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. Es brauchte aller meiner Tenacität, um mich nicht irre machen zu lassen. Ich bin nicht müde geworden, immer dasselbe zu wiederholen, und habe Andere so müde gemacht, dass sie aus Verdruss Ja sagten. So ist Dein Mann Jägermeister geworden, mein Herzchen! Aber das muss ich Dir gestehen, eine deplacirtere Aufwallung von kindlicher Zärtlichkeit habe ich auch in meinem Leben nicht gesehen, als die, in einem moment de crise eine Wallfahrt zu dem älterlichen Heerde zu machen. Der gute Curd wusste ja ganz genau, wovon es sich handelte, und dass die Entscheidung vor der Tür war. Was fiel ihm denn ein? Es embarassirt mich wirklich erstaunt, dass er abwesend ist.

Dummes Ding! Schreiben darfst Du gar nicht. Das wäre sehr ungeschickt. Setze Dich nur gleich in den Wagen und fahre hinaus nach Mariental, schütze eine Krankheit Deines Mannes vor, und bitte um die erlaubnis, statt seiner, Deinen Dank an den Tag legen zu dürfen.

Du hast sehr recht, ohne mich, würdet Ihr Euch nie zu helfen wissen. Guten Abend, liebe Agate! Sei ja vorsichtig in Deiner Freude. Die Zunge geht so oft mit Dir durch, und nichts ist nötiger, als diese zu rechter Zeit zügeln zu können.

Wann kommt denn Curd zurück?

Weisst Du? Leontin war diesen Morgen bei mir. Er hat mir recht sehr gefallen. Er sieht unglaublich interessant aus. Er hatte immer eine charmante Phisiognomie, aber seitdem ihm die Liebe, ce regard voilé gab, finde ich ihn unwiderstehlich.

Lebe wohl, mein Kind! Ich denke immer noch, er und Rosalie werden frühe oder spät ein Paar. Es gibt gewisse Leute mit einem Bischen Verstand, und erstaunt viel Courage! Ich weiss nicht, ob Du die Leute kennst, und erfahren hast, dass sie nur eine Sache zu denken brauchen, um sie auszuführen. Adieu, kleine Katze!

Die Tante an Elise

Es geht etwas vor, liebe Seele! Ich weiss nicht was? auch nicht wo? Aber es wird so unruhig um mich; und wenn ich erst die Leute viel hin und herreisen sehe, und sie nirgend bleiben, nirgend ausruhen können, dann habe ich schon genug.

Ich bin von natur ängstlich, das ist wahr, sehr ängstlich, ich kann mich deshalb auch wohl irren, und darum will ich nicht mit Bestimmteit sagen, was ich fürchte. Doch fürchte ich, dass es auch Dich mit betrifft.

Sieh' mal, den Curd kennst Du. Er ist wild und störrisch. Wenn auch die feine Welt ihn erst glatt geschliffen und ihm dann ein modisches Wesen angewöhnt hat, so steckt doch der alte Kern in der neuen Schale, und der Kern ist fest, ja herbe, aber wenn man auf die rechte Stelle kommt, da wird er süss, ich versichere Dich, recht lieblich. Das ist unsers Landes Art so. Der Vater war auch von dem Schlage, und viele aus der Familie. Nun siehst Du, um wieder auf meine Mutmassungen zu kommen. Ich weiss, dass Curd nicht vergessen kann, nicht im Guten, nicht im Schlimmen. Vor ein Paar Tagen kommt er hier her. Mein Gott! wie finster sah er aus! Die Falte zwischen der Stirn ward schwarz, wenn er in Gedanken vor sich hin sah. Ich kenne das an allen Männern seines Stammes, so wie sie über irgend ein Vorhaben brüten.

"Curd!" warnte ich ihn. Er wusste gleich, was ich sagen wollte. "Sein Sie unbesorgt, liebe Mutter!" lächelte er. Ich war aber nicht ohne sorge, konnte es auch nicht sein, ob er sich gleich zusammen nahm, und tat, als sei er Geschäfte halber hierher gekommen, die die Wirtschaft angingen. Das Ding sah aber anders aus. Der Gerichtshalter musste noch spät des andern Abends kommen, nachdem mein Sohn den ganzen Tag in seinem Zimmer geschrieben hatte.

Er machte sein Testament. Ich merkte es recht gut, und wusste auch weshalb? Ich liess aber alles gehen, wie es wollte. Ich mochte mich in nichts mischen. Den folgenden Morgen war er weggefahren, ehe ich erwachte. Zu seinem gewesenen Vormunde, dem alten Deichhauptmann, liess er mir sagen. Der Förster und der junge Amtsschreiber waren mit ihm in den Wagen gestiegen.

Es konnte ja sein, dass er zum Deichhauptmann fuhr. Ich hätte auch nicht daran gezweifelt, wäre so mancherlei nicht vorhergegangen. Nun stutzte ich doch, und schwankte in mir.

Die ersten vier und zwanzig Stunden, die brachte ich leidlich genug hin. Als aber der zweite Abend kam, es acht, neun, zehn Uhr schlug, und die Leute nach unserer stillen Weise im haus schlafen gingen, wusste ich vor Angst meines Bleibens nicht. Ans Bett konnte ich nicht denken. Ich ging aus einer stube in die andere. Es war kühles Wetter. Ich sass endlich in meinem kleinen Eckkämmerchen vor dem Kamin, der treue Waldmann neben mir auf dem Stuhl und die alte, knurrende Mise auf meinem Schooss. Katzen und Hunde, dachte ich bei mir, lernen sich vertragen, und wärmen sich an einem Feuer, und das Herz muss mir wegen zwei vernünftigen Menschen zum Zerspringen schlagen.

Du weisst wohl, wenn Einem so recht angst und wehe in der Seele ist, dann hört man in allen Ecken etwas gehen und sprechen. Mir kam es so vor, als wäre der ganze Hof