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? "Weshalb?" fiel Hugo rasch ein, "es gibt keinen köstlichern Spiegel, als die Ironie. Wo a l l e s auf dem kopf steht, nimmt man es mit sich selber nicht allzu genau."

Emma entfärbte sich. "Es ist nur ein Glück," hob sie nach einer Weile an, "dass zuletzt ein zärtlicheres Empfinden a u s g l e i c h t , was mutwillige Neckerei verwirrte." "Wer weiss," lachte Hugo, "hat der schlaue Oberon nicht dennoch einen trügerischen Frieden geschlossen; in dem Falle wäre der letzte Betrug der ärgste!" "Wie meinst Du das?" fragte Emma. "Nun," entgegnete er, "dass im G e l i n g e n oft das M i ss l i n g e n liegt." Sie sah eine Weile nachdenkend vor sich nieder. "So gäbe es keinen Faden aus dem Labyrint der Träume," seufzte sie. "Der eine straft nur den andern Lügen, und Wahrheit –" "Ist der Stein der Weisen," ergänzte Hugo, ihre Hand ergreifend, "wir suchen alle darnach, mein Kind! –" Sie schüttelte den Kopf. Nach einigen Augenblicken verliess sie das Zimmer. Mich dünkte, ihre Augen waren feucht. Es tat mir wehe. "sonderbar," rief der Graf, "Hausfrauen haben jedem luftigen Spinngewebe, auch dem der Phantasie, den Tod geschworen. Sie stossen gleich mit einer handwerksmässigen Waffe dagegen. Ihr Nützlichkeitsgefühl leidet gar zu sehr, dass sich aus den Fäden nichts Haltbares drehen und weben lässt!"

"Das ist freilich ein entsetzliches Unrecht in den

Augen derer," rief ich aus, "die sich nicht gern halten lassen, und so auf den Wechsel gestellt sind, dass ihnen der geordnete Sinn und das b e s t ä n d i g e Herz untergeordnete Gaben dünken, über die sie lustig hinfahren können!" Hugo sah mich überrascht an. "Elise!" sagte er leise. Es lag etwas Geheimnissvolles in dem gedämpften Laute seiner stimme. Ich wollte lachen, um meine Bewegung zu verbergen, aber ein blick auf ihn nahm mir den Mut. Ich weiss nicht, wie ich es nennen soll, was aus seinen Zügen so ängstigend und rührend zugleich sprach. Ich mochte nicht dabei verweilen, ich flog zu Emma. Die liebe Frau! – Gewiss, Sophie! sie ist bei alledem ein Engel. Wäre ich an ihrer Stelle! – Mein Gott! welch ein toller Gedanke! –

Leben Sie wohl! Ich will nun den ewig langen

Brief schliessen. Noch einmal, leben Sie wohl, liebe Sophie! Ich habe oft die lebhafteste sehnsucht, Sie zu sprechen. Wären Sie doch hier! Zuweilen komme ich mir ganz verlassen vor. Ich werde verstimmt, schwermütig, es liegt mir wie eine Schuld auf der Brust, und doch weiss ich nichts, was ich mir vorwerfen sollte. Kommen Sie bald, recht bald zurück! Sie haben unrecht, um einer Einzigen willen, Alle, die Sie lieben, zu vergessen. Erwägen Sie das wohl, Sophie!

Sophie an Elise

Die flüchtigen Zeilen, welche Sie mir von den Ufern des kleinen Waldsees schrieben, sind richtig in meine hände gekommen. Wollte ich den Inhalt nach der Zahl der Worte messen, liebe Elise, so würde ich Ihre Eile anklagen, und etwas eifersüchtig auf das neue verhältnis zu Ihren jungen Nachbarn drein sehen müssen. Allein Sie dachten an mich, Ihr liebes, offnes Herz suchte die Entfernte mitten in dem frohen Aufrufe angenehm bewegter Gefühle! Auch dass Sie mit dem Blättchen zu dem still umgränzten wasser flüchteten, dass Sie hier, mit der Freundin allein sein wollten; gerade das, Liebste, gibt dem Briefchen unschätzbaren Wert. Nur wünschte ich, Sie hätten einen andern Boten gewählt. Dieser unstäte Neuigkeitsjäger, den die Langweile durch das Leben hetzt, der a r g l o s heisst, weil er unbedeutend ist, und eine e h r l i c h e Seele genannt wird, weil er zu flach und zu bequem ist, sich anders zu zeigen, als er ist; kurz, Ihr Vetter Curd ist zu keiner guten Stunde hier aufgetreten. Erst freuten wir uns, den Landsmann, den Bekannten wieder zu sehen. Er ward mit fragen bestürmt. Aufmerksam horchten wir auf jedes seiner Worte, wir liessen es uns gefallen, dass er deren mehr machte, als nötig war; doch der Zügel ward ihm zur Unzeit gelassen. Er schwatzte das Hundertste ins Tausendste. Bald wusste er nicht mehr, w o und zu w e m er sprach. Zweideutige Anspielungen, triviale Anekdoten, aus müssiger Beobachtung und geistloser Spottsucht zusammengetragen, tauchten erst versteckt auf, wagten sich dann dreister hervor, und reichten eben hin, die reizbare Verletzlichkeit meiner lebhaften Freundin auf das Unangenehmste in Bewegung zu setzen. Denn, wurden auch nicht Namen genannt, so waren doch Verhältnisse bezeichnet, und ohne den Schlüssel zu dieser eigentümlichen Chiffresprache der Klätscherei zu besitzen, liess sich leicht combiniren, was und wie es gemeint war.

Von jetzt an sieht die Oberhofmeisterin mit gespanntem, feurigem blick in das innerste Familienleben ihrer Tochter hinein. Was sie immer unter wachsendem Unwillen geahndet, wird ihr Gewissheit.

Sie glaubt, Emma's Unglück als ausgemacht annehmen zu müssen. Für sie ist länger keine Ruhe hier. Zwischen Furcht, jenen Argwohn bestätigt zu