner zu bemeistern drohte. Mich hatte der Auftritt empört. Alles sehe ich entweiht. Das Heiligste und Geheimste. Mir widersteht jede Verletzung zarterer Rücksicht. Ich fuhr zurück vor der Verwilderung des Schmerzes, und sah mit Unwillen das Edelste von der dammlosen Flut der Gemeinheit fortgerissen. Die rohen hände waren gehoben, um das geheimnis zu entüllen. Ich hörte die schneidenden Töne des Schreckens, und Alles, selbst die Geliebte ward mir fremd.

nachher musste ich mich tadeln, so einseitig empfunden zu haben. Aber wahr blieb es doch, ich hatte die Blüte zerstäuben sehen, und konnte die kahlen Staubfäden nicht wieder mit ihrer duftigen Krone umschliessen.

Heinrich, ich bin aus meinem Himmel gefallen, und das ist von allem das Schlimmste.

Ich mochte deshalb immer noch nicht an Elisen schreiben. Mich dünkt, der natürliche Vermittler unserer Gefühle, der Schlüssel zu jener Zeichensprache des Herzens sei nicht mehr in ihren Händen. Ich fürchte, ihr nicht ganz verständlich zu sein. Es ist etwas in mir verletzt, das ich weder verbergen noch auch angeben kann. Siehst Du, wir wurden einen Augenblick, jeder in die eigne, besondere Welt zurückgeworfen. D e r Augenblick liess eine Lücke. Ich bin verlegen, bei dieser zu verweilen, oder sie zu überspringen. Die Zeit mag sie füllen! Die Zeit mag überhaupt hier walten. Ich lasse sie machen! – – – – Wir sind geboren, unsere eigene Narren zu sein. Da nehme ich dies Blatt nach mehreren Tagen wieder zur Hand, und muss mich gleich in den ersten Zeilen auf einer gewissen coquettirenden Misantropie ertappen, die gar nicht zu meiner jetzigen Stimmung passt. Lieber Heinrich! wenn ich mich anders recht verstehe, suchte ich längst eine Veranlassung, Dir mit guter Manier Nachricht von mir zu geben. Ich scheute dieses, wie ich auch Deine Ankunft scheue, und doch Beides wünsche. Was aber vor Allem lächerlich herauskommt, ist meine Verachtung gegen das g e s p r o c h e n e Wort, indess ich mehrere, als gescheut ist, darüber mache.

Du siehst, dass ich noch nicht zur Ruhe in mir gekommen bin, und von einem Aeussersten zum andern übergehe.

Diese Widersprüche machen mich zuweilen mutlos. Ich war auch zeiter nicht wohl. Der Streifschuss am Arm machte mir doch mehr zu schaffen, als ich Anfangs dachte. Ich habe gelitten, und, des Kränkelns ungewohnt, geriet ich in einen gereizten, ärgerlichen Zustand, aus dem ich noch nicht heraus kann.

Vorzüglich verdross mich die ungeschickte und einfältige Art, eine ernstafte, auf die stille, innere überzeugung des Menschen, beruhende Handlung, wie einen brutalen Anfall behandelt zu sehen. Das Sühnofer der Ehre, wie diese auch immer verstanden werden mag, muss e h r e n v o l l gefordert und gebracht werden. Es ist denn auch nicht mit einem Bischen Pulverdampf und ein Paar Blutstropfen abgetan. Die leidenschaft genügt sich s c h n e l l . Das g e k r ä n k t e S e l b s t g e f ü h l aber muss sich wieder herstellen oder erliegen.

Der ausser sich geratene Mann lief mir wie ein Rasender in den Weg, drang mir ein Pistol auf, und, ganz achtlos gegen Duellgesetze, schrie er mir zu, in beliebiger Nähe loszudrücken, wenn er es tun würde. Ohne einen andern als den höchsten Zeugen über uns, schnell mit mir einverstanden, stand ich ihm, schoss in die Luft, und erhielt die leichte Wunde. Zufällig floss mein Blut rascher und häufiger, als es die unbedeutende Verletzung sonst wohl vermuten liess. Ich musste in der Tat lachen, wie erschrocken und stolz mein Gegner um sich sah. Es fiel augenscheinlich eine Last von seiner Seele, während er doch nicht ganz sicher vor den Folgen schien. Ich beruhigte ihn völlig über mich. In der Ueberraschung, die Angelegenheit so schnell beendigt, und sich selbst vor der Welt behauptet zu haben, sagte er ziemlich unbewacht: "Nun, so gehen Sie, mein Herr, gehen Sie, sich heilen zu lassen! Ich will Ihr Leben nicht länger in Gefahr setzen. Ich habe, g l a u b e i c h , g e z e i g t , d a ss i c h nicht zu den Elenden gehöre, die u n g e s t r a f t m i t s i c h s p i e l e n l a s s e n ."

Er ging bei diesen Worten nach seiner