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Leichtigkeit, wie sie sich ausdrückte, mit der ich Rücksichten bei Seite zu schieben und Verhältnisse nach Gefallen zu handhaben wisse. "Sie beschämen und ehren mich zugleich, sagte sie, denn indem sie mich aufsuchen, lassen sie mich mit meinem Unrecht ihre Nachsicht empfinden, die nur den schmeichelhaften Grund freundschaftlicher Vorliebe haben kann, und sie zum Engel und mich zu ihrer Sclavin macht."

Ich kenne ihre extravagante Art, sich auszudrücken. Sie gehört zu ihr. Gehe ich auch nicht in den Ton ein, so verstehen wir einander vielleicht darum um so besser. Sie weiss, wie ich's nehme, und ich, wie sie es gibt.

Als sie mein einfaches, percale Kleid und den Strohhut mit gelbem Bande, wie ich beides Tag für Tag auf dem land trage, reizend genannt, den Fall der Locken, den Schnitt der Halskrause durch alle Prädicate gelobt hatte, gab ich ihr für so viel unverdienten Beifall, durch das ungeheuchelte Erstaunen über die vorteilhafte Veränderung ihrer beiden Töchter, meinen Dank zu erkennen.

In der Tat hätte ich es für unmöglich gehalten, dass einzig der Wechsel äusserer Beziehungen, in einem Zeitraume von zwei Monaten diese Umwandlung hervorbringen könnte. Ich musste mir jetzt die bleichen, nüchternen Gesichtchen zurückrufen, die so lang und so unbedeutend zwischen dem gescheitelten hellen Haar hervor sahen, die so characterlos schienen, dass ich immer Eins mit dem Andern verwechselte. Zwei ganz andere Personen standen in der frischen Toilette, den reich und modisch geordneten Locken, in dem besonderen Hauch, warm zurückstrahlender Lebensverhältnisse, frei und gefällig vor mir. Die schüchtern gesenkten Augen hoben sich lachend aufwärts. Es spiegelte sich Bewusstsein und Erwartung darin. Sie f a ss t e n ihren Gegenstand und hatten Farbe und Glanz.

Auch die Lippen blieben nicht länger verschlossen. Die Mutter horchte lächelnd auf das, was sie sagten. Die Anerkennung der Gesellschaft hatte augenscheinlich das Maass der ihrigen bestimmt. Es war nicht mehr sie a l l e i n , sondern s i e in den Töchtern, welche Aufmerksamkeit und Bewunderung erwartet.

Solch Untergehen einer Persönlichkeit in die andere, lässt die Eitelkeit nichts in den Tagen entbehren, wo sie sonst nur empfindliche Kränkungen erfährt.

Die Gräfin schien mir mehr als je mit der Welt zufrieden. Ueberall fasste sie nur die Lichtseiten derselben auf, und wusste so viel Leben und Interesse hinein zu legen, dass sie Nahes und Fernes, in einer gewissen gemütlichen Beweglichkeit, durch ihre Unterhaltung fliessen liess.

Hierbei kommen denn auch die Neuigkeiten der Nachbarschaft zur Sprache. "Mein Gott!" rief sie plötzlich, wie von der Wichtigkeit des Gegenstandes auf Vorwurfs ähnliche Weise an ein unverzeihliches Vergessen erinnert. "Mein Gott, und nicht ein Wort von dem Neffen des Comtur, und den geschickten Machinationen ihrer Freundin Sophie?"

"Von welcher Art sind diese?" fragte ich, in höchster Unwissenheit alles dessen, was hierauf Bezug hatte.

"O gehen Sie! gehen Sie! lachte die Gräfin. Spielen Sie doch nicht die Zurückhaltende gegen mich. Die geschichte ist ja die Neuigkeit des Tages." "Bis zu mir kam sie nicht," versicherte ich sie. "Und doch ist Ihr Mann um nichts Geringes dabei im Spiele, versetzte sie spöttisch. Wie pflichttreu der ehrliche Präsident auch sein mag, fügte sie hinzu, so wird er doch seiner allerliebsten kleinen Frau nicht die Mitteilung eines sehr besonderen Romans vorentalten haben?"

Als ich sie vom Gegenteil auf eine Weise überzeugte, die ihr keinen Zweifel liess, rief sie lachend: "Von was in aller Welt, spricht denn der ernstafte Mann mit Ihnen, wenn ihm auch seine Geschäfte nicht Stoff dazu bieten dürfen?"

Ich umging die Antwort durch ein Paar allgemeine Epigramme, gegen die Ehemänner. Sie fand das köstlich, Agate und Rosalie wollten sich halb tot lachen, und ich kam wieder auf den Neffen und den Oheim zurück.

"Nun, fiel die Gräfin schnell ein, mit dem hat es folgende Bewandniss: Sein Vater, als der ältere Bruder unsers Nachbars, war der Erbe eines ansehnlichen Majorats, um das er sich durch eine voreilige und heimlich vollzogene Heirat, mit einem protestantischen fräulein, brachte."

"Heimliche Heirat!" unterbrach ich sie. Mir fiel die Erzählung der Amtmännin ein. Jetzt verstand ich den wehmütigen Anteil des Schlossgastes, an ihrem tod. Die Gräfin mochte die verwundernde Ausrufung anders deuten. "Nun, nun, lächelte sie, erschrickt Ihre strenge Tugend selbst vor dem gesetzlichen Auswege aus dem Labyrint der leidenschaft? wie werden Sie erst den Stab über diejenigen brechen, welche sich auf immer in demselben verirrten."

"Ich breche über Niemand den Stab, entgegnete ich. Ich bedauere im Gegenteil alle, welche sich aus Vorliebe für träumerische Einbildungen auf eine Art täuschen, die ihnen Nachteil bringt, denn ich glaube nicht an ein Ueberschwängliches, das den Meister über uns spielen kann, die Wirklichkeit zeigt es uns nur in karikirten Kopien verführerischer Romane, aus denen immer bei weitem mehr sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen als lebendige Wahrheit spricht."

"Im grund haben Sie vollkommen recht, stimmte die Gräfin mir bei, aber sagen Sie, was Sie wollen, Romane unterhalten ausserordentlich, und die kleinen Kopien davon im Leben sind hübsch, wie viel Torheit und Selbstbetrug dabei auch im Spiel sein mag."

Sie lachte bei diesen Worten, wie durch angenehme Erinnerungen erheitert. Die jungen Mädchen lachten mit ihr. Ich musste über die Unbefangenheit