keine ärgere Zielscheibe des Witzes, als der unglückliche Urheber desselben!
Siehst Du, ich wollte den Leuten z e i g e n , was gesellige Unterhaltung sei, welchen Schwung eine Posse nehmen, wie der Geist sich mitten im Wechsel der Belustigung erheben könne. Ich wusste mir etwas mit diesem Plane, ich tat gross damit vor mir und wichtig vor Andern. Nun, und das Ende war, die ganze Sache fiel platt zu Boden. Kein Mensch wusste, was ich wollte, Niemanden hat es unterhalten, geschweige denn ergötzt, der Abend ging auf die miserabelste Weise hin, und das Schlimmste ist, Spott und Tadel folgten mir.
Das ist des Menschen Klugheit.
Um Dir den Vorgang zu erklären, müsste ich weit ausholen, Dich an eine Gräfin Ulmenstein erinnern, deren Nachbarschaft uns von Zeit zu Zeit in ihre bewegliche Lebensweise hineinzieht. Vielleicht besinnst Du Dich auf sie. In einem meiner Briefe glaube ich von ihr gesprochen zu haben; anfänglich war mir das Treiben in ihrem haus, wie sie selbst, neu, es überraschte mich Manches, ich bildete mir ein, neue Fäden des inneren Lebenszusammenhanges zu entdecken. nachher war es damit, wie mit dem Meisten, nichts. Das flache Wesen fing mich an unglaublich zu langweilen. Indess hatte sie mich einmal mit vieler Emphase als ein ausgezeichnetes Genie gepriesen, mich ihrem Kreise so empfohlen. Sie und ich, wir mussten Wort halten. Deshalb war nicht von ihr loszukommen. Die Töchter, so vergnügungssüchtig wie die Mutter, ziehen einen Schwarm nüchterner Gecken hinter sich her. Unter gewissen Menschen muss immer etwas vorgenommen werden, um die Langweile zu bannen. Gesellschafts-Teater bilden sich überall, wo man am bequemsten durch Andere sprechen und antworten kann. Eine Weile unterhält das, was aber gemeinhin für die Darstellung ungeübter Dilettanten gewählt wird, gleicht deren alltäglichem Treiben auf ein Haar. Es ist immer h e u t e und g e s t e r n , macht denselben Effekt, lässt denselben Eindruck zurück. Man ist damit fertig, sobald die Schminke abgewischt, das umgestaltende Costüm weggeworfen, und das Teater einem andern Schauplatze, im Ball- oder Speisesaal gewichen ist. Ich hatte das bald weg. Mehrere waren eben so klug; das Ding fing an, matt zu werden. Jetzt stachelte mich die Eitelkeit. Mein Plan war gemacht. Eine neue kleine Welt stand mir zu Gebot. Die Fee, welche mir ihren Beistand lieh, rief Kobolde und Geister von fern und nahe herbei. Ein wandernder Schauspielertrupp, verteilten wir uns, auf abenteuerliche, ausstaffirte Karren und Wagen, versteckten uns hinter Larven und tollen Putz, und nahmen so den Weg nach Ulmenstein. Bis dahin ging alles gut. Wir lebten in der Posse, Witz, Humor, die schellenkappige Torheit mit ihrem buntscheckigen Mantel, waren unsere Reisegefährten. Plötzlich erhebt sich, wie aus heiterm Himmel, aus einer einzigen Wolke, der heftigste Sturm, den ich je hörte. Regenströme stürzten nieder, wir konnten uns kaum bergen; die bunten Decken, dass übergespannte Linnen, Mäntel, Hüte und Schleier, nichts widerstand der Wut der Elemente. So übel zugerichtet, steuerten wir mit abgetakeltem Fahrzeuge mühsam in den Schlosshof der Gräfin. Hier hatte man vor dem Unwetter tür und Tore geschlossen. Keine Seele liess sich an den Fenstern sehen. Wir lenkten unter den Schutz einiger schirmenden Bäume. Unser Häufchen drängte sich dicht zusammen. Lange konnte die Prüfung nicht dauern, der blaue Himmel schimmerte bereits zwischen dem zerrissenen Wolkenberg hindurch. Indess wog in diesem Zustande jede Minute schwer. Die Nässe hatte einen merklichen teil des phantastischen Feuers ausgelöscht. Ungeduldig regte sich Dieser und Jener. Einige murrten laut, Andere verwünschten im Stillen den ganzen Einfall. Ich hätte mich ausschütten mögen, vor lachen, warf ich einen blick auf die trübseligen Gestalten in der närrischen Verkappung. Indess unterdrückte ich jeden Ausbruch des Mutwillens, den mir meine übelgelaunten gefährten wohl um so weniger verziehen hätten, als sie im Geheim die Schuld ihrer misslichen Lage auf mich warfen, und nun erwarteten, ich solle derselben ein Ende machen. Ich säumte denn auch nicht. Ein neugieriger Stallbube, der sehr verwundert aus einer Lucke auf die bunten Puppenspieler, für die er den fremden Tross hielt, hinstarrte, ward sogleich herbeigerufen. Ich übergab ihm eine Botschaft an die Gräfin. Als Direktor kündigte ich dieser meine dramatischen Vorstellungen an, bat um die erlaubnis, Scenen aus dem Shakespeare auf ihrem Teater geben zu dürfen u.s.w. Leute von Welt sind selten durch Fremdartiges oder Ungewöhnliches zu täuschen. Das tritt nicht in den Bilderkreis ihrer Vorstellungen. Wenn es ihnen naht, suchen sie etwas dahinter, g e s p i e l t e n oder w i r k l i c h e n Betrug! Die Gräfin war sogleich entschlossen. Ihre Türen wurden uns geöffnet, sie selbst eilte uns entgegen. Doch wie das Bedürftige in der menschlichen natur sogleich allem Scherz ein Ende macht, so zerstörten auch hier die nassen Kleider, die Furcht vor Erkältung, und was es sonst noch alles zu bedenken gab, den letzten Rest mühsam bewahrter Illusion. Kurz, wir standen entlarvt da, und hatten Niemand als uns selbst gequält. Glücklich genug, wenn es damit sein Bewenden gehabt hätte! Allein, nachdem sich jedweder in seinem gewohnten Rocke warm und bequem fühlte, sollte er diesen wieder abwerfen, und das versprochene Spiel beginnen. Ich wich dem Anliegen aus, das ich