in welchem unnatürlichen Zustande ich in dieser Nacht war, so mein ganzes Hauswesen aus der Acht zu lassen, und die Ehre einer guten, sorgsamen Wirtin. Kurz, ich schlich still zu Bette, um nur nichts mehr zu hören und zu erfahren. Kaum liege ich aber ein halbes Stündchen darin, so bläst ein Postillon im dorf. Ich richte mich in die Höhe. Es schmettert immer fort, aber kein Wagen folgt. Der Ton kommt näher und näher. Ein Pferd trabt in den Hof. Gott! eine Stafette, schrie ich auf. Sie schicken schon nach Curd. Das Duell ist ruchtbar geworden, er wird festgesetzt werden, man wird ihm ans Leben gehen!
Ich zog mit Gewalt an der Klingel, aber ehe noch Jemand kommen konnte, war ich am Fenster, riss es auf, und rief hinunter in den Hof: "Wer bläst denn da?" "Eine Stafette," war die Antwort. "Woher?" brachte ich zitternd heraus. Wie ward mir nun, als ich hörte: "Auf Allerhöchsten Befehl aus der Residenz," das kann ich keinem Menschen sagen. Ich war in einen Stuhl gesunken, als Caspar, der Jäger, mit einem Brief in der Hand, hereintrat.
"Gebe Er her! gebe Er her!" befahl ich ihm. "Um Verzeihung," sagte er, mir die Addresse hinhaltend. "Das Schreiben ist an Jemand, den ich nicht kenne, und der sich, so viel ich weiss, auch hier nicht aufhält."
Ich wagte, einen blick darauf zu werfen. Es war eine kleine, kritzliche Frauenhand, und die Aufschrift ... dem fürstlichen Jägermeister, Herrn Curd von ... Ich atmete auf. "Wecke Er meinen Sohn, Caspar!" sagte ich, "der Brief ist von seiner Frau, ich erkenne es jetzt an dem doppelten Wappen."
Es war auch so. Mein Sohn erwartete schon früher eine Versetzung aus dem Militair ins Forstdepartement. Der Fall war nun eingetreten. Die Gräfin und ihre Tochter fanden es nötig, ihn eilig davon zu benachrichtigen; um das schneller zu bewerkstelligen, hatten sie auf den Brief geschrieben: a u f A l l e r h ö c h s t e n B e f e h l . Das klärte sich nun wohl über Erwarten gut auf. Allein das Andere lag mir immer schwer genug auf der Seele. Ich konnte mich deshalb auch nicht über die Vorteile in Curds neuer Lage freuen. Er nahm es nicht viel anders. Seine Miene blieb ernst, sein Wesen zerstreut. Wir redeten wenig darüber. Es schien ihm sogar verdriesslich, dass er seine Abreise so übereilen müsse. Da er nun auch gleich darauf das Anspannen befahl, fragte ich ihn, ob sein Reisegefährte ihn begleiten würde?
"Der, liebe Mutter!" entgegnete Curd, "hat sich eben nur so lange hier aufgehalten, um den Amtmann zu vermögen, dass er ihm rasche Pferde und Wagen gab, und wieder zurückfahren lasse, woher wir kamen. Er war schon fort, als ich von Ihnen in mein Zimmer ging."
"Also nicht tödtlich verwundet?" seufzte ich. "Vielleicht gar nicht einmal ein Duell?"
"Ein Duell?" fragte mein Sohn, sich schnell nach mir umwendend, "wie kommen Sie darauf?" Ich teilte ihm alle meine Besorgnisse mit. Er hörte mir sehr aufmerksam zu. "Nein!" sagte er, "auf meine Ehre, ich komme von keinem Zweikampf. Darüber können Sie in dieser Angelegenheit überhaupt ganz ausser sorge sein."
"Gewiss?" fragte ich, denn mir schien, als halte er mit irgend etwas zurück. Sein ganzes Wesen war anders, wie sonst; bestürzt und traurig zugleich hätte ich es nennen mögen.
"Gewiss!" versicherte er, auf eben die verschlossene Weise.
"Nun!" sagte ich, "dann kann mir schon alles Andere recht sein. Allein wissen möchte ich doch, wer der Fremde war, der in meinem haus Obdach suchte, ohne mir auch nur dem Namen nach bekannt zu sein."
Curd ward verlegen. Er nahm mich bei der Hand, und suchte mich auf andere Gedanken zu bringen. Da ich aber empfindlich ward, entdeckte er mir, dass es Hugo gewesen sei. Ich ward blass vor Schrecken, glaube ich, tat indess, als sei es vor Aerger, und äusserte meine Verwunderung, dass der Graf es vermeide, der nächsten Verwandtin seiner Braut bekannt zu werden.
"Ach!" rief Curd ein wenig ärgerlich, "denken Sie doch an dergleichen Rücksichten jetzt nicht, liebe Mutter! Sie können sich wohl vorstellen, dass etwas Ausserordentliches vorgefallen sein müsse, was uns Beide in so gutem Vernehmen zusammen hierher führte. Ich habe kein Recht, Ihnen mehr zu sagen. Es ist in keiner Art mein geheimnis, und nur, um Sie wegen ferneren Besorgnissen, in Betreff meiner und des Grafen, zu beruhigen, entdeckte ich Ihnen, dass dieser hier war, was denn übrigens alle Welt wissen mag."
Damit, liebes Kind! musste ich nun zufrieden sein. Curd reiste kurz darauf ab, und mir blieb der Stachel wegen des undurchdringlichen Geheimnisses in der Brust stecken.
Etwas A u ss e r o r d e n t l i c h e s , sagte er, müsse vorgefallen sein, was sie Beide in