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die Nacht umher teilte. Ich litt um so mehr mit der Armen, als mein g e s u n d e s A u g e von dem jähen, durchfahrenden Schimmer afficirt ward. Mit der innigsten Teilnahme verliess ich sie später. Ich konnte lange nicht ohne eine gewisse Beklemmung an den Abend denken. Wie gross war deshalb meine Freude, als ich, nach nicht gar langer Zeit, fast um die nämliche Stunde, vor dem haus vorbeigehe, und die Fenster desselben erleuchtet finde. Ueberrascht bleibe ich stehen, betrachte mir die Lage des Krankenzimmers, und kann nicht zweifeln, dass ein, im Mittelpunkt desselben angebrachter Kronleuchter seine brennenden Kerzen unverhüllt flammen lasse. Ich eile nun hinauf, gewiss, das Uebel gehoben zu sehen. Allein ich fand meine Erwartung getäuscht. Meine arme Freundin sass noch mit dem grünen Augenschirm, unfähig, den blick frei zu bewegen. Ihr Zustand war leider ungefähr derselbe, doch mit d e m Unterschiede, dass sie in einem gleichmässigeren Empfinden des Schmerzes, seiner mehr Herr ward, ja, in der ruhigen Helle des Gemaches den wohltuenden Einfluss des Lichts i m A l l g e m e i n e n genoss, ohne den leidenden teil dadurch verletzt zu fühlen. Ich äusserte ihr meine Verwunderung hierüber, hinzusetzend, dass mich eben diese Helle getäuscht habe, indem ich sie nicht mit der natur ihres Unwohlseins zu vereinigen gewusst hätte.

"Das macht," entgegnete sie, "das Licht kommt von o b e n , so ergiesst es sich ohne Abschattung nach allen Seiten, ich bin mitten darin, wie am Tage unter freiem Himmel."

Gnädige Frau, Sie empfinden, wie ich in diesem Augenblicke empfand. Die Wahrheit ist so einfach, dass sie uns auf die einfachste Weise am nächsten liegt.

Lassen Sie das Licht von o b e n in Ihre Welt hineinfallen. Sie werden sich darin zurechtfinden, ohne überall auf Ecken zu stossen.

Weiter wüsste ich Ihnen für jetzt nichts zu sagen, nichts zu raten. Alle Verhältnisse des Lebens sind kraus und bunt. Es hilft nicht viel, äusserlich daran zu rücken oder darüber zu klügeln. Man m u ss hindurch. Deshalb bewahren Sie sich klarheit und Mut. Sie haben, ich will es glauben, mit ungewöhnlichen Menschen zu tun. Lassen Sie sich das nicht irren. Bleiben Sie Ihrem Gott und Ihrem Herzen getreu. Auf Ausdauer kommt es zumeist im Leben an. Wie viele ungleiche Wallungen prallen an dem festen Damm unerschütterlicher Gesinnung ab. Der Fels s t e h t , wenn die Woge z e r r i n n t .

Lassen Sie das Licht von o b e n kommen. Sie finden den Pfad durch das Labyrint von selbst. Und so leuchte Ihnen denn die ewige Sonne unverhüllt. Das ist das Gebet, mit dem ich Sie einem höhern Schutze empfehle.

Hugo an Elise

Hier ist das befohlene Buch. Ich hätte es Ihnen lieber gebracht als geschickt. Aber Sie wollten mich nicht hören, ehe Sie lasen. Es ist auch meine Art, fremdes Urteil zu entfernen, ehe ich mit dem Gegenstand bekannt werde, von dem es sich handelt. Ich bin neugierig, wie wir hier zusammentreffen werden? Es bleibt doch morgen bei der Partie nach dem Vogelheerd? Heute ist es trauriges Wetter! Es regnet. Der Tag ist für mich so gut wie verloren. Er fesselt mich unbarmherzig zu haus. Bedauern Sie mich ein Bischen.

Ganz Ihr untertäniger Hugo.

Antwort

Der Regen dauert fort! Es ist zum verzweifeln! natürlich wird aus dem Frühstücke im wald nichts! Morgen vielleicht! Man sagt das so hin, und gibt auf, weil man schon an den Ersatz denkt. Was sichert uns diesen?

Ich glaube, Ihr Buch hat mich ganz umgestimmt! Mir ist etwas davon in der Seele geblieben, das schwer wiegt. fragen Sie mich nicht, ob es mir gefällt? Das weiss ich nicht, auch ist das eigentlich gar kein Ausdruck für Gefühle und Zustände des inneren. Genug, ich habe in einem zug fortgelesen, bis zu Ende, und b l e i b e mitten darin. Wollen Sie noch ein anderes Urteil? Ich kann mich sonst auf nichts Bestimmteres einlassen. Aber so viel ist gewiss, d i e Bücher werden immer seltener, die Einem empfinden lassen, dass es noch eine Welt gibt, ausser der, von heute und gestern. Eine andere Frage wäre, ob die Welt, in die ich mich hineingelesen habe, meine Heimat sein darf oder nicht? Ist sie es, was fange ich denn mit dem Aussenleben an.

Ich wollte heute mit Ihnen über das Alles weitläufig sprechen. Aber es regnet. – Der Himmel sagt zu Vielem N e i n , was der Wille anders will. Leben Sie wohl!

Hugo an Elise

Ich bestreite den letzten Satz Ihres Billets, gnädige Frau! Der Himmel sagt zu Wenigem N e i n , was der W i l l e r e c h t will. Wäre es wirklich Ihre Absicht gewesen, mir mehr mitzuteilen, als die flüchtigen Zeilen entalten, Sie hätten die Sonnenblicke am Mittage zu einer Spatzierfahrt im wald benutzt. Mich, waren Sie gewiss, dort zu treffen. Auch hatte die Tannenhäuserin Befehl, mich sogleich von Ihrer Ankunft zu benachrichtigen. Jetzt ist es zu spät, und Sie fürchten morgen wohl auch die feuchte Luft.

Wäre der Präsident nicht in Geschäften abwesend, und ich dreist genug