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, gar nichts war zu entdecken!

Er w o l l t e sich uns entziehen. Niemand auf Erden sollte ferner Ansprüche an ihn haben, das war es, glauben Sie mir!

Madame Lindhof an Sophie

Im Begriff, diese Gegend auf immer zu verlassen, da mein Sohn eine Anstellung in der Residenz erhielt, bleibt mir noch eine traurige Pflicht zu erfüllen; recht, als solle ich hier enden, wie ich anfing, nämlich Glück und Hoffnung zu grab tragen zu helfen.

Den Tag, da meine Schwiegertochter beerdigt ward, traf ich in diesem haus ein, und ist es auch keine Leichenfeier, zu der ich gegenwärtig verpflichtet bin, so ist es doch wohl nicht viel besser.

Ach! gnädiges fräulein, die wahrscheinliche Bestätigung von dem, was wir fürchten, senkt die Seele in tiefe Trauer. Wie schwer wird es mir, solche über Sie zu verhängen. Doch darf ich kaum mit dem zurückhalten, was ich ohnlängst erfuhr.

Sehen Ihr Gnaden, um Alles im Zusammenhange zu berichten, der Umzug einer Familie, der Transport des vielfachen Gerätes, macht grosse sorge und Unruhe. Es mir zu erleichtern, mietete ich einen Raum im Marktschiffe, und liess diesen mit mancherlei unserer Sachen beladen.

Das Fahrzeug legt gewöhnlich bei Wehrheim an. Die gewandte Frau des Zimmermanns dort, die arbeitsam ist, und sich gern etwas verdient, war mir in den Tagen des Packens zur Hand gegangen, und besorgte auch jetzt das Laden und die Zusammenstellung der Ballen auf dem Schiffe. Passagiere und Fährmann waren ins Dorf gegangen. Die Frau blieb mit ihren Kindern im Schiffe. Diese unterhielten sich nach Kinderart, und während die Mutter das Wehr, von dem sie keine zwanzig Schritte entfernt sind, gedankenvoll betrachtet, es sich zurückruft, wie sie mit demselben Schiffe hier umschlug, und der kühne Graf sie rettete, sagte das älteste Töchterchen: "Ach! wie viel, wie viel schöne Vergissmeinnicht!" Und tritt auf den Steg, der an das Ufer führt, die Blumen zu pflücken. Die andern Kinder folgen. "Es ist ganz blau da," sagen sie. Die Mutter geht ihnen nach. Sie sieht mit Vergnügen ihrer Arbeit zu. "Ein Band! ein blauseidenes Band hängt da an den Vergissmeinnicht," ruft das Mädchen. Sie hat es schon, sie zeigt es der Mutter. Eine hellbraune Haarlocke, leicht mit einem Fädchen umwunden, hängt daran. "Gott im Himmel!" seufzt die erschrockene Frau, "das ist des Grafen Band, er trug es noch den letzten Tag um den Hals."

Gnädiges fräulein! was soll ich weiter hinzusetzen! Sie denken wohl wie Jene, die mir den Vorgang erzählte, und wie ich leider auch fürchten muss.

Hier also! Bei der schnellen Strömung. Er k a n n t e d i e S t e l l e w o h l . Was diese fasst, reisst sie pfeilschnell mit sich fort. Leider sagt das Band, dass der Graf hier war, und dass er von hier nicht wieder zurück ging.

Fürchtete ich nicht beschwerlich zu fallen, so würde ich es mir nicht nehmen lassen, Ihnen das schmerzliche Andenken selbst zu überbringen; so habe ich es dem Kammerdiener Birkner zugestellt, um es Ihnen, wenn Sie es zu besitzen befehlen, einzuhändigen.

Ich scheide in Tränen, wie ich kam; wie Vieles habe ich hier untergehen sehen!

Des Herrn Präsidenten Besitzung ist nun auch verkauft. Alles ist anders geworden! Nur meine Gesinnungen für Sie, verehrtes fräulein! und die teuren Personen, die Sie, wie ich, lieben, verändern sich nie.

Sophie an Madame Lindhof

Gute, treffliche Frau! wie sanft haben Sie uns bisher auf rauher Bahn begleitet, die wir zu gehen hatten. Ich drücke Ihre Hand, und sage Ihnen mit Wehmut Lebewohl!

Alles scheidet von hier! Wie öde wird das Alter! Doch, es ist nicht an mir, zu klagen. Das verblichne Band, Liebe! ist schon in meinem Besitz; Birkner brachte es mir, ganz so wie es gefunden ward, in die Blumen verwickelt, um die es die Wellen geschlungen hatten.

Wie es dahin kam –? Lassen wir es auf sich beruhen. Es liegt ein Dunkel darauf, was wir auch sagen mögen!

Von Elisen wusste ich Ihnen bis jetzt nichts zu schreiben. Sie blieb während zwei Tagen in ihrem Zimmer eingeschlossen, ohne Nahrung zu nehmen, noch Kleider zu wechseln. Ich hatte ihr von dem, was nur aus Vermutungen zu entnehmen war, nichts mitgeteilt. Doch muss ich fürchten, Johanna ist nicht so behutsam gewesen. Ich befragte sie deshalb, brachte aber nur Unzusammenhängendes heraus. Mein Bemühen, zu Elisen zu dringen, blieb ebenfalls vergeblich. Ich geriet in immer grössere Besorgniss. Stunden reihten sich an Stunden; so durfte es nicht länger fortgehen, das Leben der Unglücklichen schien mir gefährdet, und doch scheute ich, sie durch einen Gewaltschritt zu verletzen.

In dieser Nacht nun, zog hier, und wohl auch bei Ihnen, ein starkes Gewitter herauf. Der Sturm, welcher es begleitete, heulte zwischen dem Donner hindurch, und schien dessen prasselndes Knattern mit wildem Geheul zu unterbrechen.

Die freie Seite nach dem wasser zu, war seinem ängstigenden Andringen besonders ausgesetzt. Die Läden vor dem Fenster zitterten, als rüttle sie eine starke Hand. Ich liess deshalb die meines Schlafzimmers öffnen, wodurch die volle Glut der Blitze blendend herein