ihre Entfernung aus Italien; die Gräfin wusste auch davon, und gab zu verstehen, eine aufgelöste Heirat aus Familienrücksichten, Hof-Intriguen, Vergiftung, und Gott weiss, welches romanhafte Quodlibet, habe sie um den Verstand gebracht. Ihrer Aehnlichkeit mit der Fürstin von *** schreibt man es zu, dass sie stets verschleiert umhergeht.
Ich möchte sie wohl einmal sehen.
Ich meine, ich habe Ihnen genug zu Dank geschrieben, dass Sie den ganzen Tag in Geschäften mit Gerichtshalter und Amtleuten zubringen wollen, ohne einen Augenblick für Ihre ungeduldige Freundin abmüssigen zu können.
Wüsste ich es nur über mich zu gewinnen, ich hätte auch schweigen, und Sie mit Ihren Acten in so trockner Unterhaltung lassen sollen, wie Sie es gestern für gut fanden, uns solche kosten zu lassen.
Nein, Hugo! einsilbiger habe ich Sie lange nicht gesehen. Ums Himmelswillen, macht diese unglückliche Rechtspflege alle Männer hölzern und eingebildet auf ihre Wichtigkeit? Sie zogen auch die Stirne kraus und sahen auf einen Fleck, rechneten und balancirten das Für und Wider mit kaltem Ernst, wie gewisse andere Leute, die ich nicht gegen Sie, am wenigsten im Schlimmen erwähnen will. Aber Lieber, sein Sie weniger respectabel und ein Bischen liebenswürdiger.
Antwort
Ich sollte Ihnen danken, Elise! bereuen und Aenderung geloben. Das kann ich Alles nicht. Im Gegenteil muss ich Sie schelten, dass Sie mich k e n n e n und doch so beobachten, als wäre an mir etwas anders als unwillkührlich.
Haben Sie ja Nachsicht mit mir, und vor allem lassen Sie sich nicht auf vieles erklären und Motiviren ein. Sie verderben nur Ihre Zeit; denn wahrhaftig, es würde mir schwer werden, mich immer selbst zu verstehen.
Machen Sie auch den Geschäften nicht den Krieg. Geschäfte sind ein guter Ableiter in den Gewittertagen der Seele. Und in wessen Leben finden sich solche Tage nicht?
Ich denke, der Humor wird bei dem heutigen Gerichtstage nicht erst lange um Stoff betteln müssen. Will's Gott und der witzige Kauz, der Actuarius, so bringe ich Ihnen heute Abend eine freie Stirn, und einen ganzen Sack voll Anekdoten mit.
Die Oberhofmeisterin an Sophie
Wie soll ich Sie nennen? unbesonnen? Das Wort passt niemals auf Sie. Treulos? Ich kenne Sie so lange als wahr und zuverlässig. Betört also? Betört auf unbegreifliche Weise.
War es möglich? Bei Ihnen fand sich das Pärchen zusammen? Unter Ihrem Schutz glich sich alles so glatt und eben aus, als habe die Torheit nur die Hand der Weisheit bedurft, um ihr gleich zu werden!
Sophie, dazu haben Sie J a gesagt? So wenig ehrten Sie in der Freundin die tödtlich gekränkte Mutter? Haben Sie denn kein menschliches Ahndungsvermögen? fiel es Ihnen nicht auf tausend Meilen ein, wie es mir in der Seele zuwider sein musste, diese verführerische Schlange mit Hugo verheiratet zu sehen. Sie mit dem Namen nennen zu hören, den Emma, die Unglückliche, Gemarterte, mir und der Welt Entrissene, trug? Haben Sie gar keine Vorstellung von der Eifersucht einer Mutter für die Rechte der einzigen, angebeteten Tochter? Ist es Ihnen wirklich unmöglich, die bittere Kränkung zu bezweifeln, die mir aus dieser unwürdigen Heirat erwächst?
O fragen Sie nicht mit der verwunderten Ruhe, die mich zu zeiten, Ihnen gegenüber, um alle Fassung bringt, ob ich denn gewollt, dass der Graf nie wieder an eine zweite Ehe denken sollte? Ja, ja, ich habe das gewollt! Ich will es noch! W e m darf e r seine Hand bieten, wenn ihn das sanfte Joch an Emma's Seite drückte? Wem? i c h f r a g e S i e . Und wenn auch das nicht wäre, sagen Sie einmal, kann er diese Unruhestifterin, diese Störerin seines Familienfriedens, diese doppelte –! O lassen Sie mich wegwenden von dem Gedanken, dass s i e es ist, die er in sein ehrbares Stammhaus führt, die ihr entweihtes Wappen an den Schild hängen darf, der sich mit dem meinigen verschlang; dass sie da gehen, stehen, sitzen wird, wo Emma sass; dass ihre stimme frei und keck erschallen wird, wo jene demütig und leise ihr bescheidenes Wort aussprach, dass sie – o mein Gott! da l a c h e n wird, wo mein armes Kind so viel, so heiss weinte!
Gehen Sie, Sophie! Ihre Klugheit ist dem flachen Spiel empfindsamer Modetändelei erlegen. Während Sie sündliche Tränen trocknen helfen, pressen Sie meinen brennenden Augen gerechte und allzu bittre aus.
Ich wusste nicht, sollte ich die Leute Lügen strafen, die mir die geschichte dieser Komödien-Versöhnung erzählten! Ein falsches Gerücht nannte ich sie, doch glauben, das war mir nicht möglich, g l a u b e n konnte ich sie nicht.
Nun bestätigen Sie es selbst, und verlangen, i c h soll es gut heissen. Verblendete! mit Ihnen ist nicht zu streiten. Aber der Himmel, d a s w e i ss i c h , der Himmel wird Euch die Augen öffnen. Das duldet er nicht, wie auch Wahn und Ueberspannung seine Absicht missverstehe. Und sollte, und dürfte ich auch nicht –! Nein! verlassen Sie sich darauf, das wird niemals geschehen!
Hugo an Heinrich
Du bist ein guter Mensch, Heinrich! aber Du hast das Unglück, selten zu wissen, wie Andern zu Mut