, händeringend sinkt sie in die Kniee, dicke Staubwirbel, und Georgs Klagen, ziehen vor ihr her, sonst ist es Nacht um sie. Sie sieht nichts mehr! –
In diesem Zustande trifft sie der Graf, welcher auf Ihr Geheiss, mein fräulein! nach der Stadt eilte.
Sie erkannte ihn nicht. Seine Verzweiflung, wie mir der Amtmann sagte, war unbeschreiblich. Er trug die Ohnmächtige in den Wagen, und während seine Leute mich zu holen eilten, begleitete er jene nach dem Amtof.
Ich kam in der Nacht hier an. Ich fand bedenkliche Anzeichen, und darf es nicht verschweigen, dass die natur wohl einen harten Kampf vorbereitet. Der Graf sitzt stumm an dem Bette der Kranken. Er fragt nicht, er äussert nicht Angst noch sorge. Doch wird die Falte zwischen seinen Augen immer tiefer, sein blick immer finsterer, das Gesicht starrer, der Schmerz hat all das Fürchterliche bei ihm, was Diejenigen ihm geben, die ihn auf Kosten ihrer Existenz in sich erdrücken, und Gewalt gegen Gewalt anrücken lassen.
Hier im haus herrscht die grösste Bestürzung. Der Umstand, dass die Symptome der Krankheit sich ungefähr wie bei der verstorbenen Amtmannsfrau äussern, ruft alle schmerzliche Erinnerungen in die Herzen der Umstehenden zurück. Man gibt in der Regel der einmal gemachten Erfahrung bei ähnlicher Veranlassung unumschränkte Gewalt über die Gefühle. Niemand glaubt deshalb an Rettung, Alle beweinen die Kranke schon wie eine tote, man hat dies kein Hehl, und selbst die ruhige, gelassene Madame Lindhof, durch so viele widrige Ereignisse nicht gleich so furchtsam, kann sich dennoch zu keiner Hoffnung erheben.
Diese lähmende Trostlosigkeit ist indess für Pflege und Aufsicht nachteilig. Ich wage daher, Sie, mein fräulein! hieherzurufen, und hoffe um so mehr auf Sie, als ich nur kluger Umsicht und gefasstem Gemüt fernere Verhaltungsregeln anvertrauen kann, von deren Beobachtung während meiner unaufschieblichen Rückkehr nach der Stadt, sehr viel abhängt.
Unheimlich ist es, und ich leugne nicht, auch für Stärkere möchte es peinlich sein, dass die Fremde, welche hier eingezogen ist, und die bei den Leuten unter dem Namen: d a s g r a u e N ö n n c h e n , (der Farbe ihrer Kleidung wegen) bekannt ist, gerade bei der Ankunft der Kranken ihren nächtlichen Umgang hielt, und bei dem Wagen stehen blieb, als dieser vor dem hof einen Augenblick hielt, bis die Torflügel geöffnet waren. Selbst der Graf soll zusammengezuckt und ängstlich gestöhnt haben. Einige wollen deshalb gar nicht zugeben, dass es die Fremde gewesen sei; sie halten die Gestalt für den Geist der verstorbenen Amtmännin, und vermehren dadurch nur die dumpfe Bestürzung.
Alles dies, mein bestes fräulein! möge Ihre Ankunft beschleunigen. Ich erwarte Sie in wenigen Stunden.
Der Geistliche an Leontin
Das Vertrauen eines Menschen ist ein unschätzbares Gut. Er gibt sich uns in diesem überströmenden Augenblicke s e l b s t . Das will v i e l sagen. Solch Geschenk kann nicht bescheiden, nicht berücksichtigend genug angenommen werden.
Aus diesem grund allein, mein würdiger und verehrter Herr Baron! liess ich Ihren schönen, rührenden Brief bis heute unbeantwortet. Wäre ich unmittelbar meinem Herzen gefolgt, ich hätte Ihnen gleich gesagt, was dieses durch und durch erschütterte. Wäre ich späterhin meinem kopf gefolgt, ich hätte m e h r und a n d e r e s gesagt, und doch wohl nicht das Rechte.
Heute will ich nun nichts, als Ihnen danken, Sie um Vergebung bitten, und mich bei Ihnen entschuldigen, dass ich lieber schweigen, als zur unrechten Zeit reden mochte. Der Grund meiner grösseren Zaghaftigkeit lag wohl hauptsächlich darin, dass ich vor nicht allzu geraumer Zeit erst von der Nutzlosigkeit w a r n e n d e r Worte eine traurige Erfahrung machen musste. Wo das Gefühl vorwaltet, verletzt jeder laut, der diesem Gefühl Einhalt tut. Es ist gewiss nichts schwerer, als hier den rechten Ton zu treffen.
Eine Aeusserung Ihres geehrten Schreibens getraue ich mir gleichwohl aufzunehmen, und was ich darüber denke, frei auszusprechen.
Es betrifft die S e l b s t w a h l d e r B u ss e , und den L o s k a u f d e r S ü n d e d u r c h O p f e r . Sie bestätigen Ihre überzeugung, mein Herr Baron! durch den Entschluss, der Welt, wie dem äussern Wirken in dieser, entsagen, auf jedes Vorrecht grösserer Freiheit, auf häusliches Glück, auf Familienfreude verzichten zu wollen. Sie entwerfen den Plan einer heiligen Stiftung, Sie denken sich der kleinern, enger erwählten Gemeine anzuschliessen, und im Verborgenen das heilige Licht der Verklärung ruhiger und reiner wirken zu lassen.
Es soll gewiss Punkte auf den vielbewegten Planeten geben, die dem aufwärtssteigenden Strahl des Gedankens S c h u t z , der Zusammenziehung der Lichtstoffe S t i l l e , ihrer Rückwirkung auf die Erde R a u m sichern. Es liegt jedem ob, diesen Punkt nach dem Masse seines Dafürhaltens zu suchen. Niemand möchte dem Andern füglich sagen: "H i e r i s t e r !" Die innere Freiheit findet demnach ihre schönste Beglaubigung in dieser Wahl.
Sie, mein Herr Baron! hoffen gefunden zu haben, was Ihrem Streben notwendig dünkt. Die Ertödtung der Wünsche, die Abgezogenheit des Blickes, die Scheidung von dem Ehemals und Jetzt