schwach ist! Wie zaghaft, wie kleingläubig!
Geehrter Freund, soll ich es Ihnen bekennen? Sahen Sie nicht etwas Trübes, Unreines im Hintergrunde meiner Angst sich verbergen? O guter Gott, wie gern will ich mich eines Gefühls schämen, das mich doppelt zerreisst, weil es dem geliebtesten Menschen zu nahe tritt!
Heiterer, als ich zu Ihnen kam, verlasse ich Sie jetzt. Möge mich ihr Segen aufrecht gegen so schlimme Anfechtungen halten!
Elise an Sophie
Was lag Ihnen im Sinn, Liebe! dass Sie so aus dem Charakter fallen, so unverzeihlich von dem nüchternen Gerede meines albernen Vetters eingenommen werden konnten?
Gewiss, Sophie, ich erkenne Sie nicht in der Heftigkeit, mit der sich Gedanken und Empfindungen auf jenem Blatte jagen. Ist die Luft in dem schönen Italien so entzündbar, dass auch der Tau im Kelche einer Lilie aufbraust?
Ihr Blut schien mir bis dahin von anderer natur, als das der übrigen Menschen. Sein milder Lauf verirrte sich nie zu ungleicher Wallung. Man empfand immer, dass es nur den e i n e n Weg, den z u m H e r z e n kannte; dessen sanfter Schlag, wie der Atem der Liebe, Sie selbst, das was Sie umgab, die Welt mit ihren Verirrungen, in Uebereinstimmung zu bringen wusste. Und jetzt! –
Sophie, Entfernung und Trennung sind doch etwas! Man sage, was man wolle, der Raum trennt die Körper nicht allein. Sie hätten mir von Ihrem Stift aus nicht diesen dürren, heftigen Brief geschrieben, der Ihren Unwillen ins Blaue hinein rief und durch nichts verriet, dass Sie zu m i r sprachen.
Ihre ganze Reise war mir vom Anfange zuwider. Jetzt setzen Sie diesem Gefühl die Krone auf.
Welche Gewalt übt denn diese furchtbare Frau über Sie aus, dass sie Sie nicht allein dem gewohnten Kreise entführt, dass sie auch Ihr Inneres umwandelt! Und nun schicken Sie sie uns noch gar hierher. Sie droht jeden Tag mit ihrem Besuch. Zum erstenmale bin ich froh, in der Stadt zu sein! Hier kann ich ihr aus dem Wege gehen! Ich werde es tun, denn ich sehe immer ihr Bild auf Emma's Schreibtisch mit Widerstreben an. Es ist etwas in den schönen, regelmässigen Zügen, in den durchdringenden Augen, was mich schon darum erbittert, weil in d e m Gesicht Ihr ganzer letzter Brief, Sophie! geschrieben steht. So beurteilt, so fasst ein herrschsüchtiges, einseitig beziehendes Gemüt Menschen und Handlungen auf. Ich kann mir denken, was Sie täglich aus einem mund hören müssen, dessen schmerzlich verzogene Winkel mehr Unzufriedenheit als Schwermut ausdrücken. Wo sich so viel strenge Absonderung offenbart, da kann nichts in natürlichem Zusammenhange, in notwendiger Folge gedacht werden.
Sagen Sie doch, wenn Ihre Freundin weniger abhängig von gewissen Erdenvorteilen war, würde sie es übersehen haben, dass sich Niemand weniger als Hugo zu ihrem Schwiegersohn passte? Wem wirft sie nun den Missgriff vor? dem Grafen? Emma? Mein Gott! wann war die Jugend frei von Verblendung? Und nun, da die Schiefgestellten schief stehen, was zeigt sie mit Fingern darauf, und macht die Welt zum Zeugen ihrer Verkehrteit?
Es ist nicht zu läugnen, es ist wahr, es ist n i c h t wie es sein sollte mit dem ungleich zusammengewürfelten Paare. Aber, wenn dies Beide fühlen, und sich die peinliche Gemeinschaft, Jeder wie er kann, erleichtern, soll man sie nicht gewähren lassen? Geht die Oberhofmeisterin von dem Grundsatz aus, sie könne auch Gemüter nach ihrem Willen umschaffen, so wird sie hier viel Unheil stiften. Der Graf verehrt sie, aber er ist unbiegsam gegen ihre Eingriffe.
Sie sehen hieraus, liebe Sophie! so wie aus frühern Mitteilungen, dass ich mit den Verhältnissen, wie mit der Sinnesart Ihrer jungen Freunde sehr vertraut bin. Ich hielt nie mit meinem Urteile zurück. Ich verschwieg Ihnen nicht, dass mir Hugo den Eindruck umfassender, grossartiger Geisteskraft, ungewöhnlicher Tiefe und klarheit gemacht hat, dass ich ihn bewundern, verehren, und auch da an ihn glauben m u ss , wo ich ihn nicht immer verstehe. Dies sagte ich Ihnen längst. Meine Briefe sind voll von ihm und Emma. Noch kürzlich müssen Sie die ausführlichsten Berichte über jeden Umstand in dem Leben auf der Burg erhalten haben, was sollen nach dem Allen, Ihre dringend an mich gerichteten fragen? Was rufen Sie mich auf, unbefangen und offen zu sein? Weshalb gedenken Sie meinem letzten Ausspruche mehr Glauben zu schenken, als dem frühern?
Ist denn irgend etwas Verstecktes, Zweideutiges in meinen Worten? Warum sucht man bei mir nach etwas Anderm, als ich gebe?
Ich werde mir selbst ganz unverständlich. Auch Eduard wägt, misst und ergründet, was ich tue und sage. Er ist von übler Laune, seit der letzten Reise. Mein verlängerter Aufentalt auf dem land war ihm nicht recht. Und dann die misslungene Darstellung auf dem Teater zu Ulmenstein! Der Schatten einer Lächerlichkeit reicht hin, ihm den Himmel zu trüben. Die Gräfin hat ihm den Spass ungeschickt vorgetragen, ob absichtlich? oder durch Zufall? ich weiss es nicht, aber gewiss ist es, ihre Gunst für mich hat einen Stoss erlitten, und in dem Falle k r a t z e n Leute ihres Schlages, w e n n sie l i e b k o s e n . So finden sich denn viele Unannehmlichkeiten auf