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sind Klagen;

Gewiss einem Könige gilt es zu Leid,

Doch Geister nur sind's, die ihn tragen.

Ach wohl!

Sie singen so traurig und hohl.

Sie schweben hernieder ins Mummelseetal,

Sie haben den See schon betreten,

Sie rühren und netzen den Fuss nicht einmal,

Sie schwirren in leisen Gebeten.

O schau!

Am Sarge die glänzende Frau!

Nun öffnet der See das grünspiegelnde Tor

Gib acht, nun tauchen sie nieder!

Es schwankt eine lebende Treppe hervor

Unddrunten schon summen die Lieder.

Hörst du?

Sie singen ihn unten zur Ruh.

Die wasser, wie lieblich sie brennen und glühn!

Sie spielen in grünendem Feuer,

Es geisten die Nebel am Ufer dahin,

Zum Meere verzieht sich der Weiher.

Nur still,

Ob dort sich nichts rühren will? –

Es zuckt in der Mitte! O Himmel, ach hilf!

Ich glaube, sie nahen, sie kommen!

Es orgelt im Rohr und es klirret im Schilf;

Nur hurtig, die Flucht nur genommen!

Davon!

Sie wittern, sie haschen mich schon!

Die Kinder entfliehen. Der Zug streicht wieder den

Berg hinan. Während er verschwindet, ruft der

König mit ausgestreckten Armen nach.

KÖNIG. Halt! Haltet! Steht! Hier ist der König Ulmon! Ihr habt den leeren Sarg versenkt, o kommt! Ich, der ihn füllen sollte, bin noch hier. Almissa, Königin! hier ist dein Gatte! Hörst du nicht meine stimme? kennst sie nimmer? Nein, kennst sie nimmer. Weh, o weh mir, weh! Könnt ich zur Leiche werden, sie vergönnten Mir auch so kühles Grab. lebe ich denn noch? Wach ich denn stets? Mir deucht, ich lag in dem kristallnen Sarge, Mein Weib, die göttliche Gestalt, sie beugte Sich über mich mit Lächeln; wohl erkannt ich Sie wieder und ihr liebes Angesicht. Fluch! wenn sie einen anderen begraben, Wenn einem Fremden sie so freundlich tat! Wie? so starb Lieb und Treue vor mir hin? Freilich, zu lange säumt ich hier im Leben – O Weila, hilf! lass schnell den Tod mich haben! Auf kurze Weile nur führ mich hinab Ins Reich der Abgeschiedenen, dass ich eilig Mein Weib befragen mag, ob sie mir Treue Bewahrt, bis dass ich komme.

Und wenn dem nicht so wäre, wenn ich ganz

Vergessen wäre bei den sel'gegen Toten?

O Weila hilf! Lass dieses Ärgste mich

Nicht schauen, dies nur nicht! Denn eher fleh ich,

Wenn deine Gotteit keinen Ausweg weiss,

Lass lieber hier mich an der irdschen Sonne,

Die traurgen Tage durch die Ewigkeit

Fortspinnend, leben, fern gebannt von jenen,

Die meine königliche Seele so Gekränkt.

O schändlich, schändlich! unbegreiflich!

Almissa, du mein Kind? Sollt ich das glauben?

Man hört eine besänftigende Musik. Pause.

Das Nachtgesichte, das ich vorhin sah,

Ich wag es nun zu deutenJa, mir sagt's

Der tiefe Geist.

Die Götter zeigten wohlgesinnt und gütig

Im Schattenbilde mir das baldge Ende

All meiner Not. Es war das holde Vorspiel

Des Todes, der mir zubereitet ist.

Vor Freude stürmt mein Herz!

Und schwärmt schon an des Sees Ufern hin

Wo endlich mir die dunkle Blume duftet.

Oh, eilet, Götter, jetzt mit mir! Lasst bald

Mich euren Kuss empfangen! sei es nun

Im Wetterstrahl, der schlängelnd mich verzehre,

Sei es im Windbauch, der die stillen Gräser

Vorüberwandelnd neigt und weht die Seele

Ulmons dahin.

Ab.

Zehnte Szene

Mittag.

In der Nähe des Meeres.

KOLLMER allein. Welch Wunder wird geschehen durch dies Buch! Ja, welch ein Wunder hat sich schon ereignet In meiner Gegenwart! Denn als ich ihm, Dem König, jene Blätter übergab, Warf er sein Haupt empor mit solchem blick, Als sollt es kommen, dass vom Himmel ein Stern Herniederschiessend rückwärts würde prallen Vorm Sterne dieses siegestrunknen Auges. Dann, alsbald meiner Gegenwart vergessend, Lief er mit schnellem Schritt davon. Gewiss Ist jenes dunkle Buch die Weissagung Und Lösung seines Lebens, es entüllet Das Rätsel der BefreiungHorch, Es donnert! Horch! Die Insel zittert rings, Sie hüpfet wie ein neugebornes Kind In den Windeln des Meers! Neugierige Delphine fahren rauschend Am Strand herauf, zu Scharen kommen sie! Ha! welch ein lieblich Sommerungewitter Flammt rosenhell in kühlungsvoller Luft

Und färbt dies grüne Eiland morgenfrisch!

Ihr Götter, was ist dies? Mich wundert' nicht,

Wenn nun, am hellen Tag, aus ihren Gräbern

Gespenster stiegen, wenn um alle Ufer

In grauen Wolken sich die Vorzeit lagerte!

Ein heftiger Donnerschlag. Kollmer flieht.

Eilfte Szene

Mondnacht. Wald.

König tritt herein. Silpelitt springt voraus.

SILPELITT. Hier ist der Baum, o König, den du meinst, Den meine Schwester manche Nacht besucht; Das Haupt anlehnend pflegt sie dann zu schlummern. KÖNIG. Von gelber Farbe ist der glatte Stamm, Sehr schlank erhebt er sich, und, sonderbar, Die schwarzen Zweige senken sich zur Erde, Wie schwere Seide anzufühlen. Kind, Wir sind am Ziel. Sei mir bedankt, du hast Mich mühsam den versteckten Pfad geleitet, Die zarten Füsse hat der Dorn geritzt, Doch sind wir noch zu Ende nicht. Sag mirSILPELITT. Ich will dir alles sagen, nichts verschweigenKÖNIG. Was hast du? Warum fängst du