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Sie kann nicht allein darin bestehen. I c h hätte sie wahrhaftig mit Anstand wieder hineingeführt. Es gibt gewisse Beschwörungsworte, die die Menschen erstaunt respektiren, und die Urteile und Meinungen ganz merkwürdig im Zaume halten. Nun geht die alte geschichte wieder los, das ist klar, und wer wird sie denn öffentlich vertreten? wem gibt sie ein Recht dazu? Ganz und gar lächerlich kann man sich doch auch nicht machen, und als ihr Peladin auftreten, und eine Lanze für sie brechen. Sie würde es Einem noch dazu schlecht danken, und sich einbilden, es verdürbe ihren Handel mit dem Grafen.

Ja der! – Nun, ich habe den vornehmtuenden, abweisenden, unzusammenhängenden, kalten Menschen nie leiden können, und führt uns der Zufall einmal an einander, ich würde es ihm beweisen, was ein ordentlicher, vernünftiger Hass und ein tüchtiger Kerl ist.

Letztin begegnete ich ihm auf der Strasse. Er grüsste flüchtig. Ich dankte eben so. Als ich eine Strecke an ihm vorüber war, drehte ich mich um. Ich wollte sehen, wohin er hier, wo ihn kein Mensch leiden kann, seinen Weg nehmen würde. Er war stehen geblieben. Ein beissender Zug spielte ihm um den Mund, da er meinem blick begegnete. Ich hatte Lust, gleich auf ihn zuzufahren und ihn zur Rede zu stellen. Aber was wäre daraus geworden? Nichts! in der Welt Gottes Nichts! Er hätte halb freundlich, halb verwundert gelächelt, getan, als wäre ich ihm nicht auf tausend Meilen in die Gedanken gekommen, er würde das höflich und gelassen erklärt, und mich, wie einen tölpischen, rohen Burschen vor mir selbst rot gemacht haben. Er vermeidet gern aufsehen, und hat es eigentlich Elisen niemals vergeben, dass sie den Lärm veranlasste. Wenn es ihm nach ginge, so stände noch Alles wie es stand, der Roman spielte sich langsam fort. Während er seine Verpflichtungen gegen die Eine auf leichte Achseln nahm, legte er sich keine neuen für die Andere auf. Er hat sich verrechnet, und darum sieht er jetzt aus, wie ein Halbgott incognito. Die schlechte Laune und das stumme, verdriessliche Wesen, das legt er wie altes, graues Civilzeug auf. Innerlich kitzelt er sich mit dem Gedanken, dass die Welt nicht im stand ist, den g r o ss e n M a n n in ihm zu erkennen. Das Stück hat schon gar zu oft gespielt, damit macht er Keinen dumm.

Ich breche hier ab, liebe Mutter! ohne den Brief zu schliessen. Mir liegt eigentlich erschrecklich viel auf dem Herzen. Ich schreibe gern Alles gleich frisch weg herunter. Aber die Gräfin Ulmenstein schickt nach mir, mit der dringenden Bitte, eilig zu ihr zu kommen. Was kann die wollen? – – – – Da haben wir's! ich dachte es gleich! Es war wegen Elisen. Die alte, boshafte Elster musste ja auf der Stelle ausschwatzen, was ihr zu Ohren gekommen war. – Verwünscht! wie sie das einkleidet! so teilnehmend, so entschuldigend, so natürlich! Und dabei lügt sie wie gedruckt. Schon lange war sie davon unterrichtet, dass Elise ihren bisherigen Aufentalt verlassen hatte. Schon lange? Dumme Lüge! Erst vor ein Paar Stunden kam die Post hier an. Freilich, was zwischen dem Tage der Abreise und heute liegt, das mögen ihre Zuträger wohl bald genug ausgekundschaftet haben. Und d a s eben, w a s dazwischen liegt, das ist zum toll werden!

"Da sind Sie ja!" rief mir die Gräfin entgegen. Man sah es ihr an, sie hatte auf Kohlen gesessen, bis ich wirklich da war, und sie ihr Mütchen kühlen konnte.

"Ich glaubte schon," fuhr sie sogleich fort, Sie wären bei Ihrer armen Cousine." "Bei meiner armen Cousine?" fragte ich halb ärgerlich, halb erschrocken, da ich nicht wusste, ob ich das Beiwort auf vergangenes oder neues Unglück beziehen sollte.

"Ja, wahrhaftig!" entgegnete sie, indem alle Züge ihres Gesichts herunter hingen, und die stimme fiel. "Sein Sie versichert, dass ich den innigsten Anteil nehme."

"Gnädige Frau!" sagte ich jetzt, kaum meiner Ungeduld Herr, "ich verstehe nicht ein Wort von dem, was Ihre Güte mir wahrscheinlich nur verbergen will."

Mutter und Tochter sahen einander hier mit bedeutendem blick und mitleidigem Lächeln an.

"Gott! er weiss es nicht!" bedauerte die Letztere.

"Nein! nein!" fuhr ich rasch dazwischen. "Auf Ehre! ich weiss nichts. Was ist denn Neues vorgefallen?"

"Sie wissen es nicht?" dehnte die Mutter ihre Frage, als besinne sie sich eines Bessern. "Nun, dann ist es auch nicht so arg," setzte sie, wie ermuntert und getröstet, hinzu. "Ich habe einen tödtlichen Schreck gehabt, man sagte mir, die kleine, allerliebste Frau sei wahnsinnig geworden, in diesem Zustande zu Fuss hierher gekommen, zu dem Sachwalter des Präsidenten eingedrungen, habe von ihm die Revocation des Scheidungsprozesses gefordert, und erklärt, sie wolle nicht geschieden sein, und werde deshalb ihrem mann folgen, wo er sich auch befinde."

Ich unterbrach hier die Gräfin durch lautes lachen. Diese Fabel kam mir doch zu kindisch vor.

Sie machte ein empfindliches Gesicht. "Nun!" meinte sie, "l ä