sie als g u t e , a l t e Nachbarin, als Frau von gar keinem Gewicht, und hinaus über alle Rücksichten, ohne alle Umstände einen Ueberfall wagen durfte, sich fest sprach, Niemand los liess, und damit endete, sich die erlaubnis zu n e h m e n , Nächstens, und nach diesem Nächstens, öfter und immer wiederkommen zu dürfen.
Sie war auch in Wehrheim. Sie spricht mit Extase von dem neuen schloss. Ein junger Architekt, der sie umherführte, ward andern Tages ihr Gast zu Mittage. Sie ging in jede Einzelnheit mit lebhafter Aufmerksamkeit ein. Nichts schien ihr zu gering, um es nicht herauszuheben.
Auf der andern Seite wollte sie es indess auch nicht mit dem Präsidenten, mit dem hof, und ganz besonders mit der Fürstin Mutter verderben, deshalb versäumte sie nicht, den kleinen Georg bei seiner Pflegerin aufzusuchen. Die Art, wie sie sich über das liebe Kind erweichte, es einen Engel nannte, dabei bald weinte, bald lachte, muss etwas Teatralisches gehabt haben, denn die Kinder des Amtmanns spielen seitdem immer G r ä f i n U l m e n s t e i n , putzen sich auf das Tollste heraus, und verdrehen zum Hauptspass der Erwachsenen, Mienen und Geberden unter dem Sprechen. Was Kinder nicht alles herausfühlen! denn geradezu zur Schau hat sich die Gräfin bei dem Allen nicht gestellt. Dazu ist sie in der Welt zu gut zu haus. Es muss daher in der Unwahrheit liegen, die immer ihre Widersacher in dem natürlichen Menschen findet. Weiter reicht mein Neuigkeitsvorrat nicht. Wenn ich vielleicht ungeschickt im Beobachten und Combiniren bin, so lassen Sie mich's nicht entgelten. Entziehen Sie mir nicht ganz Ihr Vertrauen.
Hugo an Elise
Ist es möglich? – O es ist m e h r als das, es ist wirklich!
Sie waren schon völlig entschlossen, meine Hoffnungen zu zerstören, als ich deren Erfüllung in der Unschuld des Herzens ganz gewiss zu sein glaubte?
Nein, das ist wahr, daran hatte ich nicht gedacht, dass Sie der M e i n u n g , diesem Vexirspiegel der Vernunft, so grosse Rücksichten schuldig wären. Verzeihen Sie mir dies; sehen Sie, es liegt wohl daran, dass ich keine Tante zur Seite habe, die solche Feenkünste mit mir treibt. Es ist zu bewundern, wie diese Frau ihre Gaben versteckt hält! Wahrhaftig, sie hat Sie ganz bezaubert.
Nur schade, dass ausserhalb dem geweihten Kreise solche Beschwörungsformeln leicht etwas Albernes und Triviales bekommen. Ich erschrack fast, da ich sie las, doch mehr über mich, als über die Worte, denn ich konnte keinen Sinn darin finden.
Sie hätten mich vorbereiten sollen. In meiner Unbefangenheit war ich nicht zu bestechen!
O Elise! auch Sie, auch Sie! – Welch' unseliger Hang zur Sklaverei liegt denn im Menschen, dass die erste, die beste geläufige Weiberzunge Sie aus Ihrer überzeugung hinausschwatzen, und Ihre klare Festigkeit, Ihre erkenntnis, kleinlichen, krausen Irrtümern unterliegen konnte!
Zum zweitenmale opfern Sie, aus missverstandener
Mutterliebe, die heilige Wahrheit Ihres Herzens, und glauben sich einen Sieg abzugewinnen, wenn Sie besiegt werden.
Weshalb ich den Knaben Georg an Ihr Herz und
Gewissen legte? sonderbare Frage! weil ich ihn liebe, weil ich daran denke, dass er ein Mann werden, und es nicht begreife, wie aus verzärtelter Schonung ein s t a r k e r Gedanke entspringen kann.
Was haben Sie denn für das Kind getan, als Sie
Alles, ausser der beengenden Furcht vor des himmels Strafe, vergassen, und diese Furcht die Wortführerin Ihrer eigenen Anklage sein liessen?
Unseliger Augenblick! Sie zerrissen mein Herz,
wie das Ihrige, und des Knaben Geschick! Den Himmel werfen Sie auf die Erde, und gönnen dieser, ein Ding nach ihrem Gefallen daraus zu machen. Wie hart hat sie die rohen hände angelegt, und den reinen Hauch zweier Seelen zu einem Schreckbild der Sünde zusammengeballt!
Nach dieser entscheidenden Stunde war nichts
mehr für die Meinung zu tun, die war mit dem Geschehenen zugleich da. Zu vernichten ist sie so wenig, als jenes ungeschehen zu machen.
Was erwarten Sie nun von dem Jüngling, dem
mann Georg, wenn Sie ihn in kränkliche Vorurteile einwiegen, beschränktem Eifer Zeit lassen, seinem Auge die Richtung zu geben, auf welcher es Ihnen, Elise! nicht ohne Befremden begegnen kann? Gesund und hell, würde der Kleine noch jetzt gelernt haben, die Dinge zu sehen, wie sie Wahrheit und natur ihm zeigen, hätte er die Mutter wiedergefunden, s o wiedergefunden, wie sie ist, nicht wie die armselige Klugheit des Vorurteils sie umzuschaffen droht.
Ist es möglich! wiederhole ich noch einmal, liegt gleich die Wirklichkeit durch Brief und Siegel vor mir. Auch Sie also! Glauben Sie mir, Sie werfen das ganze Leben, Ihr Leben weg! Und was geben Ihnen die klugen Freunde dafür?
Es ist eine verbrauchte Art, sein unwilliges Erstaunen über irgend eine Enttäuschung auszudrücken, wenn man sagt: Ich bin aus allen meinen Himmeln gefallen! Aber Vieles, das verbraucht und abgenutzt ist, passt dennoch bei gelegenheit. Ich bin wahrhaftig aus m e i n e m Himmel heraus!
Daher kommt es auch wohl, dass ich Ihre jetzige Sprache nicht recht verstehe, und das Bild von Frühling und Sommer, von Blüte und Erndte, und was Sie von sparsamen Früchten,