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, sagte mir Philipp, würde er in seinem Leben nicht vergessen. Er wäre ihm so ans Herz gegangen, dass ihm die Tränen aus den Augen stürzten.

Schon ganz tief in der Nacht kam endlich mein Sohn herunter, bestellte, dass Alles zur Abreise fertig sein sollte, ging dann wieder hinauf, kehrte alsdann an des Fremden Arm zurück, bestieg mit diesem die Postchaise; sie fuhren und fuhren bis hierher, ohne dass ihr Reisegefährte ein Wort sprach, ausser ein einzigesmal sagte er halblaut: "e i n e N o n n e !" Er schüttelte den Kopf, und sank dann mit geschlossenen Augen ganz zusammen, als wolle er Alles verschlafen. Nun sage mir um Gottes Willen, Kind! was ist das? Ich kann nicht klug daraus werden, und wenn ich mir den Kopf zerbreche. Hast Du denn eine Ahndung, wer die person sein kann, aus der sie solch' geheimnis machen, als gälte es des Reiches Wohlfahrt? Gieb nur Acht, es wird nichts sein, als ein dummer Roman, der ihnen die Köpfe verrückt. Das ist jetzt Mode. Ich beklage Dich, armes Kind! Du musst es entgelten. Hättest Du den Curd geheiratet, wie anders stände es mit Dir!

Hugo an Heinrich

Emma lebt! Ich habe sie gesehen, gesprochen! Fasst Du es, Heinrich? Ich nicht! "Mein Gott! mein Gott!" rief sie, mit einem Tone –! Was das für ein Ton war! Engel mögen so flötend klagen über das Elend der Menschen! Elendja wohl! Nun bin ich es ganz.

Heinrich! wie sie so am Boden lag, den Schleier weit zurückgeschlagen, das himmlische Gesicht weisser wie Schnee, die Augen geschlossen, der Mund voll Güte und Liebe, schmerzlich zum Weinen verzogen, beide hände im tiefsten Jammer zusammen geschlagen! –

Sieh weg! Sieh weg! ich bitte Dich. Ich verliere den Verstand, sehe ich sie in Gedanken so vor mir liegen.

Wer spricht mir noch von Liebe? Wer weiss denn, was Lieben ist? Niemand! das sage ich Dir. Auch sie nicht! das ist das Tollste. Auch sie nicht! bei dem ganzen Umfange ihres Opfers, wusste sie nicht, was L i e b e ist.

Wie hätte sie sonst die Lüge zwischen uns geschoben, und Früchte von solcher Saat gehofft?

Nun sind die Teufel alle losgebunden, und e i n zerbrochenes Gelübde erzeugt den Wunsch, die andern auch zu brechen.

Frage sie doch, was sie aus mir machen wird? und wie sie die rebellischen Wünsche in der eignen, stürmenden Brust zu bändigen gedenkt? "Zurück! zurück ins Kloster," klagte sie leise, und weinte dabei.

Entsagen wollte sie! O hätte sie Geduld mit mir gehabt, und nicht grösser sein wollen, als die natur vom Menschen es verlangt.

Siehst Du, Heinrich! ich sagte es Dir schon einmal, die eigentlichen Gespenster, die springen aus dem verhetzten Gehirn der Menschen hervor. D e n Wahn gebirt er selbst, wie jeden, um den er leiden muss.

Sie ist sehr unglücklich, das glaube mir! Hier! hier an diesem Herzen hat sie alle ihre Seelenangst bekannt! Hier an diesem Altar konnte sie beichten! So treibt sie noch der alte Götzendienst zur Abgötterei, und sie darf glauben, ihn abgeschworen zu haben?

O hilf mir aus dem Labyrint heraus, in dem ich auch s i e verlieren könnte. Glaubst Du, ich spreche im Fieber? Weisst Du so von gar nichts, dass Du nicht merkest, sie sei die Nonne, die mich seit Monaten, wachend und träumend, begleitet! D i e N o n n e ! Ja wohl! sie ward es, und galt für tot. W o l l t e dafür gelten, um mich glücklich zu wissen.

Verstehst Du wohl, um m i c h g l ü c k l i c h z u w i s s e n . Du ewiger Himmel! wie schlecht berechnet sich das Glück, und wie irrt sich der Mensch, wenn er es zu schaffen gedenkt!

I r r e n und immer i r r e n , das ist das Motto, das am Ein- und Ausgange unserer Lebensbahn steht. Wir kennen nur die verschlungenen Schriftzüge nicht, und machen Jeder ein beliebiges Wort daraus.

Wie sie sich mir bei allem dem immer nahte, wie ich sie zuletzt finden, und den –! Nennst Du es Betrug? Sage die Täuschung, es klingt besserentdekken musste?

Ja, mein Freund! das ist es eben. Die Wahrheit ist eine mächtige Gotteit, sie rächt jede Verletzung ihrer gesetz. Es muss dann alles so kommen, wie es kommen soll! Wie das Haupt der Medusa schreckt sie das Menschenauge!

O! es ist eine weitläuftige geschichte. Ich erzähle sie Dir einmal. Einmal? es ist gut, seine Vorsätze so ins Ungewisse zu stellen. Wer sagt gut für die Erfüllung?

Wüsste ich nur darüber hinaus, dass sie irre an mir werden, dass sie mich aufgeben konnte! Ist denn die Liebe nicht die Wahrheit, und lehrt sie nicht wahr sein?

Ach! so still wie ein Lamm schlich sie sich abwärts, und wollte verloren heissen, damit ich ihr nur nicht begegne, und ihr Anblick mich nicht störe. Sage, ich bitte Dich, ist das