steht? dass sie ärztliche Besuche hatte, dass ihr Krankheitszustand folglich anerkannt und mit Sorgfalt beobachtet wurde? Hierin also, ist wenigstens keine List zu vermuten, und wie diese einzelne Widerlegung alles andere widerlegt, leuchtet Ihnen gewiss so gut ein, wie mir.
Ein Glück daher, dass die Freundschaft zaghaft macht, und Sie weise handeln, weil Sie zärtlich empfinden. Freilich, liebe Freundin! freilich, "Behutsamkeit und Schweigen!" Elise darf nichts von unsern voreiligen Schlüssen ahnden.
Vielleicht hilft uns Hugo bald über alle Zweifel hinaus.
Noch wissen wir nichts von ihm. Auch Walter zeigt sich nicht, und mir liegt dazu ob, keine Unruhe zu verraten, ich muss über die Schritte meines Neffen vollkommen unterrichtet scheinen. Meine Haltung hält ihn in der Meinung aufrecht. Möchte er bald die peinliche Anstrengung enden!
Antwort
Sie haben recht. Und doch – ich weiss nicht, wie Alles zusammenhängt, aber – e r i s t d e r F r e m d e n g e f o l g t . Sein Sie dessen gewiss. Elise weiss es. Der alte Gartenknecht Carl hat es ihr verraten. Hugo war bei ihm. Er hatte ihn über jeden kleinen Umstand im Betreff der schleunigen Abreise der Dame befragt. Er soll sehr blass, sehr matt und angegriffen dabei ausgesehen haben, so, als laste ein schweres Unglück auf ihm. Zweimal, sagte Carl, sei der Graf in einem Wagen bei ihm gewesen. Er durchlief das leere Haus, sah sich wild und unstät darin um, und jagte dann mit einem gemieteten Bauernpferde bis zur nächsten Station, von wo er das Pferd zurückschickte. Der Bote, der es gebracht, erzählte, der gnädige Herr habe sich durch denselben Postillon weiter fahren lassen, der die Spukdame gefahren habe. Dort im Städtchen spreche man wunderliches Zeug darüber. Die alte Marte, der man längst wieder die Freiheit gab, sass gerade auf einem Steine vor dem Postause, als der Graf so eilig drängte, fortzukommen. Sie lachte, und schüttelte den Kopf. nachher hat sie gemeint: sie kenne die Dame wohl, der er nachziehe, sie seien einander auf ihren Nachtwanderungen begegnet, aber sie dürfe sie gegen Niemand nennen, auch wisse sie nicht, ob sie lebendig sei?
Urteilen Sie, liebster Freund! in welchen Zustand dies wüste Geschwätz, zusammengenommen mit dem, was wirklich ist, die unglückliche Elise versetzt. Einen kurzen Augenblick schien sie mir beherrscht von dem Gewicht ihres Geschicks. Ich fürchtete aufs Neue für ihre Gesundheit. Jetzt drückt sie Zweifel und sorge hinunter. Sie w i l l nichts fürchten oder doch nicht das Ansehen davon haben. Mir dünkt das so unnatürlich, dass es mich, mehr als laute Verzweiflung, peinigt. Die Sache ist ruchtbar geworden, Curd schreibt in diesem Augenblick an mich. Der Brief hat einen sehr ernsten, gespannten Ton. Ich weiss nicht recht, wie ich ihn verstehen soll? Kommen Sie heute noch zu uns, Sie sollen mir Ihre Meinung darüber sagen.
Ach kommen Sie ja! Wir bedürfen Ihres Beistandes alle Beide.
Agate an die Gräfin Ulmenstein
Ich bin die glücklichste person von der Welt, liebste Mama! Denken Sie doch, eben schickt mir Rosalie durch einen Lakaien von Mariental, wo der Hof jetzt ist, zwei, in aller Eile mit Bleistift geschriebene Zeilen, in denen sie mir sagt: der Fürst habe ihr bei der Tafel aufgetragen, mich zu avertiren, dass die Cabinets-Ordre so eben ausgefertigt sei, durch welche Curd vom Militär ins Civil versetzt, und als Jägermeister mit angemessener Gehaltserhöhung angestellt sei. Ich dachte, ich solle närrisch vor Freude werden. Gesprungen, gejauchzt habe ich! Stellen Sie sich doch nur die enorme Auszeichnung vor! Das wird wieder lange Gesichter anderwärts geben! Schade nur, dass Curd gerade auf den Einfall kam, einen Abstecher zu seiner Mutter zu machen, und nun nicht hier ist, dem Fürsten seine Danksagung zu Füssen zu legen. Er setzt mich dadurch in ganz ungeheure Verlegenheit. Was soll ich nun Rosalie antworten, da sie mir doch auf höchsten Befehl die erwiesene Gnade mitgeteilt, und ich folglich gegen sie nicht erwähnen darf, dass Curd ohne Urlaub verreiste? Noch ein grosses Glück, dass ich wenigstens den Vorschlag, Curd zu begleiten, ablehnte. Im Vertrauen, die brave Landdame soll unglaublich langweilig, und Ort und Haus sehr einfach sein, deshalb wollte ich meine Visite lieber zur gelegenern Zeit verschieben, wenn man einmal eine Partie mit recht vielen lustigen, jungen Leuten aufs Land machen, und sich um jeden Preis amusiren möchte. Diese kluge überlegung bringt mir den Vorteil, die Nachricht weit früher erfahren zu haben, um Ihnen, beste Mama! die Stafette, da es noch Zeit ist, Ihren Rat zu benutzen, nach Ulmenstein schicken zu können. Sagen Sie mir nun, bitte, recht genau, wie ich nach Mariental schreiben soll? Machen Sie mir lieber den Brief. Der Fürst verlangt sicher, ihn zu sehen. Er interessirt sich sehr für mich, und ich hätte den Tod davon, wenn ich irgend einen Fehler machte, und er bemerkte es.
Ich küsse Ihnen die Hand schon im Voraus, beste Mama! Ihre glückliche
Agate.
Antwort
Ich erwartete die endliche Erfüllung meiner wiederholten Bitten seit mehreren Tagen, mein Kind! Es ist mir sehr lieb, dass man nicht länger damit säumte. Ich lief Gefahr, compromittirt zu werden. Curd hatte viele Mitbewerber