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sandte, glänzte stattlich auf seiner Brust. Emma war wie geblendet. Es durchzuckte sie feurige Ueberraschung. Sie hatte nun kein Kopfweh mehr. Leuchtend vor Bewunderung, reichte sie ihm die Hand. Alle Unbequemlichkeit des lästigen Putzes ist vergessen. Sie sieht nichts als ihn in der Welt. Undankbare! – musste dich leidenschaft so zur Sclavin machen! Warum auch leidenschaft, wo ruhige Neigung genügt, und dir die eigene Selbstständigkeit bewahrt hätte! –

Sie sehen, ich zögere in den Wagen zu steigen, die letzten Schritte zu tun, die der kurze Raum zwischen j e t z t und k ü n f t i g durchmessen soll. Alle warten, selbst die Fürstin! Ich halte Alle auf! O! könnte ich die Zeit aufhalten!

Elise an Sophie

Sie antworten mir nicht. Sie schweigen wie eine plötzlich Stummgewordene. Warum das? Ich sehe keinen Grund, warum Sie über die älteren Freunde, jüngere vergessen!

Mir ist diese Ungleichheit fremd an Ihnen! Beschäftigt Sie die Hochzeit der Gräfin Emma so sehr? Lassen Sie das gute Kind ihr los erfüllen, sie wird früh genug Maiblumen und Veilchen gegen das Heu getrockneter Herbstblüten vertauschen müssen.

Ihr seid dort alle sehr eilig, die Sache abzumachen, und die jungen Leute aus dem Paradiese des Frühlings hinauszustossen.

Ist es die unruhige Mutter, die so das Kind von ihrem Herzen wegschleudert? weiss sie auch, wohin es fällt?

Ich ward in diesen Tagen, auch ohne Sie, durch eine angenehme Bekanntschaft, in den Abendzirkeln der Gräfin, von der vollzogenen Heirat jenes besprochenen Paares unterrichtet.

Ich weiss nicht, ob der Mund, der es sagte, oder das Ereigniss an sich, meine Teilnahme erregte? genug, ich denke unwillkührlich öfter daran, als es die allergewöhnlichste Begebenheit im Leben verdient.

Die halbe Stadt war wieder draussen in Ulmenstein. Es ward geschwatzt, wie man immer schwatzt. Vernünftiges und Unsinn. Auch über Musik! Der ewige Streit, neue und alte Componisten betreffend, kam wieder auf's Tapet. Sie wissen, ich habe keinen Ton, und auch das Gehör öffnet sich mir nur in dem Echo der Seele. Urteil, wie man es nennt, darf ich mir nicht anmassen wollen. Ich hüte mich auch davor. Doch liess man nicht ab, in mich hinein zu reden. Beide Parteien zeigten sich einseitig. Ich bekannte zuletzt, dass ich von N a t u r , den k ü n s t l e r i s c h könne ich es nicht motiviren, mehr zu den vollen, erhabenen Meisterwerken der frühern Schule neige, und lieber in Entzücken erbebe, als mich durch Anmut und Tändeleien verstrickt zu sehen. Doch anerkennen müsse ich das Liebliche, wo es sich zeige.

"Vortrefflich!" rief die Gräfin, indem sie beifällig in die hände klatschte, "das nenne ich, sich auf die charmanteste Weise von der Welt aus der Affaire ziehen. So stimmen Sie niemanden bei, beleidigen keine Meinung, wollen hier ein Bischen ab, dort ein Bischen zugetan haben, und bringen ungefähr den ganzen Streit auf Nichts heraus. Allerliebst! das sieht Ihnen ganz ähnlich!" Ich fühlte, dass man mich so missverstehen konnte. Ich hatte es anders gemeint. erklären mochte ich mich darüber weiter nicht. Es wäre auch überflüssig gewesen. Wer mich nicht errät, dem kann ich einmal nicht helfen. Entwickeln mag ich nichts. Das kommt confus heraus. Ich war sehr einfältig in meiner Ueberklugheit gewesen. Das machte mich verdrüsslich und einsam in dem Gewirr.

Die Fräuleins sollten jetzt ein Duett aus einer unserer neuen Opern singen. Man zog sie zu dem Fortepiano. Die Flügeltüren des Saales standen nach der Terrasse hin offen. Ich blieb mit Mehreren, welche die Zimmerhitze scheuten, im Freien.

Im Hin- und Hergehen sahen wir eine sehr glänzende Equipage die Anhöhe heraufkommen. Die Pracht der Livree, wie des Geschirrs der Pferde, erhielt noch dadurch etwas Auffallendes, dass Schnitt und Formen veraltet waren, wie frisch und neu auch der Stoff selbst war. Der Wagen, dessen helle Spiegelfenster schon von fern in der Abendsonne leuchteten, ebenfalls mit aufwärts stehenden Zierraten in reicher Vergoldung eingefasst, erinnerte an fürstliche Staatskutschen aus früherer Zeit.

"Wer in aller Welt," lachte Curd, "sitzt in dem verruchten alten Kasten! Schade um die prächtigen Pferde, die solche Last ziehen müssen!"

Jetzt nahete und hielt das seltsame Prachtwerk. Ein Piqueur sprengte in den Hof.

"Cousine!" flüsterte Curd mir ins Ohr, "das ist gewiss ein Abgesandter irgend eines grossen Potentaten, der von der Schönheit der beiden Töchter des Hauses gehört hat, und um Eine wenigstens werben soll! Gott!" rief er, sich vor Vergnügen die hände reibend, "wenn wir doch das der Gräfin einbilden könnten!"

Ehe ich noch Zeit behielt, ein Wort hierauf zu erwiedern, hörte ich unsere leichtbewegliche Wirtin schon innerhalb ausrufen: "Wo denn? Wo denn?" Im Augenblick darauf stand sie neben mir auf der Terrasse. Sie sah neugierig nach der Strasse hinunter. Die Hand schirmend gegen die Augen haltend, welche die scharfen Strahlen der Abendsonne blendeten, sagte sie überrascht und enttäuscht zugleich: "Mein Gott! der Comtur, und in grosser Galla! Er kommt wohl, mir den neuen Majoratsherrn zu präsentiren."

Die Reihe des neugierigen Herzueilens kam nun an mehrere Andere aus der Gesellschaft. Auch an mich, ich leugne