sollst die Fürstin meines Hauses sein, wir wollen zusammen ein Himmelreich gründen, und die Meinung der Welt soll mich nicht hindern, der Seligste unter den Menschen zu sein.
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Hier brach das Tagebuch des Malers ab. Der Pfarrer machte eine Pause und Jungfer Ernestine sagte: "Er brachte sie also ins Vaterland und nahm sie förmlich zum weib?" "Ja, leider dass Gott erbarm! er setzt' es durch. Er verleugnete die abscheuliche Herkunft der person, doch man merkte sogleich Unrat, und wer von der Familie hätte sich nicht davor bekreuzen sollen, so eine wildfremde Verwandtschaft einzugehen? Alles riet dem Bruder ab, alles verschwor sich gegen eine Verbindung, ich selbst, Gott vergebe mir's, habe mich verfeindet mit ihm, so lieb ich ihn hatte. Umsonst, der Fürst war auf seiner Seite, er ward in der Stille getraut und lebte mit dem Weibsbild einsam genug auf seinem kleinen Gute. Seine Kunst nährte ihn vollauf, aber es konnte kein Segen dabei sein; beide Eheleute, sagt man, hätten sich geliebt, abgöttisch geliebt, und doch, heisst es, sei sie in den ersten Monaten krank geworden vor Heimweh nach ihren Wäldern, nach ihren Freunden. Man sage mir was man will, ich behaupte, so ein Gesindel kann das Vagieren nicht lassen, und mein armer Bruder muss tausendfachen Jammer erduldet haben. Es dauerte kein Jahr, so schlug der Tod sich ins Mittel, die Frau starb in dem ersten Kindbett. Euer Onkel statt, wie man hoffte, dem Himmel auf den Knieen zu danken, tat über den Verlust wie ein Verzweifelnder; er lebte eine Zeitlang nicht viel besser als ein Einsiedler; sein einziger Trost war noch das Kind, das am Leben erhalten war und in der Folge eine unglaubliche Ähnlichkeit mit der Mutter zeigte. Er liess das Mädchen sorgfältig bei sich erziehen bis in sein siebentes Jahr. Da strafte Gott den hart Gezüchtigten mit einem neuen Unglück. Das Kind ward eines tages vermisst, niemand begriff, wohin es geraten sein konnte. Später fand man Ursache, zu glauben, dass die verruchte Bande den Aufentalt meines Bruders entdeckt, und weil die Frau nicht mehr zu stehlen war, sich durch den Raub des Mädchens an dem Vater gerächt habe. Sein halb Vermögen liess dieser es sich kosten, seinen Augapfel wieder an sich zu bekommen, vergebens, er musste die Tochter verlorengeben, und nie vernahm man weiter etwas von ihr. Und heute nun – es ist ja unfasslich, es ist rein zum Tollwerden, mir wirbelt der Verstand, wenn ich's denke, heute muss ich es erleben, dass der Bastard mir durch meine eigenen Kinder über die Schwelle gebracht wird. Mir ist nur wohl, seit sie wieder aus dem Haus ist! Wenn sie sich nur nicht irgendwo versteckt! dort liegt ja ihr Bündel noch; wenn nur nicht der ganze Trupp hier in der Nähe umherschleicht! Heiliger Gott! wenn sie mir das Haus anzündeten, die Mordbrenner – Auf, Kinder! mir läuft es siedend über den Rükken, mir ahnet ein Unglück! Durchsucht jeden Winkel – der Knecht soll den Schulteiss wecken – man soll Lärm machen im dorf –"
"Um Gottes willen, Vater was denken Sie?" riefen die Mädchen, "besinnen Sie sich doch! die Zigeuner sind ja meilenweit von uns entfernt und das Mädchen wird uns nicht schaden."
"Was? nicht schaden? wisst ihr das? Ist sie nicht von Sinnen? Was ist von einer Närrin nicht alles zu fürchten!"
"So kann ja Johann die Nacht wachen, wir alle wollen wachen."
"Keinen Augenblick hab ich Ruh, bis ich mich überzeugt, dass nicht irgendwo Feuer eingelegt ist. kommt! ich habe nun einmal die Grille; begleitet mich."
So tappte man denn zu dreien ohne Licht durch das ganze Haus; die Gänge, die Ställe, die Bühne, alles wurde sorgfältig untersucht. Als man in die Dachkammer kam, wo sich das merkwürdige Bild befand, empfanden die Mädchen einen heimlichen, jedoch reizenden Schauder; es war so aufgehängt, dass soeben der Mond sein starkes Licht darauf fallen liess, und selbst der Pfarrer ward wider Willen von der dämonischen Schönheit des Gesichtes festgehalten, man hätte es wirklich für ein Porträt Elisabets halten können; von ganz eigenem, nicht weiter zu beschreibendem Ausdruck waren besonders die braunen durchdringenden Augen. Keines von den dreien wollte ein lautes Wort sprechen, nur Adelheid fragte den Vater, ob der Onkel es gemalt? ob es seine Frau vorstelle? Der Pfarrer nickte, nahm das Bild seufzend von der Wand und versteckte es in die hinterste Ecke.
Im Vorbeigehen traten sie in Teobalds Schlafkammer, er schlief ruhig, die hände lagen gefaltet über der Decke.
Mitternacht war vorüber. Der Alte hatte wenig Lust sich zur Ruhe zu begeben, die Töchter sollten ihm Gesellschaft leisten, und um sie wach zu erhalten musste er den Rest der traurigen geschichte erzählen. "Dieser geht nahe zusammen", sagte er. "Der Unfall mit dem kind vernichtete den Oheim ganz; der Aufentalt im vaterland ward ihm unerträglich, er ging auf Reisen, nach Frankreich und England, soll aber in steter Verbindung mit seinem Fürsten geblieben sein und fortwährend für ihn gearbeitet haben, bis er aus unbekannten Gründen mit dem hof zerfiel. Auf einmal verscholl er und man weiss bloss, dass er mit einem Schiffe zwischen England und Norwegen umgekommen. Den grössten teil seines Vermögens