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nicht dennoch Liebe? O! hättest Du sie gesehen, das liebe, sanfte, blasse Leidensgesicht, und immer, immer schön wie der Friede.

Ich will Dir etwas sagendoch Nein! Du verstehst mich nicht. Es versteht Keiner den Andern! Ich werde sie noch um eine Unterredung in ihrem Kloster bitten. Hier, in dem nahegelegenen Waldkloster, wo man sie begraben sagte, da begrub sie sich auch. Da nahm sie den Schleier. Unselige Betörung! Sie soll mir sagen, was kein Anderer weiss, was s i e nur, oder Niemand beantworten kann, warum –! O weg! weg! tolle, rasende Gedanken. Wäre sie auch eitel, und hätte sie sich selbst einen Triumph bereitet? Abscheulich! Die Welt ekelt mich an. Ueberall nur das Echo-Wort – I c h ! I c h ! und sonst hohler Schall!

Ich komme von ihr! Unaussprechlich! ich sage Dir, Heinrich! unaussprechlich ist der Zauber ihrer sanften Nähe. Wie der Hauch von einem Blumenbeet, im Tau der Abendwolken, so süsse Tränen perlten auf den lilienblassen Wangen.

Und doch hat sie sich von mir losgesagt! und doch hat sie das eiserne Gitter zwischen sich und mir aufgezogen! Dahinter steht sie, und unerreichbar! unerreichbar! Was das für ein entsetzliches Wort ist.

Ich fürchte, ich fürchte –! Was denn? Was soll noch kommen? Siehst Du, das ist es! Es ist alles aus!

Die Oberhofmeisterin an den Comtur

Das geheimnis ist also entdeckt! Es kam, wie ich immer fürchtete. Sie hat sich zuletzt selbst verraten. S e i n Leben durfte nicht auf dem Spiel stehen. Daran scheiterte ihre geträumte Festigkeit. Jetzt ist das ganze Phantom in Nichts aufgelöst, und die nüchterne Wahrheit bringt Alle ausser Fassung.

Auch Sie, Ihr Gefühl, sagen Sie mir, empört sich gegen das gewagte Spiel missverstandener Selbstverleugnung. Sie fragen mich, wie ich jemals darein willigen konnte? Sie tadeln mich, weniger durch das, was Sie laut werden lassen, als durch das, was Sie verschweigen; die Spannung Ihres briefes verrät, wie sehr Sie sich zu beherrschen streben.

Sein Sie ganz offen. Ich kann es ertragen. Mein guter Comtur! seit ich in die unselige Verbindung zwischen Emma und Ihrem Neffen willigte, handelte es sich nicht mehr um das, was ich zugeben oder hindern wollte; die beiden unglücklich Gepaarten mussten ihr los erfüllen.

Sie irren sehr, wenn Sie sich einbilden, ich habe durch Emma's plötzliche Entfernung von der Burg dies Alles verschuldet. Schon lange war Emma mit sich einig, Hugo frei zu geben. Ihr glühendes Herz flammte in lauter feurigen Bildern auf, die von inneren Stürmen schnell gejagt, eine Wolkendecke über das wirkliche Leben breiteten. Sich für ihn zu opfern, das war der Stolz ihrer verschmachtenden Seele, das war das Geschäft ihrer kranken Phantasie. Wie wenig kennen Sie den Menschen, wenn Sie wähnen, bis dahin dringe fremder Wille.

Es ist wahr! nachdem, was im haus des Präsidenten vorging, konnte ich an die Dauer solch schmählich entweihten Ehebundes nicht mehr denken.

Was weiter folgte, darüber fordern Sie wohl von mir keine Rechenschaft. Das Kloster im Schwarzwalde war unsere erste Zuflucht. Einsamkeit und abgezogenes Denken gestalten das Gemüt nach anderer Form. Es scheint uns in diesem Augenblicke alles beschlossen und vollendet, was heute nur ruhen muss, um morgen weiter leben zu können.

Emma ward schnell in ihrer Begeisterung mit dem fertig, was sie allein noch für Hugo tun konnte. Nach kurzer Zeit nahm sie den Schleier, und liess das Gerücht ihres Todes sie von dem mann scheiden, dem sie ihr Dasein bei weitem mehr, als den Heiligen des Klosters weihte.

Was ich hierbei litt, doppelt litt, weil ich die Nutzlosigkeit dieses Opfers längst einsah, wie heiss ich das zertrümmerte Geschick, die Selbsttäuschung, die unnatürliche Verirrung der einzigen Tochter beweinte, wie sie mir anfangs in ihrer Umwandlung gestorben schien, und ich schwankte, ob ich sie nicht eben so gern unter der dichten Hülle des Sarges als hinter diesen Mauern wissen möchte? das Alles sagt sich nicht, das fasst mit dem besten Willen Keiner, am wenigsten ein Mann!

Als darauf aber der Wurm in dem Herzen der Unglücklichen stärker nagte, sie, vollends hinwelkend, wahr zu machen drohte, was sie zum Scheine gespielt, da dachte ich darauf, durch Versetzung in eine andere geistliche Gemeine, ein wärmeres Clima, in ganz veränderte Umgebungen, sie mir noch lebend zu erhalten. Durch eine Verwendung meiner Prinzess, ward Emma äbtissin in einem florentinischen Kloster. Sie erschrack heftig bei der Nachricht. Ihre Gesundheit schien den Schmerzen der Trennung aus der Heimat nicht gewachsen. N u r e i n m a l n o c h , a u f k u r z e Z e i t , wollte sie in der Nähe ihres alten Wohnsitzes atmen, leben dürfen; sie forderte dies, als das einzige Mittel, den letzten Riss der Vergangenheit zu überwinden. Ihr Arzt riet selbst dazu. Sie erhielt unbestimmten Urlaub, sie benutzte diesenund das Aufziehen eines Pistolen-Schlosses reichte hin, die ganze künstliche Leiter unter ihren Füssen wegzuziehen!

Ich bin bei weitem hierüber nicht so erschüttert, wie Sie. Was die Welt denken und urteilen wird? gilt mir in dieser Hinsicht gleich. Die hat ihr Urteil längst ausgesprochen. Nun sagt sie es noch einmal