a n d e r s vielleicht, doch nicht klüger. Emma ist ausserhalb ihrem Bereich, ich gehe ihr aus dem Wege, und Hugo – Nun das verlangen Sie nicht, dass mir dessen Geschick, wie dessen Ruf am Herzen liegen solle! Was hofften Sie wohl von einer neuen Verbindung für ihn? Was blendet Sie denn jetzt mit einemmale über den glaubensleeren, unklaren, unsichern Klügler, dass Sie Ihre Tränen in die seinen mischen? –
Meinen Sie, weil ihn das Ausserordentliche erschütterte, weil ihn der Anblick der Todtgeglaubten übermannend niederwarf, er sei nun für immer in dem Kern des Daseins gebrochen? Er könne das gespaltene Leben nicht wieder ergänzen? nur in bejammernswertem Ringen müssen ihm Tage und Jahre hingehen.
Mein Gott, bester Freund! tragen Sie doch Ihre Empfindungen nicht auf einen Menschen über, der keines bleibenden Eindrucks fähig ist.
Wie schnell tauschte er ein Gut für das andere ein, wie noch schneller warf er dieses wieder von sich, und was wäre es denn jetzt mit ihm gewesen, hätte er auch die Vergessene nicht wiedergefunden? Nein, glücklich war der niemals zu machen! denn sehen Sie, mit allen schimmernden Gaben des Scharfsinns, des Witzes, der angenehmen Laune, bei dem milden Ausgleichen fremder Schwäche, der duldsamen Gelassenheit und den Aufwallungen liebender Gefühle, fehlt Ihrem Neffen ein innerer Mittelpunkt. Er ist wie ein schönes, reich ausgestattetes Haus, in dem Sie alles finden, nur keinen Heerd! drum frieren Sie, und hungern und dursten, und werden niemals erquickt, wie viele Vorräte auch überall befindlich sind. D e r Heerd, der ihm im inneren fehlt, den verschmähet er auch im Aeussern. N a s c h e n will er überall, doch gesammelt geniessen, das kann er nicht. Fürchten Sie doch ja nicht für sein Herz, nennen Sie auch nicht die bebenden, confus ineinander gewirrten Fäserchen, ein Herz. Auf d e r Stelle mag es sonderbar bei ihm aussehen!
Vor allem aber schelten Sie Niemand, als ihn selbst, wenn Sie's beklagen müssen, dass von allen Ihren Hoffnungen keine erfüllt ward.
Von der betrogenen Dame seiner Gedanken durfte ich erwarten, dass Sie mit mir nicht reden würden. Für sie weiss ich wahrhaftig nichts Besseres, als dass sie die schwierige Aufgabe übernimmt, dem Irrstern auf seiner regellosen Bahn zu folgen. trösten Sie sich, lieber Comtur! wie Sie können. Am Ende haben Sie doch die grössere Hälfte des Lebens zurückgelegt. Was wollen wir um die letzten Paar Stunden noch so viel Aufhebens machen!
Ich bin im Begriff, zu Emma zu gehen. Die Reise nach Italien wird ihr jetzt wohl selbst notwendig dünken.
Noch einmal, nehmen Sie es nicht zu schwer. Hugo ist nicht der Mensch darnach, die Seele eines besonnenen Mannes mit Sorgen zu füllen.
Antwort
Nein, niemals hätten Sie sich erlauben sollen, über Hugo dies unbillige Urteil auszusprechen. S i e nicht. Keine Partei darf die andere richten. Ihr Unglück macht Sie hart. – Tadeln Sie Handlungen, verwerfen Sie die Tat, wenden Sie sich mit Unwillen von dem ungeliebten Menschen ab, doch zerlegen Sie ihn nicht wie ein wild, das man kunstgerecht durchschneidet, und sich etwas damit weiss, jeden einzelnen teil geschickt von dem andern lösen zu können. O, hielten wir im Menschen Gott höher, wir würden begreifen, dass keiner zu berechnen ist.
Die Mischungen, aus denen ein Inneres sich bildet, sind gar zu fein für unser kritisches Auge. Ein zärtliches Empfinden unterscheidet sie wohl, doch hinkt der Verstand dem flüchtigen Hauche vergeblich nach, bettelt er nicht von der Seele die Flügel?
Sie haben Hugo nie geliebt. Wie können Sie glauben, ihn zu verstehen? – Ich war ihm oft sehr bös, und schwerlich gibt es noch zwei Menschen, einander unähnlicher in Grundsatz und Richtung. Doch er ist meines Bruders Sohn, mein Blut, mein nächster, mein einziger Verwandter, ich kann ihn schelten, doch ungerührt dies Auge weinen sehen, in dem sich einst des Vaters ganzes Herz sonnte, es weinen sehen, und kalt bedenken, die Zeit werde es ja auch trocknen, wie schon manches andere getrocknet worden, nein! das kann ich nicht, und schäme mich auch nicht, es zu bekennen; ich mische meine Tränen mit den seinen. Wie wenig dürfen Sie hoffen, mit so feindlicher Gesinnung die arme Emma aufrecht zu erhalten. Waren Sie nicht von jeher die Widersacherin des geliebten Mannes, Sie hätten Ihren übereilten Eifer anders geleitet. Nur zu bereitwillig nahmen Sie den Plan der Flucht aus der Burg auf, und, lassen Sie michs sagen, gern schieden Sie das blühende Kind von der Welt, um es nur von dem Feinde Ihrer Ruhe scheiden zu können. Niemals hätten Sie Emma den Gedanken ans Kloster verziehen, doch lieber begruben Sie sie, als sie in seinen Armen zu wissen. Und noch heute triumphirt Ihr blutendes Herz über die Schmerzen, die Sie so über Hugo verhängten.
Unversöhnliche! Was ist denn zumeist in Ihnen beleidigt, das zärtliche oder das allein herrschende, stolze Mutterherz? Ich verzeihe Ihnen, aber ich beuge mich nicht Ihrem Urteil.
Sophie an den Comtur
Sie erwarten in jedem Augenblick Hugo? schreiben Sie mir! Sie denken, er werde endlich von Wehrheim zu Ihnen herüber kommen, und wollen ihn nicht verfehlen. Sie besuchen uns deshalb heute nicht, und möchten doch wissen, ob Elise ihre feste, klare