zugleich der Eitelkeit schmeichelte, und die Teilnahme unwiderstehlich in Anspruch nahm.
Während ich ziemlich verlegen, und in dem Gefühle hiervon, wie ich glaube, weniger natürlich als sonst, etwas Unbedeutendes sagte, rief die Gräfin: "Wie! heute ist die Hochzeit des Grafen, und Sie sind hier? Mein Gott! wer soll die Braut anders zum Altar geleiten, als das Haupt der Familie! Ich würde an der kleinen Emma Stelle untröstlich sein, gerade Sie unter den Hochzeitsgästen zu vermissen."
"Es ist besser, ein fest zu meiden, als es zu verderben," entgegnete der Comtur, kurz und entschieden, so, als werfe er rasch eine lästige Empfindung bei Seite.
Ich erschrack unwillkührlich vor dem veränderten Tone seiner stimme. Es lag etwas Schroffes darin, das sich zugleich in seiner völlig verfinsterten Miene zurückspiegelte.
Wie sehr er sich auch gleich darauf bezwang, er gewann die vorige, freie und leichte Stimmung nicht wieder, und ob er auch mit Gefühl, ja mit Wärme von der nahen Aussicht sprach, ein ungehofftes Familienglück in der eigenen Häuslichkeit aufblühen zu sehen, so geschah es doch nicht ohne Anstrengung, davon zu sprechen.
sonderbar genug, er wandte sich fast immer in der Unterhaltung an mich. Es befremdete und verwirrte mich anfangs. Ich glaubte, er habe mich erraten und wolle mir eine bessere Meinung von sich geben. nachher aber sagte ich mir, es geschieht, weil er mich durch Eduard vom dem Gange der ganzen Verhandlung unterrichtet glaubt, und am leichtesten hier anknüpfen mag.
Sei es so oder so! der Mann hat mir ein undeutliches Bild gelassen, das mich anzieht und ängstigt zugleich. Ist der Neffe ihm gleich, oder nehmen die Verhältnisse der neuen Familie dieselbe schwankende Farbe an, so wird es mit den nachbarlichen Beziehungen wohl nicht zu einer besonderen Intimität kommen.
Sie sehen, Sophie, Ihr Schweigen ist so unnütz als betrübend. Sie bezwecken nichts dadurch für Ihre dortigen Freunde, und verletzen die hiesigen. – Wenn Sie mich noch liebten, wie ehemals, hätte ich bereits eine weitläuftige Hochzeitsrelation. Seit Sie so bedenklich und berechnend sind, hören Sie auf, verbindlich zu sein. Leben Sie wohl!
Der Comtur an die Oberhofmeisterin
Undankbare! Dies harte Wort, mit dem Sie die Tochter aus Ihren Armen lassen, möchte ich Ihnen zurückgeben.
Ja, Undankbare! können Sie es vergessen, dass Emma dem Leben g e h ö r t , dem Sie sie entgegen führen durften? Soll sie darum niemals a l l e i n stehen, weil Ihre Hand sie noch länger festalten möchte?
Haben die Jahre Ihnen so viel von der Uneigennützigkeit früherer Liebe geraubt, dass Sie heute anders empfinden, wie in jener Stunde, da das schwankende Kind zum erstenmale dem Leitband der Wärterin entlief, und ein eigenes, freies, kleines Wesen vor Ihnen stand, die gewonnene Kraft prüfend?
War sie Ihrem Herzen darum fremd, weil sie glücklicher war?
Und jetzt? – Gewiss, Sie haben Unrecht, grosses Unrecht!
Wollten Sie es anders, weshalb überhaupt die weltlichen Beziehungen? Warum bestimmten Sie die Tochter nicht für das Kloster, wenn Sie ihr Herz zu schön für den Wechseltausch menschlicher Empfindungen nennen?
Aber es schien Ihnen grausam, das junge Leben in der Knospe verhüllt zu lassen. Auch jetzt bin ich überzeugt, verwerfen Sie mit Abscheu den blossen Gedanken daran. Nun, ich streite darüber nicht. Ich habe indess die überzeugung, dass der Mensch sich immer auf die eine oder die andere Art zum Opfer bringen muss. Tut er es nicht freiwillig, so zwingen ihn die Umstände, fremdes oder eigenes Wohl, die Ruhe des Gewissens, oft auch der Ueberdruss des Lebens dazu.
Es ist nicht abzusehen, welchen von allen diesen Beweggründen die Ansprüche Ihrer Tochter werden erliegen müssen! Doch, es gibt überall nur e i n e n Faden durch das Labyrint des Lebens, und den muss ein jeder selbst finden. Fremde Brillen passen selten. Sie trüben nur den blick.
Deshalb Geduld! liebe gnädige Frau. Geduld! Sie waren früher so eilig, das verhältnis zwischen beiden jungen Leuten zu begründen, lassen Sie ihnen nun Zeit, in Harmonie mit der inneren und äussern Welt zu treten.
Ich würde mir selbst anmassend erscheinen, wollte ich ein Urteil über meines Neffen Charakter aussprechen. Die Elemente seiner natur sind mir meistenteils fremd. Auf das erste Empfinden hin, scheinen alle zu verflüchtigt, um es in ihm selbst, bei der glücklichsten Mischung, zu irgend einer vollständigen Gestaltung der Ideen kommen zu lassen. Es zieht das beobachtende Auge in eine unermessliche Weite hinaus, aber man findet keine Ruhestätte, um zu verweilen. So, sage ich, würde das S e l b s t g e f ü h l , das eben kein Echo hier findet, sprechen. Doch das Selbstgefühl hat nicht mitzureden, wenn ein fremdes Bild in das Bewusstsein treten soll. Ausserdem liegt eine schroffe Klippe zwischen uns. Er kann sie ü b e r f l i e g e n , das traue ich ihm zu, allein, ob er m i c h dabei f i n d e t ? ist eine andere Frage. Die Sonne hat bekanntlich allein die Macht, den härtesten Stein aufzulösen. So schmilzt auch nur die innere Sonne den Stein des Anstosses weg! Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob solche Glut Hugo's Seele ausfüllt? oder ob diese nicht leere und kalte