z l i c h e n Aufschub seiner Heirat, mit vielen andern Nebenumständen zusammen, und sagen Sie selbst, ob der Verdacht, dass eine neue Liebe, eine heimliche Verbindung ihn von Elisen abziehe, wie diese ihn früher von Emma abzog, etwas Undenkbares sei?
Aber w o den Gegenstand dieser finstern, unseligen leidenschaft suchen? Ich verlor mich in Mutmassungen.
Jetzt, Sophie! ist der Graf seit zwei Tagen fort, mit Post abgereist, ohne vorhergegangene Anstalten, ohne hinterlassene Befehle, ohne irgend eine Massregel, die auf besonnenen Entschluss deutet, und – kaum getraue ich mir's zu denken, geschweige denn auszusprechen. Doch auffallend muss es sein, dass auch die Fremde in unserer Nachbarschaft mit einemmale verschwunden ist. Ich wage keine b e s t i m m t e Beziehung hier festzustellen, allein – wenn es wäre, wenn Alles verabredet, wenn die Intrigue vollkommen zu machen, der Schein der Gemütskrankheit eine Komödie wäre? – Liebe! ich überlasse Ihrem Scharfsinn das Uebrige.
Was meinen Sie aber, dass wir Elisen sagen? Ich wollte das an diesem Morgen mit Ihnen verabreden. Es war zu einer Stunde, in der ich Sie allein zu finden hoffen durfte, da unsere Freundin lange schläft, oder doch wenigstens das Bett erst spät verlässt. Es muss ihr auffallen, nichts von Hugo zu sehen und zu hören. Was können wir aber gescheuter Weise ersinnen, das ihr genügen würde? Das Herz ist in solchen Fällen klüger als der Kopf, wenn Verstand verstehen heisst. Ich fürchte, die arme ist nicht lange mehr zu täuschen!
Bestimmen Sie, liebe Sophie! über mich. Ich versichere Sie, wie immer, meines Gehorsams.
Antwort
Sie haben mir die Augen geöffnet! Das war es auch! O wagen Sie es, wagen Sie es dreist, da an eine Beziehung zu glauben, wo sie ein Blinder entdecken würde.
Sie wissen, ich bin von natur lebhafter, als ich gewöhnlich erscheine. Ich habe es gelernt, diese Lebhaftigkeit in dem Masse zu beherrschen, als ich der Gelassenheit bedurfte. Vielleicht macht mich das Erworbene zuversichtlicher, als ich es zu sein Ursache habe, vielleicht halte ich mich nur für gefasst und überlegt, weil mich Andere dafür halten. Ich weiss es nicht genau. Ich weiss daher auch nicht, ob mich leidenschaft oder klare Einsicht in diesem Augenblicke leitet? Aber das weiss ich, dass ich den Zusammenhang des unerhörtesten Betrugs ganz deutlich, ganz in seinen Einzelnheiten bedingt, schreiend wahr zu erkennen glaube, und es kaum begreife, wie erst jetzt die Bedeutung unzählig auffallender Umstände mir entging.
Ich erinnere Sie hier nur an das Eintreffen der Unbekannten in dieser Gegend, gerade, nachdem Hugo von einer mehrtägigen Abwesenheit zurückkehrte, von welcher Niemand den Zweck, noch die Veranlassung kannte. Dann, das stete, unerwartete Zusammentreffen jener mit dem Grafen, in Augenblicken, wo sie ihn mit Elisen beschäftigt wusste. Trat sie nicht den Abend an den Wagen der Ohnmächtigen, als diese in das Amtaus getragen ward? Sah man sie nicht in jener Nacht vor dem Fenster der Kranken umherschleichen und erlauschen, was im Zimmer vorging, während Rührung und überraschtes Mitgefühl Ihrem Neffen das neue, unbesonnene Gelübde entrissen? Trafen wir sie nicht Abends bei der Nachhausefahrt von Wehrheim, dicht vor dem Orte im Kahne? Und sah ich nicht, dass Hugo die Unruhe, die mich so unerklärbar befiel, in erhöhetem Masse teilte? Soll ich Ihnen nun noch sagen, dass die rätselhafte Verkappung und das Spukhafte in dem Betragen der Fremden nur dazu diente, Unberufene aus ihrer Nähe zu entfernen, ihr aber die Freiheit verschaffte, Nachts die Gegend zu durchstreifen, den Grafen auf seinen Jagdritten zu treffen, ja sich im Burgbezirk, im Schlossgarten, im Wildzwinger, a u f E m m a ' s B a n k unter ihren Lieblingen sehen zu lassen!
Ich schaudre, tritt mir Alles in seiner unleugbaren Wirklichkeit vor die Seele. Und nun fort! Und auch er!
Unglückliche Elise! so dreist, so sündhaft wurdest Du betrogen! Ja, was sagen wir ihr aber? was wir fürchten? Ich wage es nicht. Denn hege ich gleich keinen Zweifel über meinen Verdacht, so besitzen wir doch nicht hinreichende Beweise, um auf eine Mutmassung hin, ein Herz unbarmherzig zu zerreissen.
Wir müssen sie noch hinhalten. Ist es, wie ich mir's vorstelle, so kann es kein geheimnis bleiben. Wir sind dann vorbereitet, haben uns gesammelt, und können sie besser aufrecht halten, als jetzt, wo mein Blut kocht, und das Gefühl zwischen bitterer Empörung und heissem Schmerze hin- und hergetrieben wird.
W a c h s a m müssen wir bleiben. Keinen Augenblick darf sie ohne mich sein, denn es teilen auch Andere unsern Argwohn, und mehr als e i n e stimme s a g t , was wir noch zu denken zögern. Also für jetzt Behutsamkeit und Schweigen, lieber Freund!
Der Comtur an Sophie
Zu rechter Zeit, Liebste! haben Sie es in Zweifel gestellt, ob die angeborne Lebhaftigkeit Sie nicht dennoch öfter übereile, als Sie glauben. Ich meine, wir haben Beide rascher e m p f u n d e n , als das Rechte g e f u n d e n . Muss ich auch Sie, wie mich selbst daran erinnern, dass die Oberhofmeisterin um die Fremde wusste? dass diese mit ihr und dem Kloster in Verbindung