, nicht in den nächsten Gegenständen zurecht. Luft und wasser waren so bewegt, dass Letzteres schäumte, sich in grossen massen vorüberwälzend, wie ein breiter, ungeheurer Strom. Ich stand eine Weile sinnend. Das Unwetter tobte noch immer, doch vertoste es seinen Ingrimm mehr abwärts, und gestattete dem blick hin und her, die graubleiche Atmosphäre zu durchdringen. Zu meiner Linken brannte das Licht am Pfahl, der mitten in den Wellen stand und nur ungefähr andeutete, wie weit ich unter mir Grund suchen könne. Rechts, eine Strecke hinauf, musste die Furt sein. Ich hatte das Auge fest dahin gerichtet, als mir vorkam, es bewege sich etwas Weisses ü b e r die Wasserfläche empor. Vielleicht war Jemand auf einen Baum, oder einen abgebrochenen Stamm geklettert, um so ein Zeichen seiner Verlegenheit zu geben. Ich wurde immer achtsamer. Jetzt schallte deutlich ein heller Ruf durch die Windstösse. Hinüber! Hinüber! sagte Alles in mir; den Mantel abwerfend, schwamm ich in Gottes Namen, dem weissen Schimmer entgegen. Es ging leichter als ich dachte. Die innerliche, heftige Bewegung gab mir ungewöhnliche Kraft. Ich war drüben. Ein sonderbares Rasseln und Schnauben ohnweit der Stelle, wo ich auf das Trockne gelangte, zog meine ganze Aufmerksamkeit sogleich dahin. Wagen und Pferde, sagte ich mir, sind in falscher Richtung der Furt zugelenkt, in den moorigen Tiefen eingesunken, oder zwischen Steinen und Baumwurzeln umgeschlagen, zerschellt und vielleicht nur der unvorsichtige Fuhrmann am Leben geblieben. "Wer rief hier um hülfe?" schrie ich aus Leibeskräften.
"Ach Jesus, hülfe, hülfe!" entgegnete mir eine stimme in grösster Angst. "Wo? wo?" rief ich zurück. "Hier!" war die Antwort. Im Augenblick standen wir bei einander. Ich erkannte an den Farben der Bekleidung in Jenem einen Postillon. "Wen hast Du gefahren?" fragte ich zitternd. "Eine Dame," sagte er in sichtlicher Angst, "dort liegt der Wagen zerbrochen," setzte er eilig hinzu. Das möchte drum sein! denn es hat eben Niemand Schaden genommen, aber die Pferde! die Pferde! die liegen bis an die Bäuche im Schlamm, und kein Peitschen, kein Treiben bringt sie heraus. Sie können auch nicht, so lange sie angesträngt sind, und ich kriege den Blitzkasten nicht in die Höhe, der ganz von der Seite eingeklemmt, da liegt."
"Eine Dame!" Weiter brauchte es nichts, um mich meiner Sache gewiss zu machen. Ich flog auf den verunglückten Wagen zu. Aber noch ehe ich bis dahin kam, sah ich eine weibliche Gestalt ganz zusammengesunken auf einem Stein sitzen, eine Andere, die neben ihr stand, schien um sie beschäftigt. "Elise! Elise!" rief ich, im Begriff, die Erstere zu umfassen. Eine fremde stimme sagte Italienisch-Französisch: "Mein Herr, die Frau äbtissin ist ohnmächtig vor Nässe und Kälte in meine arme gesunken, können wir sie nicht bald von hier fortschaffen, so stirbt sie." Die Andere lispelte in demselben Augenblick ein Paar Worte, die ich nicht verstehen konnte, so leise wurden sie gesprochen. Doch glaubte ich ein heftiges Zittern und krampfhaftes Klappern der Zähne an der Unbekannten wahrzunehmen. Ob ich nun gleich in meiner Erwartung getäuscht war, so durfte ich dies unter diesen Umständen doch nicht anders als ein Glück nennen. Mit einer Art Dankbarkeit im Herzen, Sie, geliebte Freundin! nicht in solcher Gefahr zu wissen, erbot ich mich, die Dame in einem Fischerkahn, welchen ich, an einer umgestürzten Weide geknüpft, im Schilfe entdeckt hatte, hinüber zu fahren, wenn sie sich mir anvertrauen wolle.
Jene stand mit seltsamer Heftigkeit von ihrem platz auf, und ohne etwas zu sagen, versuchte sie, dahin zu folgen, wohin ich sie geleitete. Es zeigte sich aber bald, dass sie unfähig war, einen Schritt zu tun; ich nahm sie daher auf meinen Arm, und setzte sie sanft in das flache Boot, das der Postillon und ein alter italienischer Diener mit Mäntel und Decken belegt hatten. Ich ergriff das Ruder, und stiess, mit der Versicherung, den Zurückbleibenden bald hülfe zuzusenden, vom Ufer ab. Sonderbarer war nicht leicht eines Menschen Lage! Mitten auf dem unwillig gehorchenden Elemente, allein mit einem unbekannten Wesen, das lautlos, dicht in Mantel und Schleier gehüllt, geisterartig da sass, und durch Nichts ein lebendiges Dasein verriet, als durch jenes fieberhafte Zittern, und von Zeit zu Zeit durch einen tief aus dem Herzen gehenden Seufzer. Sie kennen meine Empfänglichkeit für grauenhafte, geheimnissvolle Eindrücke. Ich fühlte meine Brust beklemmt, und war doppelt froh, als ich sah, dass mein Beispiel Mehrere im Ort anfeuerte, und man mit Kähnen und Laternen herbeiruderte; die Leute der Dame erreichten uns, als wir angelegt hatten. Beide Frauen dankten flüchtiger, als es meine Bemühungen wohl verdient hätten. Ich machte nichts daraus, zufrieden, sie gerettet, und in einem abgelegenen Kämmerchen in Sicherheit zu wissen. Des andern Morgens waren sie, ehe ich noch erwachte, auf und davon. Schmid und Stellmacher mussten die ganze Nacht arbeiten, um den Wagen wieder herzustellen. Sie dachten an nichts, als nur fortzukommen.
So ist die Welt! Jedweder in ihr sieht sich und was ihm eben wichtig dünkt. Elise! ich dachte an Sie, und vergass bald das Vorübergehende. lohnen Sie