Handschuhe, mit einem kleinen Anstrich nicht übel kleidender Verlegenheit aus, entblösste die niedlichen, vielleicht allzureich mit Ringen und Spangen geschmückten hände und arme, und bewegte diese sehr reizend in der Bereitung des Tees. Rosalie machte sich mit den gerösteten Brödchen, den Melonen, die sie zerteilte, und anderm Zubehör zu tun, wobei sie kurz und abgebrochen, doch mit einer gewissen nachlässigen Extase, die vorzüglich in vielen Worten besteht, von dem Badeaufentalt sprach.
Die Mutter schien sehr aufmerksam und begierig auf den Eindruck, welchen die hübschen Mädchen auch hier machen würden, und war nur mit halbem blick und halbem Wort für alle diejenigen da, welche ihr in dieser Beziehung unbedeutend schienen. Doch bald einigermassen in ihren Erwartungen geschmeichelt, hub sie ungefähr eben so, wie kurz zuvor, gegen mich an: "Nun, und unser neuer Nachbar, hat ihn schon Einer aus der Gesellschaft gesehen? Er soll ein interessantes Aeussere und viel Verstand haben!"
Es musste mich, nach allem Vorhergegangenen mit Recht befremden, dass die Meisten sogleich vollkommen zu Haus waren, und Einer, sogar den Vornamen des Unbekannten wissend, vom G r a f e n H u g o , wie von einem ganz vertrauten Freunde sprach.
"Hugo!" wiederholte ich, gegen meinen Vetter Curd gewendet, "man hört den Namen nicht oft, er klingt so tief."
"Rasend tief," lachte er auf seine leichtfertige, nekkende Weise. "Aber Cousine, was wollen Sie eigentlich damit sagen?"
Ich wusste es ihm nicht auszudrücken.
"Denken Sie sich vielleicht einen melancholischen Sonderling dabei? fragte er. Nun, da kann was dran sein; denn recht richtig ist es mit Keinem, der sich aus einem ungeheuren Vermögen nichts macht, wie ein Misantrop in den Wäldern herumwandert, und mit vier und zwanzig Jahren ins Ehejoch kriecht."
"Alle diese Details wissen Sie schon, lieber Rittmeister? lachte die Gräfin. O! kommen Sie her, setzen Sie sich zu mir, erzählen Sie mir ein Bischen von dem mürrischen Menschen. Er interessirt durch seine Originalität, obgleich eine kleine coquette Absicht dabei im Spiele sein mag."
"Gewiss! hörte ich sagen, Gewiss! er fühlt, dass er, als Emporkömmling oder adoptirter Erbe, vielleicht mancher beschämenden Kritik blosgestellt sein muss. Er will im Voraus imponiren. Der Ausweg, den er wählt, zeigt von Gewandteit und List. Er muss nicht ganz unerfahren in den Nuancen der Weltverhältnisse sein."
"Er ist hübsch und elegant, Mama! rief Agate ihrer Mutter zu. Die Herren hier haben ihn im Bade zu Aachen, im vergangenen Sommer, gesehen. Er war dort ausgezeichnet durch seine Figur und grosse Kühnheit im Reiten, und viele andere Talente."
"So!" entgegnete die Gräfin gespannt und ungeduldig, da sie nicht wusste, was sie alles gleich hören sollte. "War denn die Braut mit ihrer Mutter auch da?" fragte sie.
Die Herren bejahten es.
"Die Emma soll c h a r m a n t sein! fuhr sie fort, indem ihre Blicke unsicher und gewissermassen vergleichend an den Töchtern hinfuhren. Charmant! wiederholte sie, zerstreut und gedehnt. Ach! die Mutter war wunderschön, fügte sie von frühern Erinnerungen plötzlich fortgerissen, hinzu. Ich habe sie gekannt, ob sie gleich erstaunt viel älter ist, als ich. Jetzt, höre ich, hat sie entsetzlich verloren. Ihre Züge waren immer scharf wie ihre Zunge," setzte sie lächelnd hinzu.
Sehen Sie, Sophie, so schilderte man mir Ihre Freunde. Bewundern Sie es nicht, wie ich so lange bei einem gegenstand verweilte? da das Neue selten meine Aufmerksamkeit sonderlich erregt. Ich glaube, es ist auch nur der Anteil, den Sie an diesen Menschen nehmen, der mir sie bedeutend macht. Von Emma spricht niemand. Ist nichts von ihr zu sagen? Armer Hugo! – Leben Sie wohl! Zeigen Sie mir bald mehr Vertrauen. Sophie! die Ihrige, wie immer.
Die Oberhofmeisterin an den Comtur
Endlich ist die Entscheidung ganz nahe. In wenigen Stunden werden sie getraut. Dann sind die lang gehegten Wünsche erfüllt. Die unruhige sorge findet ihr Ziel. Das Geschick muss seinen gang gehen.
Zum letztenmale habe ich heute über meine Tochter bestimmt, für sie gedacht, gehandelt, ihren Willen gelenkt, wie es i h r e m Vorteile, ihrer Zufriedenheit angemessen war. Von jetzt an nimmt ein Anderer, mehr oder weniger ein Fremder, das Band, an dem ich sie, ihr selbst unbewusst, leise führte, aus meiner Hand. Ich lasse es zu. Die Ordnung der natur will es so. Alle Mütter machen spät oder frühe dieselbe Erfahrung. Aber gestehen Sie, dass man sehr resignirt sein muss, um sich ohne innere Verzweiflung, so gleichsam entfernt zu sehen.
Emma scheint glücklich. Ich sage s c h e i n t , denn was weiss sie, ob sie es ist. Mir erregt ihre Heiterkeit die unbezwinglichste Eifersucht. Ist es denn etwas anders als Wankelmut, dass sie ihr Heil von einem ungekannten Verhältnisse erwartet, von dem sie sich weit eher abwenden, als darauf hinsehen sollte; da es sie von allem, was ihr wert und teuer sein muss, losreist. Vielleicht kann man es ein Glück nennen, dass die Unerfahrne wie mit Blindheit geschlagen, nur von goldenen Ketten träumt, und so lange damit spielt