. "Die engen Rücksichten, in welche ihn dieser hineintreibt, er findet hierin eine unerträgliche Anmassung."
"Sagte er Ihnen das?" fragte sie schwermütig. "Ja!" entgegnete ich, im Begriff noch mehr hinzuzusetzen, als sie ausrief: "Weshalb I h n e n ? wenn er mich nicht aufgab! Erwartet er nur durch Sie d e n Trost, den er bei mir nicht sucht?" "Sie sind ungerecht, Emma," fiel ich ein. "Vergessen Sie, dass er sich durch Sie missverstanden glaubt?" "Hat er auch von mir verstanden sein wollen?" fragte sie. "Nein, nein, so durchaus blosser Wahn ist es nicht, was unsern Frieden stört!" setzte sie eilig hinzu. "Deshalb eine Bitte. Versprechen Sie nur das Eine, kein geheimnis in Bezug auf Hugo für mich zu haben. Ich fordere auch nicht, dass Sie ihm Eins aus meinem Anliegen machen, denn ich bin Willens, dasselbe Gesuch an ihn zu richten. Können Sie, wollen Sie das? so bin ich ruhig, und Sie dürfen es ebenfalls sein, wie auch der äussere gang der Dinge gehen möge."
Hugo, ich habe es versprochen, und werde dies Wort nur mit meinem Leben brechen.
Wir brachten nachdem nur noch wenige stumme Minuten mit einander zu. Die Ankunft des Arztes erinnerte mich erst, dass Georg die ganze Zeit sanft geschlafen hatte, dass meine sorge übertrieben, und der Zustand des Kindes nicht so beunruhigend war, als ich fürchtete.
Emma's Anwesenheit versetzte Eduard späterhin, der nun auch gekommen war, in die beste Laune; und so hat dieser Engel ein Licht zurückgelassen, das noch meine Einsamkeit erhellet. Georg ist wieder wohl. Ich danke dem Himmel, und sehe still zu, wie sich die Erde allmählich vergrünt und der volle Strom des Daseins durch alle Adern des Lebens quillt!
Hugo, die Menschen mögen es anfangen, wie sie wollen, das Lebendige l e b t fort! Was kümmert uns das Uebrige!
Die Oberhofmeisterin an Sophie!
Was ich wollte, ist geschehen. Schlag auf Schlag ist gefallen, und Alles steht wie es stand! Ich bin erschöpft. Eine höhere Hand muss hier Ordnung machen. Mein Einfluss ist zu Ende!
Und wie sie sich betrügen, wie Einer den Andern, wie jeder sich selbst täuscht!
Wenn die Leute erst von der W e l t i n i h r e r B r u s t , dem S c h w u n g e und dem U m f a n g e i h r e r E m p f i n d u n g e n faseln, dann bin ich gleich fertig. Das ist freilich eine fremde Region! Da untersteht sich kein vernünftiger Mensch mit spatzieren zu gehen.
Emma ist so gut in die Höhe geschraubt, wie Alles, was den bahnlosen Schwärmern anhängt. Ich höre ihr oft mit Staunen zu, mit welcher ehrlichen Miene sie uns die unsinnigsten Lügen auftischt.
Freundschaft! Freundschaft! das ist hier das dritte Wort, und Keiner, wette ich, weiss, was das Wort in sich fasst.
Die heitre, klare, unbegehrliche, immer empfängliche, immer tätige Gemeinschaft der Seele, gleicht diesem hypochondrischen Versinken, der eifersüchtigen Scheu, dem schwärmerischen Selbstbespiegeln, wie Sonnenschein und Gewitterluft.
Sie haben sich verständigt, heisst es, sie sind r u h i g ! Aber das ist eine Ruhe, die an künstliche Einschläfrungsmittel erinnert, und nicht eine Spur von lebendiger Wahrheit in sich trägt.
Die Spannung war auf das Höchste gestiegen. Der Knoten zog sich immer enger zusammen. Lange konnte die Absichtlichkeit, durch die man mich, durch die man sich selbst zu täuschen bemüht war, nicht mehr dauern. Da machte ein Antrag des Fürsten, indem er Hugo zum Gesandten an unsern Hof ernannte, dem Spiel ein Ende. Unverstellt brach jetzt die leidenschaft hervor.
Stolz und wegwerfend bezeigte Hugo seine Verwunderung über die lächerliche Wahl, forderte Emma, forderte mich durch unerträgliche Sarcasmen heraus, riss mich zu offner Erklärung hin, schlug ziemlich trocken das Anerbieten aus, und bewaffnete dadurch Hof und Stadt gegen sich und Ihre Freundin. Die Letztere musste dies am Geburtstage der Fürstin Mutter erfahren. Die strenge Frau empfing sie bei der Morgencour mit beleidigender Verwunderung, indem sie sagte: Sie habe erwartet, es werde sich ihr an diesem Tage kein trübes Gesicht nahen wollen, und ein heiteres dürften ihr die nicht zeigen, über welche soviel schmerzliche Tränen flössen. Sie wandte sich bei diesen Worten ab, indem sie sich gegen eine nahe stehende Dame laut äusserte: "Man hört nichts als beunruhigende Neuigkeiten von dem schloss des Baron, dem alten Comtur. Das hat der Mann davon, einen Undankbaren zu sich heraufzuziehen!"
Der Auftritt machte unglaubliches aufsehen. Der Fürst litt in der Seele des Präsidenten. Es tat ihm auch um des äussern Anstandes willen leid. Er wollte es wieder gut machen. Er näherte sich Elise. Seine Mutter rief ihn in diesem Augenblicke zu sich. Sie sprach lebhaft mit ihm. Kurz darauf entliess sie die Versammlung. Die Schwergekränkte hielt standhaft aus. Ihre stille und gesammelte Haltung imponirte für den Augenblick Allen. Sie blieb, und war die Letzte in den fürstlichen Sälen. Dann entfernte sie sich langsam, am arme ihres Mannes, mit dem man sie gelassen, scheinbar gleichgültig sprechen sah. Doch diese