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über die sonderbare Fremde, die ihn wenig zu interessiren scheint, und uns so unbequem ist. Ich schelte mich deshalb. Allein, wenn ich von mir auf Elise schliessen darf, so verbergen wir dieser wohl klüglich unser kleines Nachtabenteuer.

Hugo an Elise

Ich schicke Ihnen, Liebste! in aller Frühe einen kleinen, grünen Papagay, der mir diesen Morgen zum Kauf angeboten ward. Es reise ein Mann mit fremden Tieren hier vorbei, sagte mir der kleine, braune Knabe, in gebrochenem Italienisch, welcher den Vogel herauf brachte. Es war ein hübsches Bild, das gewandte, fremd gekleidete Kind mit dem bunten Papagay auf der Hand, beide wechselsweise schwatzend, sich küssend und einander liebkosende Grüsse zurufend. Wir wurden bald Handels eins. Ich hatte gezahlt, jener ging, der Vogel sass auf seiner Stange, sah umher, drehte sich hin und wieder und rief mit einemmale hell und deutlich G e o r g . Ist der Zufall nicht artig, dass, aller Wahrscheinlichkeit nach, der Knabe so heisst? dass ihn das verlassene Tier so ruft, und dass ich meiner Freundin so das Echo eines geliebten Namens zu vertrauter Unterhaltung bieten darf?

Hier, Elise, sprechen Sie dem niedlichen Plaudrer immer vor, was er sagen soll, und was Niemand sonst zu wissen braucht. Schwatzt er auch, so v e r r ä t h er doch nur halb das Geheimgehaltene. Guten Morgen! Guten Morgen, Liebe!

Antwort

O, weg mit dem ungefähr! weg, mit der Fabel vom braunen Knaben! Niemand als Sie kann so zart fühlen, kein Zufall kann mich so in meinem inneren finden! den Namen lehrte das Tier kein Wärter, nicht das Bedürfniss nach Futter. Er nennt ihn so weich, so sehnsuchtsvoll. O, d e n hat ihn die mitempfindende Liebe gelehrt.

Mein bester Hugo, wie rührt mich dies Geschenk!

O bitte, verstecken Sie sich doch nicht hinter das schlecht ersonnene Mährchen, und lassen Sie das vom Himmel gekommene Feenkind weg, das solche Zauberkünste mit dem Enträtseln geheimer Wünsche treibt! Ich kenne wohl einen Zauberer, der t i e f , t i e f in meiner Seele liest, doch, a u ss e r i h m Niemand, der kleine, welsche Elfe weiss nichts von mir.

Hugo durch den rückkehrenden Boten

Ich versichere Sie, ich sagte Ihnen die Wahrheit. Ich ersinne nichts, um nachher aus meinem Verstand hervorzutreten. Gewiss, es ist, wie ich Ihnen schrieb.

Nehmen Sie es einfach, Liebe! und freuen Sie sich, dass uns jetzt überall das Angenehme auf halbem Wege entgegenkommt.

In einer Stunde bin ich bei Ihnen, Sie werden nicht länger meine Worte bezweifeln, wenn Sie mir in die Augen sehen, die Sie nie täuschen konnten.

Die Tante an Elise

Ich antworte Dir gleich, liebes Kind! damit Du nicht glaubst, ich wolle Böses mit Bösem vergelten, denn das ist wahr, betrübter bin ich lange nicht gewesen, wie den Tag vor Deiner heimlichen Abreise, und hernach, wie Dein Brief kam. Man sorgt und quält sich das halbe Leben für seine Kinder, und Glück und Frieden schafft kein Mensch. Der arme Curd! Ich dachte es nun gewiss, und sage, was Du willst, es wäre am Ende doch wohl geschehen, denn es ist schwer, seinen Bitten zu widerstehen. Ach, ich weiss das ja am Besten! Er kann so niedliche Augen machen, gerade so, als er noch klein war, und mir was abbettelte. Wenn er Dich so ansah, Elischen! Du lächeltest auch, und warst ihm auch gut! der arme Junge! Ich kann nicht ohne Tränen an ihn denken.

Aber das könnten wir am Ende noch verschmerzen, wenn es nur der Mühe wert wäre. Nein! Ich kann mir es nicht möglich denken, dass Du den Mann heiraten wirst, um dessentwillen Du Dich mit dem achtungswerten Präsidenten entzweitest, mit d e m Mann, der nichts als Kummer und Schimpf über Dich und Deine Familie verhängte, der Dich von Haus und Hof verjagt, und Deinen allerliebsten Georg um die Mutter gebracht hat, und der nachher gar nicht tat, als wärest Du in der Welt, bis Du Alles, Alles vergisst, und gerade dahin gehst, wo Du gewiss sein konntest, ihn zu treffen.

Siehst Du, ich hätte das nicht tun können, um alle Schätze der Erde nicht. Niemals würde ich's mir vergeben haben, den kalten Menschen sehen zu lassen, wie viel mir an ihm liege! Lieber sterben, als mein Herz so wegwerfen!

Nun, Du wärest ja doch beinahe darüber gestorben. Da, freilich, wie es denn so weit kam, da schlug ihn wohl das Gewissen, und er bot Dir seine Hand.

Ich weiss Alles durch Curd, der immer in Deiner Nähe blieb, wie Du so elend warst, und hernach auch noch. Er kennt den Förster aus dem Orte. Bei dem hatte er sich Tag und Nacht einquartirt, ohne dass es ein Mensch wusste. Der redliche Junge! so wie der Dich liebt, Elischen! so liebt Dich doch kein Anderer. Das kannst Du gewiss glauben, und ich will wünschen, dass Du Deine unbesonnene Flucht aus meinem stillen haus einmal bereuen mögest. Denn sage mal aufrichtig, Kind, was kann Dir nun eigentlich alles das helfen? Es ist schon gar zu viel Wind über Eure Liebe hingegangen