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. Sie wollen es auch. Sie sind nur mit der inneren Heimat zerfallen. Können Sie den Weg zu ihr nicht wiederfinden?

Dass jener erste Riss uns auseinander hielt, das war natürlich. Sie hatten Manches g u t z u m a c h e n . Sie konnten es vielleicht, so lange Emma atmete, lag der Friede dieser schönen Seele auf Ihrem Gewissen. Sie durften annehmen, dass ich Sie hierin verstand. Ich hatte Ihnen auch damals nichts zu sagen, denn von dem Augenblick an, da ich mich selber erkannte, suchte ich Sie nicht mehr auf dem betrüglichen Schauplatz, wo wir uns beide verirrten. Wo i c h Sie suchte, da blieben Sie mir unverloren.

Jetzt, jetzt ist alles anders! Es gibt nichts mehr zu schonen, nichts mehr zu tun! Keines Menschen Verzeihung zu gewinnen. Jedes Band ist zerrissen. Wir lösen uns auf in N i c h t s , wenn wir nicht aneinander halten.

Das werden Sie mir nicht sagen, das werden Sie nicht d e n k e n wollen, dass Alles, Alles, das kurze, warme, helle Leben Lüge war. Und wenn die innige Zuneigung, die zärtliche Verehrungach! wenn das, was ich nicht nennen kann, dies einzig W a h r e bleibt in dem schaudervollen Wechsel des Daseins, wie dürfen Sie es verleugnen in dem Wahne, die Vollendete dadurch zu beleidigen?

Antworten Sie mir, Hugo! Sagen Sie mir, ob ich auch von Ihnen geträumt habe? Sophie wird mir Ihren Brief zuschicken.

Antwort

Ich weiss es nicht, Elise, ob wir beide geträumt haben? ich weiss auch nicht, ob ich nicht noch träume? Oder jetzt, und damals vielleicht nicht?

Vergeben Sie mir, wenn es dumpf und öde in mir ist. Es bleibt nicht immer so, aber ich halte diese Stimmung fest, denn eine andere! – –

Haben Sie gelesen, Elise! die stillen, bescheidenen, zärtlichen Worte? Ja wohl, die Erde zieht einen Vorhang zwischen uns. Gott lässt ihn fallen! Was sollte auch der Engel an meiner Seite? Ich hatte keinen Sinn für diese einfache Güte. erkennen musste ich sie wohl, doch empfindenempfinden –! wer empfindet den Andern in seinem geheimnissvollen Selbst?

Die Liebe könnte es! Die Liebe? Ist mir doch, als wäre sie auch ein Traum! –

Ich glaube, es ist von allen Seiten ein Vorhang zwischen mir und dem Himmel gefallen! Es fehlt viel, sehr viel, dass uns die Sonne allgegenwärtig bliebe. Es gibt lange, lange Nächte in unserm Leben. Wir wissen darin nichts von Licht und Wärme, und sind so eingehüllt in Finsterniss, so träge, so schläfrig, dass wir uns auch nicht einmal darnach sehnen.

Lassen Sie mich s o , liebe Freundin. Besser nichts von sich zu wissen, als zu viel.

Sehen Sie wohl, ich hatte Ihnen gar nichts Neues zu sagen. Darum schwieg ich auch. Sie müssen wissen, ich bin ganz mit den Worten überhaupt zerfallen, seitdem ich einsah, dass der Mensch ihrer nicht immer Herr ist. Sie strafen mich nun dafür. Ich finde selten eins, das ich gebrauchen könnte, mich verständlich zu machen. Mich dünkt auch, Sie, Elise! sollten ihnen misstrauen! Auch in Ihnen spricht die Seele anders, als es die Lippen auszudrücken vermögen. Warum, ach warum bleibt Vieles nicht ungesagt! – Auch jetzt! – Es e r g ä n z t das Gefühl lieber, als dass es den scharfen Klang vernimmt!

Vergeben Sie. Mein Inneres ist wund, der Hauch des zartesten Grusses verletzt mich. Wie muss doch Alles anders sein, denn ehemalsnicht wahr, wir verstanden einander immer?

Ich will hinaus ins Freie gehen. Ich will mich besinnen. Vielleicht wird es wieder wie ehemals – – – – O Elise, was haben Sie getan! Sie haben gerufen, und ich bin dem Tone gefolgt. Nun bin ich elender als vorher. Ich war bei Ihnen drüben in Ihrem haus, in Ihrem Garten, zum erstenmale seit langer, langer Zeit. Sonst, wenn ich das Dorf von fern liegen sah, dann schreckte mich die Oede drinnen. Ich wandte das Auge ab, wie man es einst beim Scheiden von der Welt wenden wird, mit sonderbar entzücktem Grauen. Was war auch hier geschehen! Was hatte ich nicht erfahren! Vom Jüngling alterte ich zum Greis. Hier sah ich mein Glück versinken.

Heute widerstand ich nicht. Es lockte mich, ich weiss nicht was? Ich ging den Pfad, der durch die Wiesen führt; der schmale Graben mit seinem grünen rand und den tausend Vergissmeinnicht, vom Grase halb verdeckt, die roten Federnelken, der feuchte Hauch des rinnenden Gewässers, es duftete wie an den kühlen Abenden, wo ich Sie von der Burg zurückgeleitete. Nun stand ich unter der alten, breitgewipfelten Weide, rechts schlängelte sich der Bach, jenseits winkten die Erlen. Da ist der kleine Steg! noch ein Schritt, und ich bin in Ihrem Garten.

Kommen Sie, o kommen Sie nie wieder hierher! Erst Monate sind es, und schon verwildert, verwachsen, mit Gestripp überzogen, kaum die Wege noch kenntlich, wo Ihr Fuss gewandelt!

So schnell ist das Leben im Zerstören, so geschwind verwischen sich Spuren!

Ich war ganz irre geworden. Ich bog die Zweige auseinander,