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Ihnen nicht mehr verzeihen. Was liegt denn auch so Unerhörtes, so Vermessenes darin, dass ich mir's einfallen lasse, Sie zu lieben? dass ich mir's gestehe? und bei dem natürlich vertrauten Umgange unter nahen Verwandten, im einsamen, ländlichen Beisammensein, Ihnen davon mehr verrate, als Sie hören wollen? Sagen Sie doch, verdient das Spott? Verachtung?

Sie würden unvorsichtig handeln, wenn ich wäre, wofür Sie mich halten. Ich bin ganz anders. Sie tun mir wehe, ohne sich zu schaden.

Hier haben Sie immer einmal unrecht. Entweder Sie sind so scharfsinnig, als Sie es zu sein glauben, dann hören Sie auf, consequent zu handeln, oder Sie unterstützen mich, und dann läuft Ihre Güte Gefahr, verkannt zu werden.

"Ich m a c h e Verstand!" werden Sie einmal wieder gelangweilt sagen. Es kann sein. Aber w i e soll ich denn mit Ihnen sprechen? "Gar nicht!" höre ich Sie schnell einfallen. Sie lachen dabei, und reichen mir gutmütig die Hand. Ach Cousine! wenn Sie lachenSie wissen, der Himmel liegt dann auf Ihrem Antlitz.

Es ist zum Verzweifeln, dass ich gerade immer dies Lächeln sehe.

Wäre meine Mutter nicht gewesen! Die hat mich zum vollendeten Toren gemacht! Wüssten Sie, Elise! was d i e denkt, w ü n s c h t , zu h o f f e n w a g t ! – H o f f e n ! Mein Himmel, wer das vermöchte!

Sie hätte es nicht aussprechen sollen! Solch' lautes, vollständiges Wort, es kann einem ganz irre machen. Man wird es nicht wieder los.

Ich wollte es nicht hören. Ich drängte es zurück. "Warum denn aber nicht?" fragte die gute, liebevolle Frau. Cousine, dies w a r u m d e n n a b e r n i c h t , klingt mir immerfort in den Ohren, es fährt wie ein Ton aus der Luft, wenn ich gar nicht daran denke, plötzlich vorüber, und scheint immer ernstafter meine Vernunft, mein Urteil, mein Gefühl zu befragen.

Liebe Elise, Sie stehen allein! Die ganze Welt ist gegen Sie. Wer Sie halten könnte und sollte, der verweist Sie auf Ihre eigene Festigkeit und Stärke, aber es ist einer Frau nicht möglich, alle die Pfeile abzuwehren, die von nahe und fern auf sie gerichtet sind. Sie denken das nicht so. Wenn es indess nun noch dahin käme, wenn Sie es nicht länger ertrügen, wenn Sie sich vergeblich nach hülfe sehnten, wenn Sie fliehen, und verfolgt, erkannt, fremden Beistand suchen müssten? Cousine! Cousine! bedenken Sie es wohl, es k a n n dahin kommen! würde Ihnen meine Hand dann nicht eben so lieb sein, wie die eines Andern?

Elise an Sophie

Räumen Sie mir, Beste! ein Winkelchen in Ihrer wohnung ein. Lassen Sie mich verborgen, heimlich, vor aller Welt versteckt, da leben, bis es aus ist mit dem Leben, bis Alles vorbei, oder Alles gross und frei wieder geboren ist. Hier kann ich nicht länger bleiben! Auch allein kann ich mich nicht ertragen!

Ich schreibe Ihnen nur dies, und dass ich komme! Die Tante! – Curd! – Werden Sie es glauben? Aber hiervon mündlich, es ist gerade so viel, um das Mass voll und die Pflegerin unerträglich zu machen.

Doch Hugo! Hugo! Ich lese den tiefen, versteckten Argwohn in seiner Seele. – Er fürchtet –! Kann er glauben, dass ich i h n , wie unsere Bestimmung, so verkenne! – Nein, hiervon kein Gedanke in meiner Seele. Und wenn auch eres bliebe doch unmöglich!

Hält er mich eines Kunstgriffs fähig, um ihm eine Erklärung abzugewinnen? – Gott! mein Gott! so niedrig denkt er von mir!

Wenn ich es einrichten kann, bin ich in spätestens vierzehn Tagen bei Ihnen. Bis dahinbis dahin? – Was das für Worte sind! was da eine Zeit, mit allen ihren Bedingungen darin liegt! Ich fürchte jetzt A u g e n b l i c k e . Ein Jeder dehnt sich, und wird an Gewicht inhaltschwerer! Und dann, das d a h i n ! wie doppelsinnig! es zeigt v o r und z u r ü c k ! Ja wohl, dahin! dahin!

Sophie an den Comtur

Ich konnte Ihnen gestern Abend nichts mehr über meine Unterredung mit Ihrem Neffen sagen. Sie waren zu eilig, die Gräfin zu geschwätzig, ich, weder aufgelegt noch unbefangen genug, gelegenheit zu besonderer Mitteilung zu suchen. Sie erfahren ohnehin nicht viel Erwünschtes. Es blieb ein verfehltes Unternehmen. Hugo, einsilbig und unzugängig, wie Sie ihn kennen, wenn er etwas anders im Sinn hat, hörte mich nicht kommen, und ich durfte mich durch nichts verraten.

Dass er bei mir war in Ihrem Auftrage, mit der Einladung: Sie Abends in Ulmenstein zu treffen, gab mir Veranlassung, von Ihnen zu sprechen. Ich freute mich Ihres Wohlseins, und dass er so liebevoll die Pflege des Oheims übernommen habe. Er lächelte mit halbem mund, liess mich reden, und hub, während einer sehr natürlich eintretenden Pause, an: "Sagen Sie mir doch, wissen Sie nichts Näheres von den