der k r a n k e W u r m nicht länger bei uns bleibt, bekommt das Ding so eine Wendung!"
Sophie! ich glaubte in die Erde zu sinken. Er redete von Georg! Krank nannte er ihn, und jämmerlich, wie ein Wurm, dünkt ihm das blühende Kind! Es war das erstemal, dass ich das hörte; Niemand hatte mir früher eine Ahndung davon gegeben.
Gespannt horchte ich, als die fragen der Andere mir mehr Licht zu geben versprachen. Allein der Amtmann war in seiner Punschlaune ganz verwildert, er vermass sich hoch und teuer, dass er sein halbes Leben darum schuldig sein wolle, wenn er nie an den vermaledeiten Ort gekommen wäre, wo sich das Unglück einquartirt habe. Viele der Anwesenden lachten ihn aus. Er schlug aber auf den Tisch, dass die Gläser klirrten, indem er schriee: "Lacht nur! ich weiss doch, was ich weiss." "Nun?" fragten Einige, "was weisst Du denn?" "Das weiss ich," entgegnete er heftig, "dass mit dem Grafen alles Elend über uns gekommen ist. Wie der hier einzog, da starb mein Hannchen; sie hatte ihn kaum gesehen, hernach –! nun, das lässt sich ja an den Fingern abzählen," bekräftigte er seine Aussage, ohne weitere Beweise anführen zu wollen. "Es wird noch Alles sterben," fuhr der wilde Mann nach kurzer Pause fort, "Alles, was er verhext hat. Die Eine ist schon tot, die Andere so gut wie gestorben, und der arme Junge, der hat auch etwas weg, das wird gewiss kein Mensch leugnen."
Schrecklich! Schrecklich! wimmerte ich, die hände ringend. Ich schrack zusammen, als die Gäste ungestüm nach Punsch und auch nach der Wirtin riefen.
Sie musste einen Augenblick hinausgegangen sein.
"Sie ist dort in der kammer," sagte Einer, "hinter der Gardine schimmert ja Licht!"
"Holla!" rief dieser zwischen dem Fensterflügel hindurch, den Vorhang aufhebend. "Ach! gehorsamer Diener!" setzte er verblüfft und blöde hinzu, indem er, mit dem fuss scharrend, eine Verbeugung machte.
Ich verbarg mein Gesicht an Johanna's Brust, doch hatten sich im Augenblick Mehrere an das Fenster gedrängt. Ich hörte sie zischeln: "Es ist die Präsidentin, da wird er auch nicht weit sein!" "Nein!" meinte ein Anderer, "es ist wegen dem Kleinen, der nun fort soll. Weiss man doch, wie sie ihn liebt." "Ja, ja," flüsterte der Amtmann, "und vollends die unversöhnliche Todtfeindin!"
Sophie! ich hörte nichts mehr. Ich habe wohl eine Stunde in völliger Betäubung da gesessen. Ich bin wie verwirrt! Hier kann oder will mir Niemand Auskunft geben. Sie m ü s s e n es. Ich beschwöre Sie auf meinen Knieen darum. Morgen frühe! So bald Sie können. hören Sie wohl. Denken Sie, dass die Nacht lang, dass jede Minute in der Angst verlebt, eine Ewigkeit ist; dass ich auf der Folter bin, und Sie mich retten können, oder –! Nein, das wird nicht sein, das darf nicht sein!
Sophie an Hugo
Ich kann nicht einen Augenblick anstehen, Ihren Beistand für Elise in Anspruch zu nehmen. Ein höchst unangenehmer Vorfall hat die, nur allzuleicht mit sich einige, immer zum Aeussersten entschlossene Frau zu Schritten verleitet, die ärgerliche Folgen haben können. Lesen Sie Ihren letzten Brief an mich. Ich schikke Ihnen diesen, wie er ist. Er allein mag das Folgende erklären.
Es war wohl natürlich, dass ich gleich nach Empfang desselben die arme in ihrem Versteck aufsuchte. Nichts, selbst die Gegenwart der Oberhofmeisterin konnte mich daran verhindern. Wer hätte ahnden sollen, dass gerade diese Eile die widrigen Ereignisse beschleunigen, die Verwirrung vollständig machen würde!
Noch vor dem Frühstück hatte ich mich in den Wagen geworfen, und ohne Ihre Schwiegermutter zu sprechen, mich begnügt, ihr sagen zu lassen, ein dringendes Geschäft zwinge mich zu kurzer Abwesenheit, gegen Mittag würde ich gleichwohl unfehlbar zurückgekehrt sein. Tausend Sorgen im Herzen, komme ich nach dem Waldhäuschen. Ich steige aus, ich gehe hinein. Niemand begegnet mir. Sie ist krank, denke ich. Die Wirtin, ihre Leute sind um sie beschäftigt. Vorsichtig öffne ich die Tür nach dem hintern Zimmer. "Ach, Ihr Gnaden! da sind Sie ja doch noch gekommen!" ruft Johanna. Die Tannenhäuserin und sie standen zugleich vor mir und sahen teils verwundert, teils bestürzt aus.
Ich fragte ängstlich nach Elisen. "Ach mein Gott!" entgegnete das erschrockene Mädchen. "Ist denn die gnädige Frau nicht bei Ihnen? Sie sagte doch, sie wolle sich bei Wehrheim übersetzen lassen und nach dem Stifte gehen."
"Wann war das?" fragte ich, "wann ging sie von hier fort?" Beide sahen sich an, und meinten, ein Paar Stunden sei es wohl her. Da müsste sie ja, dachte ich, Weg und Länge der Zeit gegen einander abmessend, schon dort gewesen sein, ehe ich noch von haus ging. Doch fiel mir Wehrheim, und alles was sich daran knüpft, bei. Sie wird sich dort aufhalten, den neuen Bau besehen.
Ich beschloss sogleich dahin zu fahren. Eilig forschte ich nur noch