mich für die Prüfungen dieser Stunden durch Ihre baldige Ankunft an einem schönen, sonnenhellen Tage.
Sophie an die Oberhofmeisterin
Sie untersagen mir, liebe Freundin! den verhaltenen Ton Ihrer Seele auch nur entfernt anzurühren. Und doch schreiben Sie m i r , und wollen, dass ich Ihnen antworte?
Sie haben im grund recht, so widersprechend es scheint. K e n n e ich Sie doch bis in die kleinste Bewegung Ihres inneren! und Sie w i s s e n , d a ss ich Sie so kenne.
Der Ton bedarf keiner Berührung, um zu klingen. Jeder laut, jeder Atemzug in Ihnen geht aus ihm hervor!
Doch wozu auch diese Worte!
Sie sind zurückgekehrt an den Hof! Sie wollen dort bleiben! Es überraschte mich, als ich es erfuhr. Sie w o l l e n sein, wie Sie sind? oder e r s c h e i n e n , wie Sie sich g e b e n ? Vielleicht beides. Dem sei nun, wie ihm wolle, so viel Selbstüberwindung ist erstaunenswert. Was mich indess noch mehr überrascht, ist Ihr Interesse an dem, was Sie nur schmerzlich bewegen, und in die Heiligkeit der Trauer, bittere, herbe Empfindungen zu mischen droht.
Ich erschrack fast, da ich Ihre fragen nach Hugo und Elise, nach dem verhältnis beider, und ihren Plänen für die Zukunft, las.
Ist das ein Gegenstand, der Sie beschäftigen kann? Verzeihen Sie mir, wenn ich den Grund dieser Teilnahme nicht sanftern Gefühlen zuschreibe.
Wenn ich vielmehr fürchte, es lebe darin noch ganz die leidenschaftliche Eifersucht fort, die keine schönere sorge mehr rechtfertigt, und weniger der Liebe als dem Hasse angehört.
Ja, gestehen Sie sichs nur immer selbst, es verlangt Sie, von dem peinlichen, ungünstigen Geschick der hart Gedemütigten, von Elisens zerstörtem Frieden, ihrer früh gewelkten Jugend, von Hugo's schwankendem Umhergreifen, seinen Kämpfen und inneren Plagen zu hören.
Was wollen Sie damit? Die überzeugung gewinnen, dass hier das Leben nichts ausgeglichen, nichts anders gemacht hätte? und der Tod zu segnen sei, der das reinste Opfer auf e i n e n Streich fallen liess? Die überzeugung hatten Sie lange. Nein, Sie wollen nicht ruhiger werden, Sie stacheln die unbequemste aller Regungen, die Missgunst in sich wach. Vergessen Sie, dass Niemand mehr, als Sie selbst darunter leiden?
Und wenn sich nun Alles anders fände, als Sie es finden möchten? Wenn Hugo's unstäter Trieb nach äusserer Beschäftigung sich in geordneter Wirksamkeit befriedigte, er auf seinem platz feststehend, die Pflichten übte, die Welt und Beruf von ihm fordern? Wenn er dem Wohltäter dankbar, jeden andern Wunsch opfernd, nun bemüht wäre, sein einsames Alter zu erheitern? Wenn stille, ernste Trauer jene unfruchtbare Melancholie verscheucht, und die unselige Heftigkeit ungehöriger Liebe sich in Beiden zu ruhig entsagender Freundschaft umgewandelt hätte? Würde es Ihnen genügen? würde es Ihnen den Trost geben, den es doch geben sollte, dass ein heftiger Stoss Alle wieder ins Gleichgewicht brachte? Und in Wahrheit, liebe Freundin! es kann so sein, es sieht fast darnach aus. Wenigstens verhält es sich mit Hugo's äusserm Tun, wie ich Ihnen sagte. Er baut, pflanzt, verschönt auf seinen Gütern, was diese verbessern, und den Ansprüchen an Veredlung Genüge tun kann. Er entfernt sich nur auf kurze Zeit von der Burg, spielt Abends Schach mit dem Oheim, besucht die Nachbarn, und hat sonst mit Niemanden Verkehr. Elise ist bei ihrer Tante. Man weiss nichts von ihr zu sagen. Ganz kürzlich erzählte man, f ü r s i e sei der Bau in Wehrheim, sie werde dort einziehen. Auch das hat sich nicht bestätigt; ob man gleich Tag und Stunde ihrer Ankunft bestimmte, sind Wochen vergangen, ohne dass sie kam, und das Gerücht schweigt allmählich. Selbst ich hatte lange keine Nachricht von ihr. Es scheint, sie beschränke sich ganz auf die einförmige Tätigkeit häuslichen Stilllebens, und zeige, dass sie kann, was sie will.
Wie geringe Ausbeute wird mein Bericht Ihren Nachforschungen geben, liebe Freundin! Werden Sie es nicht bereuen, sich deshalb an mich gewendet zu haben?
Eins, gleichwohl muss ich hier noch erwähnen, das in seiner lustigen Naivetät weit eher geeignet ist, Ihren Witz als Ihre Galle zu reizen.
Die bewegliche Gräfin Ulmenstein ist jetzt unsere eifrigste Anhängerin geworden. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem armen, guten Comtur in seiner tödtenden Einsamkeit Gesellschaft zu leisten, ihn aufzuheitern, sein Vertrauen mit allen Waffen liebkosender Schmeichelei zu erobern, Hugo zu interessiren und mich zu überraschen. Der Eifer, mit dem sie dies Vorhaben ins Werk richtet, lässt sie vergessen, dass man sie kommen hört, und Niemand getäuscht wird. Ich musste lachen, als sie, gleich nach ihrer verspäteten Ankunft auf dem land, zu mir eilte, fragte und weinte, tröstete und sich hoch und teuer vermass, die unerhörte Bosheit der Welt durch die allerlebhafteste Darstellung der Wahrheit zu Schanden zu machen. Sie entwickelte dabei so viel zärtliches Mitgefühl, so scharfsinnige Billigkeit, sie steigerte sich in den vertrauenden Herzensergiessungen von Moment zu Moment mehr, und verliess die Scene mit so viel Wärme, dass sie, über sich selbst getäuscht, auch mich getäuscht zu haben glaubte.
Leichter, gesellig anziehender, hat sie es auf der Burg getrieben, wo