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Nun, Schmerz und Verzweiflung waren die Pförtner zu diesem Asyl! Möge sanfter Trost Ihr Begleiter darin bleiben!
Sie erwarten das wohl gewiss. Weshalb aber, wenn ich fragen darf, nennen Sie denn B u ss e und O p f e r , was eher L o h n d e s 7 S i e g e s und F r u c h t h ö h e r e n G e n u s s e s heissen sollte?
Ich denke, wenn dies anders in meiner Macht steht, mir Ihren Zustand, wie den eines Menschen, der auf der grossen Heerstrasse von Räubern angefallen, geplündert ward, diesen entflieht, einen verborgenen Pfad entdeckt, ihm folgt, ein heimlich, stilles Tal erreicht, erschöpft auf seine Kniee sinkt, und zum erstenmal aus tiefer Brust ruhig aufatmet: "H i e r ist Sicherheit!" Mit gehobener, dankerfüllter Seele seufzt er dann: "H i e r will ich leben und sterben!"
E r s c h r i c k t er vielleicht dennoch, nachdem er das rasche Wort gesprochen! Bedenkt er, dass das Leben lang, das Sterben fern sein könne! Treten die Bilder teurer Verlassenen, die Erinnerungen alles dessen, was dunkle Talwände, starre Felsen, dichte Waldungen ihm verdecken, vor das innere Auge, und empfindet er das lastende Gewicht voreiliger Entschliessung! was macht er länger hier? Was bürdet er sich im eitlen Selbstgefühl das willkührliche Opfer auf? da er wohl nur nicht stark genug ist, das über ihn Verhängte, der Armut und Entbehrung, nach dem Verlust seiner liebsten Güter, zu ertragen? Denkt er diese Schwäche d a , wo ihn nichts d e m ü t h i g t , Sie fürchten, mein junger, gewissenhafter Freund! E i n e n O r d e n wollen Sie auf d e r Stelle stifz e n d gedenken Sie unerfahrne Jünglinge vor den Täuschungen zu bewahren, denen Sie fast erlegen wären?
Wie sind Sie denn aber eigentlich getäuscht worden? Was haben Sie verloren, wenn Sie nichts besitzen k o n n t e n ?
Mich dünkt, eine schöne, menschliche Liebe heilige uns die Menschheit aufs Neue, und d i e Welt, zu welcher das teuerste Wesen in unzerreissbaren Beziehungen stand, müsse uns teuer bleiben. Sollte man eine Ewigkeit in der Brust tragen können, und überall n u r d a s E n d l i c h e e m p f i n d e n ? Ich würde für die geträumte Ewigkeit zittern, oder viel für das Endliche hoffen müssen.
Ich erinnere mich eines Ihrer Briefe an Tavanelli, Sie ermunterten ihn zur Tat, zur Rückkehr unter die Menschen, zur Teilnahme an ihrem geschichtlichen Fortleben, und verhiessen ihm hier zuerst Heilung und Ruhe. Damals hegten Sie eine andere überzeugung. Prüfen Sie doch wenigstens die jetzige. Ich möchte noch aus der eigenen Erfahrung erwähnen, d a s nämlich alles Bittere, was u n s trifft, ungewöhnlich, und wir uns selbst leicht besonders erscheinen. So wird ein Ereigniss zum Wunder der Leidende zum Märtirer, seine Bestimmung, B e r u f d e r A u s e r w ä h l t e n , und was er tut und sagt, u n m i t t e l b a r e E i n g e b u n g . Ich habe eine schöne Seele so auf einem argen Irrwege lassen müssen. Das Schlimmste ist, dass man dabei nicht allein irrt, sondern viel, viel Treffliche in sich entzweit. Mein geehrter Herr Baron! ich bin nicht über meine grenzen hinausgegangen, wenn Ihr Herz mich nicht verkannte. Möge es uns zu fernerer Verständigung dienen, dass ich das Ihrige immer zu verstehen streben werde.
Curd an seine Mutter
Nein, sagen Sie doch ums Himmelswillen, a u f und d a v o n ! Auf Ehre fort! Es ist um zu verzweifeln!
Aber nehmen Sie mir's nicht übel, liebe Mutter! ein Bischen ist das Ihre Schuld. Wie zum Tausend wäre sie denn auf den Einfall gekommen, wenn Sie, statt ihr da viel Vorstellungen zu machen, die sie nur erbitterten, gar nichts von mir sagten, die Sache gehen liessen, und durch allerlei kleine Hemmungen und Hindernisse ihr den Gedanken an Entfernung und Reise verleideten. Eine Frau ist wie ein Pferd, voll Eigensinn und stätisch, wenn man auf brutale Weise ihrem Willen entgegen tritt, sie lenken will, und sie es merkt. Aber l a n g w e i l e n , l a n g w e i l e n , durch ewige Wiederholungen ermüden, und dann, so wie von ungefähr, einen Zügel über den Kopf geworfen, dann sind sie schon im halben Traum, dann führt man sie zu dem entscheidenden Punkte heran. Ich war, ich versichere Sie, auf gutem Wege. Ich sagte ihr immer dasselbe, zuletzt hätte sie sich an die Worte gewöhnt, die ihr anfangs sehr dreist und lächerlich vorkamen. Das Zweitemal klingt so etwas schon besser, und in der Einsamkeit, wo kein Anderer spricht –! Nun, Eitelkeit bleibt Eitelkeit, und wer ihr schmeichelt, behält doch am Ende recht!
Soll ichs Ihnen aufrichtig gestehen, so ist es mir um Elise noch mehr leid, als um mich selber, dass sie sich wieder in die Welt wagt.