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Ein Anderer übernimmt das Geschäft, für sie zu denken und zu handeln. Ein D r i t t e r , nach ihrem Gefühl ein unberufener Dritter, bestimmt über das Wohl und Weh der Teuren. – Es ist nicht Trauer, nicht SchmerzSelbstvernichtung, verzehrende Eifersucht, Verzweiflung ist es, die ihre hohl gewordene Brust zerreisst. Die Wahl der Tochter war nicht die ihrige. Alles widerstrebte ihren Wünschen in dem mann, der auf unbegreifliche Weise den ruhigen Spiegel der Gefühle in Emma erschüttert, und aus dem verborgenen grund der fügsamsten Seele eine so starke und ausschliessende Neigung heraufgelockt hat, dass hier nichts mehr zu unterdrücken war, sondern auf einer oder der andern Seite ein Opfer gebracht werden musste.

Die Mutter hat es gebracht. Aber, anders ist es mit dem Augenblick der Begeisterung, anders mit dem ruhig fortgehenden Leben! Den ersten überfliegt der Gesammtmensch in uns, dem andern erliegt das Menschliche in jeder momentanen Steigerung empfundener Unbequemlichkeit.

Die kluge Weltfrau hat an dem unerwünschten Geschick ihrer Tochter gedreht, geschoben und gehalten, was sie nur daran handhaben konnte, allein das Verschobene gleicht sich nicht aus. Sie erkennt das schärfer als Andere. Deshalb ist sie innerlich gebrochen, und kann nichts mit Haltung kommen sehen.

Es gab einen Zeitpunkt in meinem Leben, wo sie mir als stärkere und weisere Gefährtin kräftig zur Seite stand, und, wenn auch nicht mein Herz zu heilen, doch Ruhe und äussere Verhältnisse der Hoffnungslosen zu bewahren wusste. Ich verdanke ihr die sanfte Ausgleichung unzähliger Widersprüche, die Stille und Freudigkeit meines jetzigen Berufs, einen ruhigen Abend und viele selige Träume vom neuen Tage.

Elise, würden Sie es gut heissen, wenn ich die Freundin jetzt verliesse, wo ich ihr vergelten kann, was sie an mir tat.

Sie würden es nicht gut heissen, das darf ich zuversichtlich behaupten. Ich sage Ihnen daher auch ohne alle Furcht vor Missbilligung, dass ich den Winter über nicht nach meinem Stift zurückkehre, ja, dass ich nicht einmal in Deutschland bleibe, sondern die bekümmerte Frau nach Italien begleite, wohin sie, in Aufträgen ihrer Prinzessin, reist, die, wie Sie wissen, aus dem toskanischen haus entspross.

Ich irre wohl schwerlich, wenn ich die Absicht der grossmütigen Fürstin in dieser Sendung zu erkennen glaube. Sie will etwas Fremdes in die Seele ihrer betrübten Dienerin schieben, und sie durch andere Gegenstände auf andere Gedanken bringen. Gleichwohl fürchte ich, wird sie hiermit ganz ihren Zweck verfehlen. Es gibt Stimmungen, in welchen das Ableiten nur heftiger und unwilliger auf das eigene Interesse zurückdrängt, und das Uebel ärger macht.

Das Letzte zu verhüten, hauptsächlich aber die Reise selbst nur möglich zu machen, was bei dem schlaffen, schwankenden Gemütszustand der wahrhaft Erkrankten sehr schwer halten würde, habe ich mich zu ihrer Gesellschafterin aufgeworfen. Die Fürstin billigt, ja wünscht es.

So werden wir denn schon in wenigen Tagen auf dem Wege nach Florenz sein. Gott ist überall! und ich gehorche seinem Willen, hier oder dort.

Dies reicht hin, jede andere Frage des inneren abzuweisen. Machen Sie es auch so, liebe, zärtliche Elise. Ich weiss, Sie missen mich ungern. Sie haben auch sonst Niemand, dem Sie sich, in den vielen unbeschäftigten Augenblicken eines einsamen Tages, mitteilen können. Allein, eben deshalb ist es vielleicht gut, dass ich eine Zeitlang zurücktrete. Es bringt Sie wohl dahin, Andere aufzusuchen. Es kann Ihnen nicht entgangen sein, dass man Sie ohnehin des Hochmuts beschuldigt, und darin etwas Gesuchtes, ja Anmassendes finden will. Zudem ist Ihnen Emma in Kurzem nahe. Liebe Elise, was soll ich Ihnen weiter sagen? – Ich fürchte für dies arme Herz. Sie war es, die Hugo ihre Hand g a b , e r hat sie a n g e n o m m e n ! aber er hält sie so lose, so furchtsam, möchte ich sagen, in der seinen, als ängstige es ihn, dass er diese nun nicht besser gebrauchen kann. Der Ernst, die Gewalt i h r e r Gefühle, hat das leichte Spiel jugendlicher E m p f i n d u n g e n in einem festen verhältnis gefangen genommen. Mir ahndet, die Ketten, welche sie arglos um sein wie ihr Geschick legte, werden mit dem vollen Gewicht ihrer Last auf s i e a l l e i n zurückfallen.

Doch, wozu die nutzlosen und trügerischen Blicke in eine ungewisse Zukunft. Liebe, liebe Elise, sein Sie der Schutzengel der Unerfahrnen. Ich lege sie Ihnen ans Herz. Es ist so schön, das Störende abwenden oder doch mildern helfen.

Indem ich Ihnen auf solche Weise einen teil meiner eignen Verpflichtungen, die ich nur gegen andere vertausche, zurücklasse, und somit mein Andenken auf die lebendigste Weise bei Ihnen gesichert weiss, verlasse ich Sie ruhiger.

Könnten Sie in meinem Herzen lesen, Sie würden deutlicher verstehen, was ich kaum anzudeuten vermag. Sein Sie glücklich, beste Elise! und machen Sie Alle durch Ihre Nähe so glücklich, wie ich es mehrere Jahre hindurch war!

Auf ewig die Ihrige.

Die Oberhofmeisterin an den Comtur

Sie tun sehr wohl, dass Sie Ihren Neffen in Schutz nehmen. Ich kenne auch kaum zwei Menschen, die einander so ähnlich wären, als Sie beide.

Dies mag Sie befremden. Ich glaube es. Sie wissen vielleicht selbst nicht warum. Aber ich bitte, erlassen Sie mir die