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in Schlangenwindungen auswärts führt, ward scharf vom Mondlichte bezeichnet, bis ihn zuletzt eine dunkle Tannengruppe verdeckt, und man seiner erst dicht an der Terrasse des Gebäudes wieder ansichtig wird. Sehr natürlich fiel mein blick, als auf den hellsten Punkt der Landschaft, dahin, doch mit seltsamem Schreck fuhr ich zusammen, da gerade in demselben Moment ein Wagen hinter der schwarzen Decke der Bäume hervorrollte, und vor der Burg hielt. Ich wusste sogleich, wer darin sass, eben deshalb schallten mir Martens Worte: "Die Zwietracht sitzt an ihrem eigenen Heerde," wie ein Echo aus dem wald zurück. Ich raffte mich zusammen, eilte nach haus, fand meine Schwiegermutter, und mit ihr ein Heer ängstlicher Rücksichten, kalten Formen und lauernden Anspielungen. Ich bin wie gelähmt, das Dach des Schlosses drückt mit Centnerlast auf mich.

Es ist eine Schwüle in den Mauern, als müsse die Flamme jeden Augenblick aufschlagen.

So war es heute und gestern! Wer weiss, wie es morgen sein wird?

Heinrich! Heinrich! die Fäden, die unser Geschick lenken, laufen wahrhaftig nicht so einzeln durch das Leben.

Lebe wohl! ich sehe einem Unwetter entgegen.

Elise an Hugo

Sagen Sie, was Sie wollen. Sie waren gestern nicht natürlich! Wenn ich vor so manchem Gesicht eine Maske dulden mag, so ist sie mir bei Ihnen unerträglich.

Was wollten Sie mit der erzwungenen Redseligkeit, mit der ironischen, frostigen Laune sagen, die Niemand, am wenigsten die Klugen der Welt täuscht? Für wen spielten Sie Comödie? Hugo!

Es hat mich verdrossen. Ich wollte mit Ihnen reden. Deshalb trat ich zu Ihnen ins Fenster. Sie wichen mir aus. Ihr Gehirn war in jener hüpfenden Bewegung, die den Witz überall Seitensprünge machen lässt, und das Gespräch in Brocken zerstückelt. Eine Stimmung, die zu der meinigen durchaus nicht passte. Fühlten Sie nicht, oder wollten Sie es nicht fühlen, dass mir etwas auf dem Herzen lag, was herunter musste?

Was ist ein Freund, wenn er den Klang der beengten Seele in einem stummen Luftzuge, ohne Echohall, zu uns zurückschickt?

Ich habe Kummer. Sie sollten es wissen. Der dünne, blasse, stumme Caplan, der mir wie ein Gespenst nachschleicht, und auf den Fersen sitzt, sobald sich Georg zu mir flüchtet. Eduards blindes Vertrauen zu ihm, die peinlichen Tischgespräche, der Zwang, mit dem Menschen meinen Tag zuzubringen, seine Begleitung auf Spatziergängen und Fahrten dulden zu müssen, wenn ich das geängstete Kind nicht martern lassen will; dies und noch unendlich Vieles, was damit zusammenhängt, was auf die Zukunft hindeutet, was mir nur zu gegründete sorge gibt, sollten Sie von mir hören. Ich kann nicht mit Ihnen lachen. Sie, hoffte ich, würden mit mir denken, wie dem frostigen, pressenden Einflusse auf das frohsinnige Kind, so wie auf mich, entgegen zu wirken sei? Aber mit nichts konnte ich Sie fassen, Hugo! nicht meine Bitten, nicht mein Unwille. Wo waren Sie mit Ihrem Selbst, dass ich Sie nicht zu finden wusste? Es gibt einmal nichts Unbequemeres für mich, als Besorgnisse hegen zu müssen. Mit dem Schmerz nehme ich es eine Weile auf. Entweder ich besiege ihn, oder ich ergebe mich darin, und will nichts mehr, als die Dinge so gehen lassen, wie sie wollen.

Ehe es aber so weit kommt, gibt es viele Mittelzustände, in denen dem Menschen allerlei zugemutet wird, was er sich nicht gefallen lassen d a r f ; Widersprüche aus Unsinn und Vorurteil erzeugt, an denen sich unser Scharfsinn, wie die Kraft des Stärkern prüfen soll. Aus diesem grund biete ich auch deshalb alles auf, dem Steine auszuweichen, den mir das Geschick entgegen rollt, und stosse ich doch darauf, so überspringe ich ihn. S t e h e n b l e i b e n und müssig klagen, kann ich nicht. Die überzeugung, dass gegen jedwedes Uebel ein Mittel zu finden sein müsse, hat es mir noch niemals an einer passenden Auskunft fehlen lassen. Warum bin ich aber jetzt so ganz ohne Zuversicht und klarheit? Den Caplan entfernen, hiess gegen den Strom im Moment der Brandung schwimmen wollen. Ihn dulden und unschädlich machen, dazu gehört ein anderer Charakter, als der meinige. Wen ich nicht von selbst gewinne, der bleibt für mich verloren. Berechnen kann ich weder mich noch Andere. Das Leben gehen lassen, ist in vielen Stücken gut, allein hier kann zu Vieles untergehen, ehe die natur ihr stilles Recht behauptet.

Was ist also zu tun?

Schaffen Sie Rat, Hugo! Auf Sie zähle ich in meiner Angst. Wissen Sie auch, von woher mir der Schlag kam? Aus Ihrem haus! Dem Oheim und der Nichte verdanke ich diese Zugabe meines Hauskreuzes. Tadeln Sie indess Niemand. Beide handelten nach bester überzeugung. Ihnen fiel es nicht ein, meiner überzeugung zu nahe treten zu wollen.

Emma schrieb mir zugleich das hübscheste Briefchen von der Welt über die Schritte, welche in der Sache geschehen waren. Ich lege es Ihnen hier bei, hinzusetzend, dass es mir übrigens so spät überkam, dass für mich nichts mehr zu tun blieb.

Sehen Sie! so sündigt Emma gegen mich, ohne eine Ahndung davon zu haben.

Wie Vieles wäre noch d a r ü b e r , wie Vieles über das N i c h t v e r s