, Heinrich, der lustig aufspringt, wenn man ihn von Aussen anruft! Der grillenhafte Schelm war gleich in mir bereit, Walters Vorschlag einzugehen. Er hatte "J a " gesagt, ehe ich noch die nächsten Schwierigkeiten überlegte. Der Baron und sein Begleiter waren lästige Zeugen bei dem Possenspiel. Entfernen konnte ich sie einmal nicht, und sie in mein Interesse zu ziehen, schien mir zu langweilig für die geringe Ausbeute des Spasses. Gleichwohl musste das letzte versucht werden. Ich trat daher mit den Worten zu Leontin: "Sie haben ohne Zweifel von den Künsten gehört, die der Närrin drinnen den Ruf einer Prophetin erwarben. Ihr verrücktes Wesen ist mir verdächtig. Ich wittre dahinter mehr Absicht als Krankheit. Ich wäre neugierig zu sehen, wie sie es anfängt, gescheute Leute hinters Licht zu führen. Deshalb habe ich sie hierher zu uns ins Zimmer beschieden. geben Sie Acht, wie verblüfft sie sein wird, wenn ihre List nicht glückt."
Ich hatte kaum geendet, so trat Walter mit seiner Begleiterin herein. Der Geistliche schien verlegen. Dem Baron war die Sache lästig, das sah man ihm an; doch wusste er nicht sogleich loszukommen. Indess fragte Marte ziemlich mürrisch: was sie hier solle? Ich sagte es ihr. Sie lachte. Ich bemerkte, dass sie unruhig nach dem Geistlichen hinschielte. Dieser sah ernstaft, doch nicht unwillig aus. Jetzt stellte ich mich an einen Tisch neben die zaudernde Pytia. Sie zog darauf ein schmutziges Spiel Karten aus der tasche, das sie Mühe hatte, mit ihren dürren, krummen Fingern auseinander zu bringen. Ich empfand grossen Eckel daran, und bat sie, das Schicksal auf andere Weise zu befragen. Es schien ihr nicht recht. Indess sagte sie auf kurze und abstossende Weise: "Gleichviel!" worauf sie ein Ei und ein Glas wasser forderte. Als ihr beides gebracht ward, gab sie mir das Ei, hiess mich, es gegen das Glas zerschlagen, und den Dotter hineinzuschütten. Ich tat, wie ich geheissen ward. Im Augenblick bildeten sich allerlei Gestalten im wasser, die mir meine heutigen Himmelsbeobachtungen lebhaft hervorriefen; neugieriger als zuvor, was die Sibylle daraus machen würde, sah ich mich forschend nach ihr um. Sie war sehr rot im Gesicht, eine finstere, hässliche Falte auf der Stirne zog sich immer tiefer zusammen, ungeduldig wischte sie das blitzende, wilde Auge, sah mich dann zornig an, und sagte halb verwundert, halb böse: "das sind lauter Teufeleien! Was soll das vorstellen, he? war das wasser unrein? Oder" – sie stellte die Lichter anders. "Sind das geweihte Kerzen? Wollt ihr mich zum Narren haben?"
Walter beruhigte Marte über alle geäusserte Zweifel. Sie schüttelte den Kopf. Der Baron war sehr aufmerksam geworden. Er trat näher zum Tisch. Ich winkte ihm lachend zu, dass sie mit ihrem Latein zu Ende sei. Marte bemerkte es. Sie schob mit verbissenem Ingrimm das Glas von sich, und machte Miene, das Zimmer zu verlassen.
"So wird es also heute nichts?" sagte ich. Sie antwortete nicht. Ich hielt ihr einen Taler hin, hiess sie einpacken, und ihrer Wege gehen.
Sie drückte aber meine Hand und das Geld ärgerlich zurück. "Geduld!" rief sie. "Ich werde es schon sagen, wenn es Zeit ist."
Leontin kämpfte mit Neugier und Unwillen zugleich. Der Geistliche blieb ohne alle Teilnahme. Er hatte ein Fenster geöffnet, und sah, als ob er Jemand erwarte, nach der Strasse hinaus. Marte räusperte sich jetzt. "Nun," lachte sie triumphirend, "da haben wir es ja, wollen Sie es hören?"
Sie sah erst Leontin, dann mich an. Es schien, als ob sie uns beide verwechselte, denn ohne, dass ich etwas erwiderte, fuhr sie ausschliessend gegen mich gewendet, fort: "Es ist nichts als Unruhe und Wechsel in Ihrem Schicksalszeichen. Nehmen Sie sich in Acht. Es steht Ihnen eine grosse Veränderung bevor. Sie werden das Ihrige über kurz oder lang mit dem Rükken ansehen, und wie Sie mit Kutsch' und Pferden früher in ein grosses Schloss einzogen, so flüchten Sie dann unstäten Fusses daraus. Der Wittwerflor hängt an Ihrem hut, und doch haben Sie zwei Frauen zugleich. Wenn das Gestirn des Wagens über Ihrem haus steht, dann ist die Entscheidung nahe. Die, welche Ihnen die nächsten sind –"
"Genug!" rief ich unangenehm erschüttert, "ich will nichts mehr hören." Sie blickte mürrisch nach mir um, runzelte die Stirne, sah dann wieder in das Glas, und brummte: "Es ist ohnedies vorbei. Alles fliesst wieder zusammen. Ich kann nichts mehr unterscheiden. Aber, was gewiss ist, bleibt doch gewiss, die Zwietracht sitzt an Ihrem Heerde, und wenn Sie die Glocke wieder neun schlagen hören, wie jetzt, hat sie Ihnen schon manches Lied gesungen."
Der Baron hatte seit einer ganzen Weile über die Schultern der Alten weg, in das flockige Gebräue hinein gesehen. Sie bemerkte es erst jetzt. "Was machen S i e hier?" rief sie scheltend. "Sie haben auch wohl Ihre hände mit im Spiele?"
Ich lachte unwillkührlich über seine Verlegenheit. "lachen Sie nicht!" schrie sie widrig, mit einem verwünscht pfiffigen Gesicht.
In dem Augenblick ward eine fremde stimme im Nebenzimmer laut