1829_Fouqu_022_124.txt

in Bezug auf die Augenblicke unseres Beisammenseins, sagen, nicht recht anzuwenden weiss. Ich habe immer die Unart gehabt, unvollkommen gebliebene, in den Sand gefallene Früchte unbeachtet liegen zu lassen, vielleicht, weil mir die glänzenden, goldenen Aepfel des Paradieses vor Augen schwebten.

arme Freundin! welchen Ersatz bieten Sie sich, wie mir! Zu dem Stiftsfräulein ins Kloster nötigen Sie mich! Da, zwischen den doppelten Mauern alter und neuer Vorurteile, denken Sie den göttlichen Traum freier Gemeinschaft heiliger, umfassender Freundschaft ins Leben zu rufen? Da hoffen Sie m i c h , da hoffen S i e s i c h wieder zu finden? Von den schief hineinfallenden Strahlen der gesunkenen Sonne sollen wir Lebenswärme betteln? O tausendmal lieber das Vergangene träumen, als an dieser entzauberten Wirklichkeit erfrieren!

Alles ist hier entzaubert! Alles! darum, wenn ich Ihnen raten soll, bleiben Sie, wo Sie sind. Sie würden sich nur herbe Eindrücke bereiten.

Ihr ehemaliges Eigentum finden Sie in fremden Händen. Es ist verkauft, oder was sonst mit geschah! Genug, wie ich neulich vorüber ritt, standen die Fenster offen, ich sah überrascht hinein. Ein fremdes, scharfes Gesicht blickte zu mir auf. Es gehörte einer ältlichen, kranken Italienerin. Die wohnt hier, liess ich mir im nächsten dorf erzählen. Mein alter Freund, der Gartenknecht, ist verabschiedet; ein kleiner, krummer, verschmitzter Franzose ist an seiner Stelle; die Gartenwege sind so eben, so geschnörkelt, dass man gleich sieht, keines Menschen Fuss betritt sie den ganzen Tag.

Ich musste lachen, wie ich die Fratzen sah! gibt es eine tollere Ironie auf die vergangenen Tage, als diese neuen Bewohner Ihrer Zimmer, Elise?

Ich lache noch darüber, und in dieser spasshaften Stimmung kann ich Ihnen nichts Besseres wünschen, als dass Sie es auch nicht schwerer nehmen. Es ist eine Welt darnach, glauben Sie mir.

Antwort

Sie sind ein Mann wie Alle! Hart, wenn ein anderes Empfinden dem Ihrigen entgegentritt, klein und verzweifelnd im Augenblick des Misslingens gefasster Pläne, unfähig, Widerspruch zu ertragen, noch unfähiger, ihn zu verstehen.

Was Sie mir sagen, k a n n wahr sein. W i e Sie mir's sagen, haben Sie mir auf unverzeihliche Weise wehe getan.

Ich werde das verzeihen, ich weiss es. Doch zu vergessen ist solch' Misskennen nicht. Wäre das möglich, wenn Sie zu lieben wüssten? Hatten Sie auch nur g r o ss e W o r t e und e n g e G e f ü h l e , Hugo? Ist Freundschaft für Sie, wie für Andere, nichts als klingende Schellen und tönendes Erz? Wo ist das Vertrauen und die Hingebung von dem, wie wir Beide träumten?

O Sie haben vollkommen recht. Besser, die Erinnerung zur Gegenwart machen, als der entzauberten Wirklichkeit gegenüberstehen.

Curd an Elise

Sie haben mich fortgeschickt. Klüger, verständiger, wenigstens hofften Sie, werde mich die Entfernung machen. Cousine, Sie hofften das nicht. Sie wollten mich nur weit weg wissen, um das Uebrige kümmern Sie sich wenig.

Ich begreife gar nicht, was Ihnen die Vorstellung von mir, wie von einem leichtsinnigen Menschen gibt. Weil ich ein sorgenloses Leben, lustige Gesellschaft liebe, unnütze Grübeleien hasse, die Dinge sehe, wie sie sind, mir und Andern nichts vorlüge, deshalb werfen Sie mich bei Seite, und tun, als wenn ich kein Herz und kein Gefühl in der Brust hätte. Wahrhaftig, Sie vergessen, dass ich doch auch ein Mensch bin, und so gut wie ein Anderer, meine Ansprüche auf achtung mache.

"Gehen Sie, guter Curd!" sagten Sie mit dem fatalen Gleichmut, der mich toll machen könnte. "Gehen Sie nur wieder zurück nach der Stadt, das wird sich Alles geben."

Was darin für ein hochmütiges Wegwerfen, für eine Anmassung liegt!

Als wenn Sie sich auch jemals die Mühe gegeben hätten, zu erfahren, wie es in mir aussieht! Sehen Sie, darin sind Sie gerade so stolz und vornehm, Elise! wie die grosse Welt, die Sie verachten. Es nennt keiner dem andern seines Gleichen, der nicht von seiner Farbe ist. Ob das uns Weltkindern nun wörtlich gilt, und bei Ihnen figürlich, dies kommt auf eins heraus. Was haben Sie denn jetzt wohl Gutes an mir getan, dass Sie mich in den Strudel zurückschicken, von dem Sie doch eigentlich so grosse Gefahr für mich fürchten? Glauben Sie wirklich, dass mich jedes Aeusserliche unwiderstehlich fortreisst, ist es denn recht, mich dem Preis zu geben? Gestehen Sie es nur, es wäre ein Triumph für Sie, wenn ich darin umkäme!

O Sie sind härter und egoistischer, als die, welche Sie verdammen!

Darin haben Sie recht, man wird am Bequemsten mit den Leuten fertig, wenn man sie so niedrig stellt, dass man über sie wegsieht. Aber das können Sie bei allem dem nicht, wahrhaftig nicht, Cousine! Ich will es Ihnen beweisen. Wie? wenn solch' ephemeres geschöpf nur einen einzigen Augenblick den Kopf erhübe, und Sie fragte: Ist dein Stolz Würde oder Dünkel? müssten Sie nicht antworten? und w a s würden Sie antworten?

Früher beleidigten Sie mich sehr oft, jetzt kränken Sie mich. Sie waren schön, ich verzieh' Ihnen. Sie sind vielleicht noch schöner, ich kann