, das mich kalt durchrieselte, so oft ich an die entscheidende Minute dachte. Gestern Abend endlich versprach ich, mich in den nächsten Tagen ganz in der Stille trauen zu lassen. Ich schreibe hinüber nach dem Kloster. Ein Geistlicher von dort soll die Handlung verrichten, und zuvörderst das Aufgebot von der Kanzel lesen. Der Brief geht fort.
Unwohl, frierend, mit heissem Kopf und klopfender Brust rette ich mich, vor unnützen Nachgedanken ins Bett, unter verhüllende Decken. Nicht von einem Traume, nicht durch ein Geräusch, ich besinne mich keines Tones, keiner deutlichen Empfindung, genug aber, ich erwachte. Es lag mir wie ein Band um die Brust. Kaum kannte ich früher eine ähnliche Angst.
Lange in solchem Zustande auszuhalten, ist nicht meine Sache. Ich warf mich hin und her. Endlich sprang ich aus dem Bette, nahm meinen Mantel um, und trat ans Fenster. Es war eine schöne Nacht, heller Mondschein! Ein gang durch den Garten, sagte ich mir, wird die Nebel verjagen. In wenigen Augenblikken war ich an der Tür. Sie war verschlossen. Wieder umkehren, Jemand wecken, aufschliessen lassen, war mir zu umständlich. Am andern Ende des Coridors führt ein Fenster nach dem Wildzwinger! von da kommt man durch eine Allee in den Park. Der kürzeste Weg der beste! dachte ich, und bin im Begriff, jenes Fenster zu öffnen – da sitzt – Herr des himmels! ich denke in die Erde zu sinken – da sitzt eine verschleierte Frau auf Emma's Sitz in der Allee, Hirsche und Rehe stehen um sie, eine schneeweisse Hand reicht ihnen ihr Futter, die Tiere scheinen sie zu kennen, sie drücken sich dicht an sie. Ich stehe wie eingewurzelt, dann schlage ich das Fenster zu, und stürze zurück in mein Zimmer.
Es währte lange, ehe ich mich fassen konnte. nachher besann ich mich wohl. Es war die Nachtwandlerin, die ich gesehen hatte. Ich erinnerte mich ihrer genau. Aber was war damit gewonnen? Ist so etwas Zufall? Traf Alles nur von ungefähr zusammen? Nein, Heinrich! ich sage Dir, das war kein Ungefähr! Eine Warnung war es, dafür habe ich es auch genommen, und in aller Frühe einen Widerruf meines gestrigen Schreibens nach dem Kloster geschickt.
Was ich dem Comtur, was ich Elisen sagen soll? Ich weiss es nicht. Aber es wird mir schon beifallen, wenn ich nur erst wieder zu mir selbst komme. Ein Ritt im Freien mag das bewirken. Ich will doch sehen, ob nichts von der Kranken zu entdecken ist. – – – – Sie ist fort! Abgereist! Diesen Morgen. Das Haus ist leer, keine lebende Seele darin. Warum das? Wie so plötzlich! Wenn es doch ein Spuk wäre! wenn sie es gar nicht war! Ich glaube, sie hat mich angesteckt, und ich verliere auch den Verstand.
Unbegreiflich! unbegreiflich! Die Gegend ist mir wie ausgestorben. Wohin sie nur gegangen sein mag?
Curd an seine Mutter
Nicht wahr, das blieb das Klügste, was ich tun konnte. Was hilft das unnütze Bestehen auf einer Sache, die doch nun vorbei sein musste. Es ist mir nahe gegangen, das leugne ich nicht, aber einmal mit mir fertig, kostet es mich nun auch keine unruhige Minute mehr.
geben Sie sich nun immer auch darein, gute Mutter! Was geschehen ist, das ist geschehen. Verheiratet bin ich einmal. Agate ist Ihre Schwiegertochter, und kann sie uns freilich Elise nicht vergessen machen, so ist sie doch eine hübsche, elegante person, zieht sich allerliebst an, tanzt, wie eine Puppe, und ist so wohlerzogen, dass sie es gewiss niemals an Aufmerksamkeit gegen Sie wird fehlen lassen. Bis jetzt kann ich nur meinen Entschluss loben. Wir werden überall mit der ausgezeichnetesten Zuvorkommenheit empfangen, der Platz, den die Gräfin in der Gesellschaft einnimmt, gibt ihrer Tochter, wie mir, die angenehmste Stellung. Von der Seite muss ich gestehen, habe ich Vorteil von dem Tausch bei meiner Wahl gehabt, denn, wie man sich auch bemüht, aus achtung für den Comtur, das Urteil über unsere Verwandtin zu mildern, so wird sie doch nie wieder eine Rolle in den ersten Zirkeln spielen. Es ist zum Erstaunen, wie man gegen sie eingenommen ist. Jetzt, da man mich weniger empfindlich dagegen glaubt, äussert man seinen Tadel unverholen, und ich habe gelegenheit, zu bemerken, dass es einem Mann von feinem Takt äusserst verletzend gewesen sein müsste, sie so vernachlässigt und isolirt unter Leuten von Ton zu sehen. Sie werden finden, dass ich meine Hochzeit sehr beschleunigt habe. Ja, liebe Mutter! die reine Wahrheit zu sagen, so lag mir daran, eher verheiratet zu sein, als Elise. Es ging damals das Gerücht, man eile sich auf der Burg mit den Anstalten zum Empfange der neuen Gräfin. Mir stieg das Blut bei der Nachricht ins Gesicht. Ich mochte nicht aufsehen, und als Agate mich auslachte, mich mit meiner Cousine neckte, wusste ich auf meine Ehre nicht ein Wort hervorzubringen. Halt! dachte ich, nun ist es Zeit! Ich muss mich vor ähnlichen Ueberraschungen sicher stellen. Acht Tage darauf stand ich mit meiner Braut vor dem Altar. Ein Mensch von Willenskraft nimmt bei jeder gelegenheit seine Partie. Elise soll doch frappirt gewesen sein, als sie es hörte. Um