Worte zu haben. Dazwischen arbeitete sie mit dem Schnitzmesser sehr fertig an einem niedlichen Geräte, dergleichen die Zigeuner aus einem beinahe kein Ohr mehr für ihre Erzählungen ob der Aufmerksamkeit auf die Bewegung der Lippen, auf das Spiel ihrer Miene, und endlich von stille glühenden Wünschen innerlich bestürmt und aufgeregt, wandte ich mich von ihr ab, so dass ich etwas tiefer sitzend ihr Gesicht im rücken und ihren nackten Fuss – denn so geht sie gar häufig – dicht vor meinem Auge hatte. Wie trunken an allen Sinnen und meiner nicht mehr mächtig ergriff ich den Fuss und drückte meinen Mund fest auf die feine braune Haut. In diesem Augenblick gab Loskine mir lachend einen derben Stoss, wir standen beide auf und ich bemerkte eine hohe Röte auf ihrer Wange, eine Verwirrung, die ich schnell zu deuten wusste. Dadurch kühn gemacht schlang ich ohne Besinnen die arme um die treffliche Gestalt, und sie widerstand mir nicht. Heiss brannten ihre Lippen und ihr blick sprühte in den meinigen sein schwarzes Feuer. Aber kurz nur, denn jetzt kehrte er sich verworren ab, und der nächste Gegenstand, auf den er zugleich mit dem meinigen fällt, ist – Marwin, welcher ruhig an einen unfernen Baum gelehnt ein Zeuge dieser Szene war. Loskine stand wie vom Schlage gerührt. Ich suchte, ohne Marwin bemerken zu wollen, ihn über den Vorfall zu täuschen, indem ich laut und scherzhaft mich über Sprödigkeit beklagte und dass sie mir das Gesicht schändlich zerkratzt hätte. Bei dieser Komödie leistete mir das Mädchen nicht die geringste Unterstützung. Sie starrte schweigend vor sich hin und unter stille hervorstürzenden Tränen entfernte sie sich langsam. Nun erst grüsste ich ganz verwundert meinen Nebenbuhler, ging auf ihn zu und wollte in meiner Rolle fortfahren, allein er sah mich ein paar Sekunden lang verächtlich an, dann liess er mich stehen und ging.
Es sind seitdem sechzehn Stunden verflossen, ohne dass sich bisher die mindeste Folge gezeigt hätte, ausser dass Loskine mir überall ausweicht.
In einer Bauernhütte zu ***
Ich bin getrennt von meiner Bande, aber um welchen Preis getrennt!
An demselben Morgen, da ich das letzte schrieb, nahm der Hauptmann mich beiseite und erklärte mir mit Mässigung, aber mit finsterm Unmut, dass ich ihn verlassen müsste oder mich ganz so verhalten, als ob Loskine gar nicht vorhanden wäre. Sein Sohn wünscht sie als Weib zu besitzen, er selber habe sie ihm versprochen, sie werde sich auch jetzt nicht länger weigern. Ich möchte überhaupt auf meiner Hut sein, Marwin wolle mir sehr übel, nur die Furcht vor ihm, seinem Vater, habe ihn im Zaum gehalten, dass er sich nicht an mir vergriffen. Ich erwiderte, wenn mein argloses Wohlgefallen an dem Mädchen Verdruss erresein; wenn aber Marwin überhaupt durch meine Gegenwart beunruhigt werde, so würde ich auch diese aufheben. Der Hauptmann, im Bewusstsein der nicht unbeträchtlichen Vorteile, die ihm meine Gesellschaft brachte, lenkte ein. Ich antwortete darauf wieder in unbestimmten Ausdrücken und so beruhte die Sache auf sich. Aber bald kam ich zu einer herzzerschneidenden Szene, woran ich sogleich selber teilnehmen sollte. Loskine, mit dem Strickzeug auf dem Schosse, sass an der Erde, das Gesicht mit beiden Händen bedeckend, indes ihr Liebhaber unter grässlichen Verwünschungen und im heftigsten Schmerz ihr ein offenes Geständnis über jenen Vorfall auszupressen suchte. Wie er mich gewahr wurde, sprang er gleich einem Wütenden auf mich los, fasste mich an der Brust und forderte von mir, was jene ihm vorentalte. Er zog das Messer und drohte mir noch immer, als wir schon von fünf bis sechs Personen, die herbeieilten, umringt waren. Der Vater entwaffnete ihn auf der Stelle. Aber erst Loskine, welche sich jetzt mit einem mir unvergesslichen Ausdruck von würdevoller Ruhe aufhob, machte dem Lärmen ein Ende; sie fasste, ohne ein Wort zu sprechen, Marwin mit einem vielsagenden Blicke bei der Hand und er, der von der Bedeutung ihrer feierlichen Gebärde so mächtig ergriffen zu sein schien, wie ich, folgte wie ein Lamm, als sie ihn tief mit sich in das Gebüsche führte.
Nach einer Weile kehrte sie allein zurück, ging mit entschiedenem Schritt auf mich zu, den sie gleichfalls aus der Mitte der übrigen hinwegwinkte.
"Ich habe ihm versprochen", fing sie, da wir weit genug entfernt waren und stillestanden, in ernstem Tone an, "ich hab ihm versprochen, dir zu sagen, dass ich dich hasse wie meinen ärgsten Feind und bis in den Tod. Ich sage dir also dieses. Doch du weisst es anders. Ich sage dir für mich, dass ich dich vielmehr liebe wie meinen liebsten Freund, und das solange ein Atem in mir sein wird. Aber du musst fort von uns, auch das hab ich ihm gesagt. Mach es kurz, ich darf nicht lange ausbleiben. Küsse mich!"
"Muss ich fort", antwortete ich, durch das Grossartige dieses Augenblicks fast über allen Affekt hinausgehoben, "muss ich fort, und ist es wahr, dass du mich mehr liebest als alles, so lass uns zusammen gehen."
Sie sah mich staunend an, dann schüttelte sie gedankenvoll das schöne Haupt:
"Loskine!" rief ich, "wolle nur, und was dir unmöglich scheint, soll gewiss möglich gemacht werden. Aber noch eins zuvor beantworte mir: Kannst du Marwins Verlangen nicht gutwillig erfüllen? Kannst du nicht die Seinige werden?"
Sie schwieg. Ich tat dieselbe Frage wieder,