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g e h o f f t ! das sehe ich nun wohl! Aber dass Sie, lieber Freund! S i e allein, hierdurch am Tiefsten leiden werden, das ist es, was mich diese Zeilen so starr und spröde anfangen, und jetzt so überwältigt schliessen lässt. Kalt wollte ich über das Verlorne reden, und tun, als sei es längst eingebüsst; aber man fühlt es erst, was der leise Hauch zweier warmen Lippen beleben kann; wenn aber das Eis des Todes solche auf ewig geschlossen hat? – – Dann, doch lassen Sie mich abbrechen! Wir ziehen Trauerkleider an, wie die Erde, wenn es Winter wird, und bis die neue Sonne kommt, muss Vieles, Vieles in uns sterben! – Ich bin zu unruhig, von mehr als einer Seite zu bewegt, um Ihnen jetzt viel sagen zu können. Denken Sie doch an EliseGemüter wie das ihrige werden im Unglück höher und stärker, aber auch z u v e r s i c h t l i c h e r und b e w u ss t e r . Es taugt nicht, sich selbst soviel zu verdanken zu haben! Wenn sich die beiden Menschen jetzt auf ihrem Wege begegnen, wenn der Schlag, der sie gemeinschaftlich trifft, sie zwingt, einander zu halten, was wird aus Elise werden, wenn sie dann nicht vereinigt bleiben? Und denken Sie an die Möglichkeit, dass Hugo zum zweitenmal, jetzt –? Unmöglich! Wie ich ihn kenne, unmöglich.

Ich schreibe Ihnen nächstens wieder, lieber Freund. Lassen Sie mich durch den Arzt wissen, wie Ihr Gesundheitszustand ist? und ob ich hoffen darf, Sie in den warmen Tagen schneller hergestellt, hier bei mir zu sehen? –

Werden Sie Hugo sprechen? Wollen S i e ihm die erschütternde Nachricht zuerst mitteilen? Wäre es nicht besser, der Arzt übernähme die traurige Pflicht? oder ich sagte ihm, was er wissen muss? Ja, schicken Sie ihn m i r . Ich bin darauf gefasst. Ich will ihn erwarten. Sein Sie unbesorgt, ich werde ihn in seinem Schmerz ehren. Der Unglückliche ist mir heilig. Wie könnte ich, ihm gegenüber, daran denken, dass er der toten nicht wert war. Ich will es lieber auch so nicht denken, denn wer weiss auch, ob es so ist? Im Urteil fühlt der Mensch erst seinen unermesslichen Abstand von dem Allsehenden.

Gute Nacht, armer Freund! Wie wird Ihr schönes Herz trauern!

Elise an Sophie

Ist es wahr? Ist es? – O sagen Sie N e i n . Ich beschwöre Sie, Sophie, sagen Sie N e i n . Ich vergehe vor Angst!

Verstehen Sie mich nicht? – Gottlob! dann ist es nichts! dann hat er nur gefaselt! dann habe ich Vieles, Vieles mit dem entsetzlichsten Schrecken abgebüsst.

Ach, Liebe! fragen Sie mich nicht. Ich kann es Ihnen nicht sagen. Es will nicht über meine Lippen, nicht in meine Feder.

Ich weiss nicht mehr, was ich tue! Erst sollte Ihnen ein fliegender Bote meinen Brief bringen. Ich konnte nicht eilig genug Antwort darauf erhalten. Jetzt zögere ich, und zögere! Was werden Sie mir denn sagen, Sophie?

Wenn es, hören Sie, Liebe! bedenken Sie wohl, dass Ihr J a mich zerschmettern müsste. Es wäre zu schrecklich! –

Mein Gott, ich war ja in mein Geschick ergeben. Ich tat auf jede Lebensfreude Verzicht. Ganz still, ganz verborgen, wollte ich ihn nur d e n k e n . Die Freistatt des Gedankens, d i e , glaubte ich, dürfe mir bleiben. Ich trat ja hier Niemanden zu nahe, ich war ja so klein, so gebeugt! weshalb sucht mich mein unversöhnliches Geschick auf dem engen, dürren Fleckchen Erde auf, warum schickt es solche B o t s c h a f t an mich?

Jenen Abend werde ich nie vergessen, er steht wie ein blick in die Hölle, schwarz, kalt und auch siedend heiss, voll unglaublichen Qualen, Tag und Nacht vor mir.

Denken Sie nur, ich befand mich ganz allein auf einem abendlichen Spatziergang. Die Sonne war längst untergegangen. Dünste stiegen auf. Ich sah die Sterne, einen nach dem andern zwischen feinen Wölkchen hervortreten. Es war da oben so weit, so erleuchtet. Die Lüfte schwirrten wie Fittige über mir, ich glaubte das Schreiten der Geister zu hören, ich fühlte den Geist aller Geister mit unnennbarem, mit bebendem Entzücken. Hugo war mir nahe, wie in den untergegangenen Tagen. Es gab keine Trennung mehr! S o , s o ! dachte ich, w i r d es sein. So ist es schon! Was soll erst w e r d e n ? rief ich. Hat je die Seele etwas v e r l o r e n ? Kann sie sagen, es sei ihr fern, was sie liebt? Kennt sie eine Zeit? Undankbares Geschlecht! so reich bist du ausgestattet, und du klagst, wenn die rollenden Stunden ablaufen, als behieltest du deine Gegenwart nicht ewig lebendig in Dir?

Sophie, liebe Sophie! die freiere Bewegung meiner Brust liess mich nicht ruhig auf einer Stelle bleiben. Ich ging hin und her. Ich ging mit Ihnen, mit Hugo, Georg sprang vor mir her. Zweifeln Sie, dass ich im Himmel war? Da