" fragte Larkens die Hofdame, indem er jenes schneidend scharfe Gesicht zeigte, das einem durch die Seele ging.
"Weil – weil – ich meinte nur –"
"Aber wie? wenn ich Sie alles Meinens und Vermutens überhebe, wenn ich Sie versichere, es ist ein reines Kindermärchen, womit ich Sie zu unterhalten wagte? Doch Sie vermissen die Pointe dabei – ja, so ist der Dichter eben ein ruinierter Mann!"
"Er mag nur sorgen, dass er kein solcher wird, wenn man die Pointe wirklich herausgefunden haben sollte", raunte der Baron von Vesten einem Geheimenrat ins Ohr und zog ihn beiseite "merken Sie denn nicht, dass das Ganze ein Pasquill auf unsern verewigten König und seine geschichte mit der Fürstin Viktorie ist?"
"Was sagen Sie? Ja, wahrlich, jetzt geht mir ein Licht auf! Mir deucht, die Figur im Schauspiel hatte Ähnlichkeit mit den Zügen des Höchstseligen –"
"Allerdings! allerdings! nun? ist das aber nicht ein ungeziemender Spass? ist es nicht impertinent von diesem Larkens? aber ich hielt ihn von jeher für einen maliziösen Menschen."
"Fein und edel wär's auf keinen Fall, ich muss sagen, wenn es sich wirklich so verhielte. Denn, was man auch behaupten mag, der Verewigte war doch ein geistreicher, vortrefflicher Mann. Es ist seine Schuld nicht, dass er in der Folge krank und elend wurde, dass er zum Verdruss gewisser Patrioten ein übermässiges Alter erreichte, dass ihn die Fürstin – nun! könnten wir uns aber nicht etwa täuschen, wenn wir diese Beziehungen –"
"Täuschen? täuschen? Gerechter Gott! Sind Sie blind, Exzellenz? Stiess ich denn nicht nach dem zweiten Auftritt gleich meine Frau an? und fiel es ihr nicht auch plötzlich auf? Treffen nicht die meisten Umstände zu? Dass der Vogel sich dann wieder hinter andere unwesentliche Züge versteckte, das hat er schlau genug gemacht, aber er mag sich wahren; es gibt Leute, die die Lunte riechen, und ich tue mir in der Tat etwas darauf zugute, dass ich die Bemerkung zuerst gemacht."
"Jedoch, nur das noch, Baron! mir deuchte doch, der alte Narr in der Piece da, er benimmt sich, wenigstens der Absicht des Poeten nach, immer recht nobel, besonders vis-à-vis der Hexe oder was es ist, und es widerfährt ihm, wie mir's vorkam, zuletzt noch gleichsam göttliche Ehre."
"Spott! Spott! lauter infame Ironie! ich will mich lebendig verbrennen lassen, wenn es was anders ist." "Und wie gemein mitunter", lispelte die bleichsüchtige Tochter Vestins, hinzutretend, "wie pöbelhaft!"
Die übrigen hatten sich inzwischen wieder in das vordere Zimmer begeben. Man unterhielt sich noch eine Weile über das sonderbare Stück, allein bald stockte das Gespräch ein vorsichtiges Ansichhalten, eine gewisse Verlegenheit teilte sich auch dem Unbefangensten mit, es glaubten endlich mehrere, es müsse jemand aus der Gesellschaft beleidigt worden sein, und man sah einander lauschend an. Wer sich allein nicht irremachen liess, das war die schöne Wirtin des Hauses, und dann Larkens selbst, welcher nur desto mehr schwatzte, lachte, dem Wein zusprach, je kälter das Benehmen der übrigen war, das er im stillen gutmütig mehr nur als eine verzeihliche Gleichgültigkeit gegen sein fremdartiges Produkt, denn als Spannung auslegte.
Da es übrigens schon spät war, ging man in kurzem auseinander. Constanze beehrte den verkannten Schauspieler noch auf der Schwelle mit der Bitte, sein Manuskript zu nochmaliger Erbauung dagelassen zu dürfen, und Freund Nolten bekam eine, wie ihm schien, ungewöhnlich freundliche "Gute Nacht" mit auf den Weg. Im Heimgehen machte Teobald seinen Begleiter auf jene Störung aufmerksam. "Gott weiss", antwortete Larkens, "was die Fratzen im kopf hatten! Am Ende war's nur Unbeholfenheit, was sie zu dem exotischen Ding sagen sollten; wären wir doch lieber damit zu haus geblieben oder hätten ihnen eine gutbürgerliche Komödie gegeben – Ei aber ein verdammter Streich müsst es doch sein, wenn sie eine Neckerei mit der alten Majestät darunter suchten!"
"Das fürcht ich", erwiderte Nolten, "und riet ich dir nicht damals schon, wie du mich mit der Sache bekannt machtest, es lieber bei dir zu behalten, weil für keine Missdeutung zu stehen sei? Es war vorauszusehen. Denn dass dir der alte Nikolaus und die Mätresse bei der ganzen Komposition vorgeschwebt, gestehst du selber und hat sich heute nur zu sehr gerechtfertigt –"
"Zumal", unterbrach der andere ihn mit Gelächter, "zumal, wenn es wahr sein sollte, dass dir selbst der Teufel auch einigemal in den Pinsel gefahren ist, weil du, wie du sagtest, den herrlichen Kopf des Alten auf dem Porträt über meinem Schreibtisch länger als rätlich war, ins Auge gefasst!"
"Leid genug auf alle Fälle sollte mir's sein", gestand Nolten nach einigem Besinnen, "man weiss nicht, wie so was umkommt und sich in der Leute Mund verunstaltet."
"Was da!" rief der andere, "wer wird so abgeschmackt sein und etwas Böses da herauskombinieren wollen? weisst du mir was Tolleres? Gar zu klein fänd ich es schon, wenn diese Kreaturen, die sich Gebildete nennen, überhaupt einem fremden Gedanken dabei Raum geben und über das Poetische der schlichten Fabel hinausgehen konnten. Aber