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Es ist unglaublich, wie e i n Jahr solche Veränderungen machen kann! Ich schwöre Dir, die Gegend ist wie ausgestorben. Wir haben noch keine Seele gesehen! Und wie glänzend war es im vorigen Herbst!

Bilde Dir nicht ein, dass Deine Abwesenheit die Ursache davon ist. O nein, mein Kind! das ist die dumme Liebesgeschichte, die hat alle Leute entzweit. Mama ist sehr gespannt mit dem Comtur und mit Allen, die ihm anhängen. Das gibt denn tausend Verdriesslichkeiten, ganz unerhörte Klatschereien! und die bringen die Leute auseinander. Im Vertrauen zu Dir, Mama hat sich wohl manchmal ein Bischen zu scharf ausgelassen. Vorzüglich, wie es zur Scheidung kam. So was wird bekannt und Niemand leidet darunter mehr als wir, denn das gestehe ich Dir, die Pruderie, für alle kleine Intriguen in seinem Salon responsable sein zu wollen, und es darum mit der Gesellschaft zu verderben, das muss die Menschen verscheuchen! Wer will denn auch immer einer Kritik ausgesetzt sein, wenn man zu seinem Vergnügen fremde Häuser besucht? Jetzt bereut sie es auch. Sie möchte gerne Schritte tun, aber sie weiss nur nicht, wie sie es anfangen soll.

Denke Dir, und das wollte ich Dir eigentlich erzählen, das neue Haus in Wehrheim ist über Hals und Kopf fertig gemacht worden, und man sagt, die geschiedene Präsidentin werde mit Nächstem dort einziehen. Ich bitte Dich, welch' unerhörter Scandal! G e s c h i e d e n ist sie, das ist wahr, aber wieder verheiraten kann sie sich nicht ohne Dispensation, und dass sie diese nicht erhält, dafür sorgt die Oberhofmeisterin, die wieder auf der Scene erschienen ist, und ihre hände überall im Spiel hat.

Ja, ja, mein Kind! in Wehrheim will sie wohnen, die schöne Büssende! nachdem sie in der Wüste auch eben nicht viel Busse getan hat. Denn weisst Du nicht die grosse Neuigkeit! Curd ist zum Sterben in sie verliebt. Er hat zwar früher sich nachteilig über sie geäussert. nachher wollte er es wohl wieder gut machen, lachte sich selbst aus, sagte ein Paar Dummheiten, und machte sich dadurch lächerlich; und sein erstes Geschäft bei unserm flüchtigen Begegnen auf der Reise durch die Residenz war, alles das Ueble, was er sich zu schreiben erlaubt hatte, wieder zurückzunehmen, und Elise so hitzig, so übertrieben zu verteidigen, dass man gleich sah, wie ihn die Koquette verstrickt hat.

Mir ist es einerlei! Aber es gab doch eine Zeit, wo er g a n z , gewiss g a n z anders fühlte. Mama sagt, er wäre sehr bornirt, und wie ein Blatt Papier, auf das ein Jeder schreiben kann, was er will. Im grund hat sie recht, aber sie fand ihn sonst doch sehr interessant.

Erzähle doch das Alles gelegentlich, wenn die Herrschaften bei Laune sind. Der Fürstin Mutter wird es willkommen sein. Es ist dies wasser auf ihre Mühle, denn man sagt, sie hasse Elise, seitdem sie sich ihretwegen einmal mit dem regierenden Fürsten, nach der bekannten Cour, entzweit hat. Noch Eins. Es sind immer noch keine Nachrichten von Leontin eingelaufen. Der alte Baron kehrte vor einigen Tagen zurück. Man weiss nicht, ob er den Sohn aufgefunden hat? Er sieht Niemand. Mama erkundigt sich sehr genau nach Allem, was hierauf Bezug hat, denn wie Du weisst, fällt die Erbschaft der Tante, im Fall Leontin ohne Nachkommen stirbt, seinen nächsten Verwandten von mütterlicher Seite zu, und das sind wir, denke ich.

Es sollte mir aber doch leid tun, um den hübschen, jungen Menschen, wenn er stürbe. Lieber hätte ich ihn noch geheiratet, ob er gleich wie der steinerne Gast im Don Juan aussieht.

Der Justizrat war eben bei Mama. Er behauptet, Elise heirate den Grafen gewiss, für den Dispens würde der Comtur schon sorgen, dem Alles daran liege, dass der Neffe sich fixire und den Namen der Familie erhalte. Mein Gott! als wenn es nicht mehr Partien im land gäbe, als solch' durchaus unschickliche. Mama glaubt auch nicht, dass es wahr ist, sie behauptet, der Comtur besitze zu viel Delicatesse.

Nun genug, da hast Du Stoff, aus dem sich in der Stadt etwas machen lässt, um die Conversation zu beleben.

Lebe wohl, Du glückliche! Ich vergehe hier vor Langweile.

Der Präsident an den Justizrat

In aller Eile bitte ich Sie, geehrter Herr! mit dem Verkauf meines Landhauses zu eilen. Ich habe Gründe, weshalb ich es, sobald als möglich, in andern Händen wissen möchte. Nur empfehle ich Ihnen Behutsamkeit und Stille. So geheim wie möglich, verstehen Sie wohl! Keinen Termin, keine öffentliche Anzeige. Ein sichrer Käufer, gleichviel wess Standes und Ortes! Nur fort damit. Und Garten und Haus mit allen Mobilien ohne Vorbehalt. Bis es so weit ist, wünsche ich, dass der Gartenknecht verabschiedet, und die innere Bewachung Jemanden Ihrer Leute überlassen bliebe. Man sagt mir, der fürstliche Domainen-Amtmann im Orte suche eine andere Anstellung. Betreiben Sie doch das Gelingen seines Wunsches. Sobald er bestimmte Aussicht dazu hat, würden Sie mich durch gefällige Benachrichtigung deshalb verpflichten.

Die Einlage an den Prior des Premonstratenser Klosters übergebe ich, wie immer, Ihren Händen.

Der Caplan Tavanelli, schreibt man mir, sei geheilt. Ich hielt sein