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sah. WEBER. O sie liegen ganze Nachmittage im lieben Sonnenschein aufm Markt, haben Maulaffen feil, schlagen Fliegen und Bremsen tot und erdenken allerlei Pfiffe, wie sie mit Stehlen und Betrügen ihr täglich Brot gewinnen. Es sind die einzigen Taugenichtse, die wir auf der Insel haben; Schmach genug, dass man sie nur duldet. Wenn's nicht den Anschein hätte, als ob die Götter selbst sie aus irgendeiner spasshaften Grille ordentlich durch ein Wunder an unsern Strand geworfen, so sollte man sie lange ersäuft haben. Nehmt nur einmal: Unsere Kolonie besteht schon sechzig Jahre hier, ohne dass ausser den Störchen und Wachteln auch nur e i n lebend Wesen aus einem fremden Weltteil sich übers Meer hieher verirrt hätte. Die ganze übrige Menschheit ist, sozusagen, eine Fabel für unsereinen; wenn wir's von unsern Vätern her nicht wüssten, wir glaubten kaum, dass es sonst noch Kreaturen gäbe, die uns gleichen. Da muss nun von ungefähr einem tollen Nordwind einfallen, die paar Tröpfe, den Unrat fremder Völker, an diese Küsten zu schmeissen. Ist's nicht unerhört? SCHMIED. Wohl, wohl! Ich weiss noch als wär's von gestern, wie eines Morgens ein Johlen und Zusammenrennen war, es seien Landsleute da aus Deutschland. All das fragen und Verwundern hätt kaum ärger sein können, wenn einer warm vom Mond gefallen wär. Die armen Teufel standen keuchend und schwitzend vor der gaffenden Menge, sie hielten uns für Menschenfresser, die zufällig auch deutsch redeten. Mit Not bracht man aus ihnen heraus, wie sie mit einer Ausrüstung von Dingsda, vonwie heisst das grosse Land? nun, von Amerika aus, beinah zugrund gegangen, wie sie, auf Booten weiter und weiter getrieben, endlich von den andern verloren, sich noch zuletzt auf einigen Planken hieher gerettet sahen. GLASBRENNER. Hätt doch ein Walfisch sie gefressen! Der eine ist ohnehin ein Hering, der winddürre lange Flederwisch, der sich immer für einen gewesenen Informator ausgibt, oder wie er sagt, Professor. – Der Henker behalt alle die ausländischen Wörter, welche die Kerls mitbrachten. Ein Barbier mag er gewesen sein. Sein Gesicht ist wie Seife und er blinzelt immer aus triefigen Augen. SCHMIED. Ja, und er trägt jahraus jahrein ein knappes Fräcklein aus Nanking, wie er's nennt, und grasgrüne Beinkleider, die ihm nicht bis an die Knöchel reichen, aber er tut euch doch so zierlich und schnicklich, wie von Zucker und bläst sich jedes Stäubchen vom Ärmel weg. WEBER. Ich hab ihn nie gesehen, wo er nicht ängstliche, halbfreundliche Gesichter gemacht hätte, wie wenn er bei jedem Atemzug besorgte, dass ihm sein Freund, der Buchdrucker, eins hinters Ohr schlüge. Ich war Zeuge, als ihm dieser von hinten eine Tabakspfeife mit dem Saft auf seine Häupten ausleerte, um einen Anlass zu Händeln zu haben. GLASBRENNER. Richtig, der mit dem roten schwammigten Aussehen, das ist erst der rechte; so keinen Säufer sah ich in meinem Leben. Sein Verstand ist ganz verschlammt, er redt langsam und gebrochen, auf zehn Schritte riecht er nach Branntwein. WEBER. So haltet nur die Nase zu, denn dort sehe ich beide edle Männer an der Tür. KOLLMER. Sie werden mich suchen wegen des Kaufs. Auf Wiedersehn, ihr Herren!

Ab.

SCHMIED. Was will denn der Kollmer mit dem unnützen Zeug, dem Buch, oder was es ist? WEBER. Er sagt, er lege vielleicht eine Sammlung an von dergleichen alten Stücken. SCHMIED. Ein sonderbarer Kauz. Es heisst auch, er gehe mit Gespenstern um. WEBER. Man redt nicht gern davon. Was geht's mich an!

Achte Szene

Eine kleine schlechte stube.

BUCHDRUCKER allein; er steht an die Wand gelehnt mit geschlossenen Augen. Den Fund hab i c h getan, nicht du! So ist die Sache. Du hast keinen teil an der Sache, miserable Kreatur! Ich hab die Rarität entdeckt, ich hab im alten Keller im Schloss, hab ich das eiserne Kistelalle Wetter! hab ich's nicht aufgebrochen? Willst gleich mein Stemmeisen an Kopf, Nickel verfluchter?

Er schaut auf und kommt zu sich.

Wieder einmal geschlafen. Ah! – Der Musje Kollmer wird jetzt bald dasein. Muss ihn der Teufel just herführen, wenn ich besoffen bin? Nimm dich zusammen, Buchdrucker, halt die Augen offen, lieber Drucker. – Und der Tropf, der Wispel muss weg, wenn mein Besuch kommt, er geniert mich nur; der Affe würde tun, als gehörte der Profit ihm und die Ehre. WISPEL kommt hastig herein. Durchaus mit Affektation. Bruder, geschwind! Wir wollen aufräumen, wir wollen uns ankleiden. Der Herr wird gleich kommen, er will Bunkt ein Uhr kommen. Jetzt haben wir gerade zwölf. BUCHDRUCKER. Ja, man muss sich ein wenig einrichten. Ich will mich etwas putzen. Wenn ich mich heute mit lauem wasser wasche, kann er zufrieden sein; er wird es zu rühmen wissen. WISPEL geschäftig hin und her. Es kommt darauf an dass ich in grösster Eile meine Toilette rangiere oder embelliere. BUCHDRUCKER. Wo wirst du dich indessen aufhalten, während mich der Fremde spricht? WISPEL schnell. Ich bleibe, Guter, ich bleibe. Wo ist das Zähnebürstchen, das Zäh – – die Schuhbürste wollt ich sagen. – Aber meine Zähne sind ebenfalls