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stillen Betrachtungen ruhig vergangen. Wenn Ihr Neffe wirklich noch heute zu Ihnen kommt, so sagen Sie mir doch, wie Sie ihn fanden.

Ich gestehe Ihnen aber, ich zweifle, dass er die Burg wieder betritt. Man sagte mir, er verlasse die kleine Insel, rechts, unterhalb des neuen Schlosses in Wehrheim, n u r s e l t e n . Er hatte früher einmal den Gedanken, Emma hier ein Denkmal setzen zu lassen.

Hugo an Elise

Wissen Sie noch, Liebe! wenn ich sonst zu Ihnen kam, wir neben einander sassen, keines sprach, jedes das Seine dachte, und dann ein Wort, ein launiger Einfall, ein Blitz des Geistes hervorbrach, und im Augenblick, Eins in dem Andern zu haus war. Wie die Antwort mir fehlte, oft nur eine halbe, und doch so ganz, durch und durch verstanden. Keine Wolke an dem Himmel! Alles helle, durchsichtige Bläue! Wir dachten nicht, dass das anders werden könnte, wir hatten nichts Arges dabei. Und nun! – Gott! dass man den Tag so deutlich denken kann, wenn es Nacht ist. Man ist ein grosser Narr, wenn man über den Wechsel der äussern Gestalten im Leben klagt. Das beruht auf Naturgesetzen, deren Zweck man nach Belieben vermitteln mag; ich an meinem teil, denke mir das Meinige dabei, und lasse es gehen.

Aber dass auch das Innere so willenlos den Tribut der Endlichkeit zollt, dass die Seele in ihrer prahlerischen Gottähnlichkeit nichts wie ein winziges Flämmchen auf dem irrdischen Heerde ist, und noch eher erlischt, als dieser zerbricht! Das vollendet das Gaukelspiel, und rechtfertigt den Ekel am Leben!

Dies Leben! – Wie ein ausgeleerter Becher, hohl, kalt, überflüssig liegt es zu meinen Füssen! Ich stosse es weg, da ich aufgehört, durstig zu sein. Wornach sollte ich dürsten? Ich habe den Atem der Liebe getrunken. Er hat mich nicht gelabt. Was gibt es denn auch noch Kräftigeres? So matt, so matt sinkt zuletzt der Mensch in sich zusammen!

Ihr beiden lieben, armen Frauen! Wie habt auch Ihr Euch getäuscht! Du wolltest mich retten, Emma? Ach! hätte sich Niemand mit meinem Geschick befasst. Das G l ü c k l i c h m a c h e n ist ein arger Missverstand. Das Glück macht sich nicht, darum –! Aber bereuet nichts, Keine von Euch bereue das Geschehene. Wir haben gelitten und gelebt. Es lebt sich im Leide und in der Freude, wenn das Herz dabei fühlt und der Geist denkt. Doch, wenn auch das aufhört, wenn die Glut k a l t und der Brand K o h l e ist –! Sagt doch, Ihr beiden schönen, rührenden Wesen, was finge ich auch an, wenn ich noch lieben könnte? E u c h l i e b e n müsste! Es ist Barmherzigkeit, dass Alles vergeht! Selbst der Verstand. Wie eine Scheibe dreht er sich. Das Weiss und Schwarz kreist in immer schnelleren, immer engeren Ringen um sich herum, zuletzt ist es Eins. Alles läuft auf Eins hinaus.

Liebe Elise! lassen Sie Georg Mönch werden. Er glaubt dann wenigstens zu wissen, wofür er lebt. Und das ist sehr viel, so lange es währt.

Ich habe mancherlei geträumt. Sehen Sie, mir tut es das frühe Aufwachen. Es ist Einem so nüchtern, so kalt, wenn man v o r der Zeit von den Träumen lassen muss. Der Faden bleibt abgerissen. Die Phantasie eines Wachen ist eine arme Stümperin, glauben Sie mir das.

Mein letzter glücklicher Augenblick war, als ich bewusstlos zu Emma's Füssen stürzte. Gott! welch eine Welt war da in meiner Brust. Ich hätte sie so gern, so gern noch einmal wieder gesehen. Allein, sie will es nicht. Was in d e r Seele für Kräfte liegen! Wie viel wird sie leiden müssen, ehe das Alles stumpf wird! S i e sind schon matter, Elise!

Sie bricht wohl ein tüchtiger Sturm über kurz oder lang.

Ade! Ade! sagen unsre alte Romanzen, wenn der Dichter nichts mehr zu sagen weiss, und das Ende nicht finden kann.

Wenn er das Ende nicht finden kann! –

Ade! Ade! Warum wird mir dabei so traurig, so weich, so zum Weinen voll ums Herz? Was hat der tändelnde Singsang für Gewalt über mich.

Bin ich vielleicht blödsinnig geworden? geht der Geist leise aus? und lallt das sterbende Gefühl kindische Töne?

O dann! Ade! Ade! –

Sophie an den Comtur

Kaum war mein Brief von heute Morgen an Sie, lieber Freund! abgeschickt, so fuhr Birkner, mit der leeren Jagdkalesche des Grafen, in den Hof.

Er glaubte, seinen Herrn hier zu finden, der ihn schon seit sieben Uhr Morgens nach dem wald bestellt hatte, worin er Willens gewesen war, zu jagen.

"Vielleicht," sagte ich, "hat er sich anders besonnen, und darüber vergessen, dass Sie ihn erwarten."

Jener, an dergleichen gewöhnt, lachte, die Achseln leicht zuckend. Meine Gründe mochten ihm einleuchten. Er empfahl sich, und war schon im Begriff, zurück nach Wehrheim zu fahren, als es ihm einfiel, es könne sich doch wohl anders verhalten. Der Graf habe doch wohl wirklich die Absicht