Dich göttlich unterhältst. Du würdest Mitleid mit mir haben, und nicht noch eine gefälligkeit obendrein von mir fordern. Es ist wahrhaftig kein geringes Opfer, was ich bringe, wenn ich Deinen Wunsch erfülle. Ich tue es aber recht ungern, das versichere ich Dich, denn dass ich den Hut niemals wieder werde aufsetzen können, davon bin ich überzeugt. Du verdirbst ja gleich alles, was Du anfasst. Und wiederkaufen kannst Du mir auch keinen andern. Mein Gott, Rosalie! Dein Taschengeld reicht ja niemals aus.
Was Du von dem tod der Tante sagst, ist recht sündlich. über dergleichen muss man niemals leichtsinnig reden. Und wer weiss denn auch, ob sie so reich ist?
Ein rechter Querstrich wäre es doch bei allem dem, wenn mir auch noch die Wintervergnügungen verdorben würden! Wäre dies der Fall, ich würde noch mehr weinen, als ich es jetzt schon tue!
Ja gewiss, ich schwimme in Tränen, während Du Dich mit meinen Sachen putzest, und zu den Festen fährst. Morgen bleibe ich gewiss bis Mittag im Bette. Ich will nicht sehen, ob es Nacht oder Tag ist.
Mama mag sehr klug sein, aber sie ist auch sehr sonderbar. Um solche Kleinigkeit so viel ängstliche Rücksicht! Glaube mir, mit meiner Figur, mit meinen Augen, hätte Niemand auf ein Bischen unruhige Haut gesehen. Aber ich weiss schon – – –
Sage mir doch, ist noch Niemand in der Stadt angekommen? Er wollte doch schon Ende vorigen Monats dort sein. Statt von dem langweiligen Leontin zu schreiben, hättest Du mir etwas Interessanteres mitteilen können.
Verbrenne um Gotteswillen dies Blatt, damit es kein Mensch sieht, am wenigsten – Du verstehst mich wohl.
Ich schliesse hier, der Bote eilt. Mein Himmel, Du wirst ja doch noch zeitig genug zu Deinem brillanten Dejeuner fertig werden.
Geh nur! geh! Du bist nicht halb so gefühlvoll, als ich. Das ist auch mein einziger Trost. Die Besten müssen immer am meisten leiden! Adieu!
Elise an Sophie
Ich schreibe Ihnen mit Bleistift auf einer sehr lustigen Jagdpartie zwei Worte durch Curd, der durch alle erdenkliche Mittel imponiren will, in der Geschwindigkeit eine Reise nach Italien macht, und noch diesen Abend dahin abgeht. Er trifft Sie in Florenz, und bringt Ihnen mit tausend warmen, zärtlichen Grüssen dies Blatt. Mögen Sie lesen können, was es entält. Ich fürchte, die Schriftzüge werden ziemlich verwischt zu Ihnen gelangen.
Nun auf gut Glück!
Zuerst, was Sie interessirt. Ihre jungen Freunde sind hier, gefallen beide, sind liebenswürdig, und scheinen glücklich. Ich bin ihnen von Herzen ergeben. Emma bezwingt mich durch etwas Unwiderstehliches, das ich nicht nennen kann. Es ist viel stille, geistige Fühlbarkeit in ihr. Die dunkeln Augen werden eben so oft feucht, wie der allerliebste Mund lächelt. Alles an ihr ist leise, unkörperlich möchte ich sagen.
Der dicht umschlossene, ruhig bewegte Waldsee, an dem ich hier sitze, gibt mir das beste Bild von ihr. So erscheint sie mir.
Dem sonderbaren Hugo fällt das Meiste im Leben von selbst zu. Er bemüht sich nicht darum. Er hat es. So auch die Aufmerksamkeit, die Teilnahme, die Bewunderung der hiesigen Gesellschaft. Ich hatte Unrecht getan, Absicht bei ihm vorauszusetzen. Was er sagt und tut, ist immer unwillkührlich. Das Ausserordentliche liegt ihm vielleicht näher, als Andern! Ich kann nicht eben finden, dass er mich blende. Im Gegenteile, es ist das Unscheinbare in seiner Art und Weise, wodurch er die Gedanken frei an sich heraustreten, und sie in ihrer Natürlichkeit jedem verwandt, empfinden lässt. Es liegt hierin eine Magie, das ist wahr! Aber der Genius der natur gibt sie allein. Gewöhnliche Taschenspielerkünste würden es nicht so weit bringen.
Ich gerate zu tief in den Text hinein. Das Blatt ist zu Ende. Leben Sie wohl, geliebte Ungetreue! Sein Sie gewiss, Sie fehlen mir gerade jetzt am meisten.
Apropos, Eduard lässt Sie grüssen. Auch Georg, der allerliebste kleine Junge! Beide trugen es mir schon längst auf. Noch einmal, leben Sie wohl!
Der Geistliche an Emma
Vor allem, meine gnädige Frau, empfangen Sie den innigsten Glückwunsch zu Ihrer Rückkehr in die Heimat. Ich weiss Sie gern an dem Ort Ihrer Bestimmung. Es ist mir so gewiss, dass Sie dort, wo Beruf und Wirksamkeit Ihrer warten, auch Zufriedenheit finden werden, dass ich gern noch einen zweiten Brief kommen liesse, ehe ich den ersten beantwortete. Gleichwohl scheinen Sie dieser Antwort, als etwas entgegen zu sehen, von dem Sie besondere Aufschlüsse über sich und Ihre Verhältnisse erwarten.
Sie misstrauen Empfindungen, bei denen Sie gleichwohl viel zu lange verweilen, wenn Sie Ihnen gefährlich dünken. Kurz, Sie sind noch von den Erschütterungen der Reise aufgeregt, und wünschen wieder in Ruhe zu kommen.
Liebe, gnädige Frau, ich war vor einiger Zeit Abends bei einer Augenkranken. Das Zimmer, in welchem sie sich befand, war so dunkel, dass man sich nur mühsam darin zurecht fand. Gleichwohl warf die dichtverhangene Lampe ihren schwachen Schein auf naheliegende Gegenstände, welche bei der leisesten Verrückung scharfe Lichtstrahlen zurückspiegelten, und den Sehenerv schneidend trafen. Die Kranke schrie, so oft der Fall eintrat, unwillkührlich hell auf; besonders übermannte sie der empfindlichste Schmerz, wenn die weisslakirte tür eines Seitenzimmers aufging, und die Bewegung des hellen Körpers blendend