sie sichtbar geworden, so, als schleudre sie der Blitz herab; was denn für ein drohendes Zeichen angesehen, und dem Bau nichts Gutes geweissagt wird, insbesondere, da man Deinen erwachten Eifer, ihn zu vollenden, für Trotz hält, und ihn f r e c h schilt."
Ich lachte, ob mir gleich die Sache an sich, und wie sie sich zugetragen, einen ganz andern Eindruck zurückgelassen hatte. "Sie sehen wohl," sagte ich mit leichtem Achselzucken, "dass eine blosse Zufälligkeit dem Verlangen nach Spukereien Vorschub leisten musste. Unsere Geistergeschichten haben einen sehr materiellen Boden; es wird mit aller Mühe nichts Geistiges daraus." Ich erzählte ihm nun, dass mir auf einem nächtlichen Ritte nach Wehrheim, bei einer heftigen Bewegung mit dem arme, der abgezogene, lose in der Hand gehaltene schwarze Handschuh entfahren, und auf einer Stange des Gerüstes hängen geblieben sei. "Es ist wahr," fuhr ich fort, "es hatte etwas Erschreckendes, und ich trug auch sorge, am folgenden Tage in aller Frühe den Handschuh von der Stange herabnehmen zu lassen, was vielleicht nur dazu diente, die Sache unaufgeklärt zu lassen."
"Ich dachte es wohl!" erwiderte der Comtur. Aber er ward still, und es fiel mir auf, als er nach einer kurzen Pause, während welcher wir beide, jeder auf eine eigene Art beschäftigt, in das Feuer sahen, äusserte: "Das Zusammentreffen offenbarer oder verborgener Umstände hat seine Bedeutung, die der Mensch voraus empfinden will, und deshalb übereilt er sich im Urteil, oder quält sich mit Ahndungen."
Er war hier aufgestanden, und ging, den Kopf gebeugt, die hände auf dem rücken, wie Sie seine Art kennen, in dem grossen, hohen, grauen Zimmer auf und ab. Ich folgte ihm mit den Augen, der Raum, den er durchschnitt, war mir noch nie so weit, so leer, wir beide einsame Menschen nie so vereinzelt vorgekommen. "Wollen wir eine Partie Schach spielen?" fragte ich, ebenfalls meinen Platz verlassend.
"Gern, sehr gern!" war die Antwort. Ich suchte den kleinen Tisch mit der gefächerten Platte, an dem wir sonst so oft spielten. Er müsse im Nebenzimmer stehen, meinte der Comtur. Ich ging dahin, fand ihn aber nicht. "Ach! ich besinne mich jetzt," rief ich, und stutzte unwillkührlich.
In Emma's Zimmer hatten wir das Letztemal gespielt. Der Oheim verstand mich. "Lass es," sagte er, "ich will – –!" "Bewahre!" versetzte ich beschämt. Ich zündete ein Licht an, und eilte durch den Seitengang, die kleine Wendeltreppe hinauf, in das vordere Turmzimmer. Elise! hier sassen wir, wenige Tage vor Emma's Abreise; sie lag in dem anstossenden Cabinett auf ihrem Ruhebette, die Mutter las ihr vor, der Arzt und ich führten Krieg auf den schwarzen und weissen Feldern, der Comtur, auf- und abgehend, wie heute, begleitete mit klugem blick unsre Züge. Es war sehr heiss im Zimmer, man durfte, der feuchten Luft wegen, die Fenster nicht öffnen. Ich hörte Emma sagen: "nehmen Sie mir den Shawl ab, ich verbrenne."
Mein Gott! die verschlossene Luft war wieder so drückend und gepresst, sie lag zentnerschwer auf meiner Brust. Ich sah umher nach dem Tischchen. Man hatte ohnlängst hier geräumt, und die Gemächer gereinigt, das Gerät stand zusammengeschoben in den Winkeln. Ich fand endlich, was mich hierher führte; doch neben Emma's Ruhebett, den Shawl, jener amarantfarbene, den ich ihr geschenkt, und den sie so liebte, dass sie ihn immer trug, hing über die Kissen der Rücklehne. Das grelle Rot schnitt mir durch die Seele. Ich sah das bleiche Gesichtchen, an das sich die Falten des Tuches einst schmiegten, ich hörte das "Ich verbrenne!" mit dem Ausdruck des Unvermögens, es länger ertragen zu können, wieder, und fühlte die Gluten, die das beste Herz verzehrt hatten.
Den Shawl über dem Arm, das Tischchen in der Hand, eilte ich hinunter zum Oheim. Er sah mich erst verwundert an, dann wurden seine Züge sehr weich, er umarmte mich, ich fühlte seine Tränen auf meiner Wange. Leise, als scheute er sich, ein Heiligtum zu entweihen, berührte er mit den Spitzen der Finger das traurige Andenken. "Es ist dies ein heller Gruss, Hugo!" sagte er, "ein leuchtender Lebensschmuck, und recht ein Gegenstück zu der schwarzen Hand, welche die Leute gerne dem Zorne der Abgeschiedenen zuschreiben möchten." Ich drückte die seinige, als er hinzusetzte: "Zorn war nicht in dieser Seele, und so wollen wir denn lieber dem freundlichen, als dem drohenden Anzeichen für die Zukunft trauen."
Wir hatten eben unser Spiel angefangen, als der alte Baron Wildenau gemeldet ward. Der Mann ist von unleidlicher Beschränkteit und Breite. Ich hatte ihn in Ewigkeit nicht gesehen, konnte mir denken, dass er der Unglücksfälle des Hauses ungeschickt erwähnen würde, stellte mir vor, es sei ein Trauerbesuch, auf den er sich seit sechs Monaten bis heute am späten Abend besonnen habe, und geriet in innere Verzweiflung.
Es war aber anders.
Der Baron trat gebeugt, mit kummervoller Miene und gesenktem blick zu uns ein. Gegen seine Gewohnheit in