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Tritt Auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet, Und luftig schwirrender Musik bedienet Sich nun dein Fuss zum leichten Schritt, Womit du stunde um Stunde missest, Dich lieblich in dir selbst vergissestDu schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele

mit!

Tereile legt sich auf einen Rasen,

das Auge sehnsüchtig nach dem Könige gerichtet.

Er fährt fort, mit sich selbst zu reden.

Im Schoss der Erd, im Hain und auf der Flur

Wie wühlt es jetzt rings in der natur

Von nimmersatter Kräfte Gärung!

Und welche Ruhe doch, und welch ein Wohlbe

dachte!

Dadurch in unsrer eignen Brust erwacht

Ein gleiches Widerspiel von Fülle und Entbehrung.

In meiner Brust, die kämpft und ruht,

Welch eine Ebbe, welche Flut!

Pause.

Almissa – –! Wie? Wer flüstert mir den Namen,

Den langvergessnen, zu?

Hiess nicht mein Weib

Almissa? Warum kommt mir's jetzt in Sinn?

Die heilge Nacht, gebückt auf ihre Harfe,

Stiess träumend mit dem

Finger an die saiten,

Da gab es diesen Ton.

Vielleicht genoss ich

In solcher Stunde einst der Liebe Glück – –

Langes Schweigen.

Aufschauend endlich gewahrt er Tereilen,

die sich ihm liebevoll genähert hat.

Ha! bin ich n o c h hier? Stehst d u immer da?

So tief versank ich in die stummen Täler,

Die mir Erinnrung grub in mein Gehirn,

Dass mir jetzt ist, ich säh zum erstenmal

Dich, die verhafte Zeugin meiner Qual.

O warf ein Gott mich aus der Menschheit Schran

ken,

Damit mich deine fluchenswerte Gunst

Gefesselt hält in seligem Erkranken,

Mich sättigend mit schwülem Zauberdunst,

Mir zeigend aller Liebesreize Kunst,

Indes du dich in stillem Gram verzehrst

Um den Genuss, den du dir selbst verwehrst?

Denn dieser Leib, trotz deinen Mitteln allen,

Ist noch dem Blut, das ihn gezeugt, verfallen;

Umsonst, dass ich den deinen an mich drücke,

Vergebens diese durstig schöne Brust,

So bleiben unsre Küsse, unsre Blicke

Fruchtlose Boten unbegrenzter Lust!

Für sich.

Weh! muss ich eitle Liebesklage heucheln, Mir Mitleid und Erlösung zu erschmeicheln? – Darum, unsterblich Weib, ich bitte sehr, Verkenne dich und mich nicht länger mehr! Verbanne mich aus deinem Angesicht, So endigst du dies jammervolle Schwanken, Mein unwert Bildnis trage länger nicht Im goldnen Netze liebender Gedanken! tEREILE. Ganz recht! was ungleich ist, wer kann es paaren? Wann wäre Hochzeit zwischen Hund und Katze? Und doch, sie sind sich gleich bis auf die Tatze. Wie soll, obwohl er Flossen hat, der Pfeil Alsbald, dem Fische gleich, den See befahren? Hat ja ein jedes Ding sein zugemessen teil; Doch weiss ich nichts, das wie des Menschen Mund So viel verschiedne Dienste je bestund. Ei, der kann alles trennen und vereinen, Kann essen, küssen, lachen oder weinen, Nicht selten spricht er, wenn er küssen soll; Muss aber einmal doch gesprochen sein, So ist es Wahrheit, sollt ich meinen, Schön Dank! da ist er aller Lügen voll. Denn sieh, mit welcher Stirn wirfst du mir ein, Wir glichen uns nur halb, und nur zum Schein? Kann der von Bitter sagen oder Süss Den ich den Rand noch nicht des Bechers kosten liess? Still, still! ich will nichts hören, nicht ein Wort! So wenig lohnt es sich mit dir zu rechten, Als wollt ich einem Bären Zöpfe flechten. Tu, was du magst. Geh, trolle dich nur fort! Ich bin des Schnickeschnackens müde. KÖNIG. Ist es dein Ernst? tEREILE. Ernst? o behüte! Jetzt überfällt mich erst die wahre Lust, Dir zum Verdruss dich recht zu lieben. Komm, lass uns tanzen! Komm, mein Freund, du musst!

Sie fängt an zu tanzen.

KÖNIG für sich. Wie hass ich sie! und doch, wie schön ist sie! hinweg! mir wird auf einmal angst und bange Bei dieser kleinen golden-grünen Schlange. Von ihren roten Lippen träuft Ein Lächeln, wie drei Tropfen süsses Gift, Das in dem Kuss mit halbem tod trifft. Ha! wie sie Kreise zieht, Anmut auf Anmut häuft! Doch stösst's mich ab von ihr, ich weiss nicht wie.

Es ruft etwas entfernt: "Tereile! Ach Tereile!"

KÖNIG. Horch! tEREILE. Die Kinder kommen: welch Geschrei!

Fünfte Szene

Die Vorigen und die Kinder mit Silpelitt.

tEREILE. Was habt ihr denn? was ist geschehn? sprich, Malwy! Talpe, oder du! MALWY. Ach Schwester! tEREILE. Nun! Der Atem steht euch still. Wo habt ihr Silpelitt? SILPELITT hervortretend. Hie bin ich. MALWY. Als wir Silpelitt suchten, konnten wir sie gar nicht finden. Wir rannten wohl neun Elfenmeilen, darfst glauben, und stöberten in dem Schilf herum, wo sie zu sitzen pflegt, wenn sie sich verlaufen hat. Auf einmal an dem Fels, wo das Gras aus den mauligen Löchern wächst, steht Talpe still und sagt: "Hört ihr nicht Silpelitts stimme, sie redet mit jemand und lacht." Da löschten wir die Laternlein aus und liefen zu. Ach du mein! Tereile, da ist ein grosser, grausam starker Mann gewesen, dem sass Silpelitt auf dem Stiefel und liess sich schaukeln. Er l a c h t e auch dazu, aber mit